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„Wegducken war nie sein Ding“

IG-Marss-Preis an Manfred Ritter „Wegducken war nie sein Ding“

Für seinen unermüdlichen Einsatz zum Wohle des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege erhielt der ehemalige Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde die Auszeichnung für sein Lebenswerk.

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Manfred Ritter (Mitte) erhielt die Auszeichnung von Markus Gronostay (von links), Claus Schreiner, Gerhard Haberle und Ulla Hirt.

Quelle: Arnd Hartmann

Marburg. „Nach Preisen für Architektur, Stadtbild und Stadtplanung geht es heute einmal wieder um Denkmalschutz und Denkmalpflege“, eröffnete der Vorstandssprecher der IG Marss Claus Schreiner die Preisverleihung im Historischen Rathaussaal. „Die Epoche Ritter hat den Denkmalschutz in Marburg auf ein hohes Niveau gebracht, ihm mehr Bedeutung verschafft als in vielen anderen Städten.“

Dass die Nominierung zugunsten des diesjährigen Preisträgers durch die Jurymitglieder einstimmig ausfiel, hatte nicht nur etwas mit Ritters mehr als 46-jährigem beruflichen Engagement, sondern ebenso mit seiner persönlichen Wertschätzung für alte und traditionelle Baukunst zu tun. „Er hat während seiner Tätigkeit Siege und Niederlagen erlebt, aber stets seine Urteilsfähigkeit erhalten“, betonte der ehemalige Stadtplaner Diethelm Fichtner in seiner Laudatio.

Die behutsame Altstadtsanierung von 1973 bis 1996 mit Ritter an der Seite von Heinrich Klotz und Fichtner, habe neben großem Engagement, Fachwissen und einer kreativen Arbeit auch ein Spannungsfeld zwischen privaten Investoren und Denkmalschützern heraufbeschworen, erklärte der Laudator. Auch derzeitige Bauprojekte von Stadt und Universität wie beispielsweise am Pilgrimstein erfordern eine „echte, erlebnisoffene Diskussion“ mit aktiver Bürgerbeteiligung, so die Initiativgruppe. „30 Jahre nach der Altstadtsanierung muss man schon wieder über die Sanierung mancher Objekte in der Altstadt nachdenken“, mahnte Schreiner.

Für den Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde von Mitte der 90er-Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 „war der Wind zu dieser Zeit auch oftmals rauer“, betonte Fichtner. Früh kam der 1947 in Frankenberg geborene Preisträger durch seine Ausbildung als Bauzeichner und ein anschließendes Bautechnikstudium mit der Leidenschaft für die Fachwerkarchitektur in Berührung.

Auf „gleicher Wellenlänge“ mit Drechsler und Fichtner

„Wegducken und still sein war nie sein Ding gewesen. Er hatte es faustdick hinter den Ohren“, sagte Fichtner. „Er liebt seine Stadt“, doch aufgrund dieser Eigenschaft war der Grat, auf dem sich der Ausgezeichnete bewegte, manchmal schmal gewesen, wenn es sich um denkmalschutzrechtliche Auseinandersetzungen mit anderen Interessenvertretern handelte. Denn Denkmalschutz sei ein „knallhartes Verwaltungsrecht“. Gerührt von der Auszeichnung beschrieb Ritter anschließend seine Begegnungen und Erfahrungen, die er über die vielen Berufsjahre sammelte.

„Der Preis hat einen sehr hohen Stellenwert für mich“, konstatierte Ritter. Besonders die Zusammenarbeit zwischen dem damaligen Oberbürgermeister Hanno Drechsler und Stadtplaner Fichtner habe auf „gleicher Wellenlänge“ stattgefunden, erinnerte sich der Preisträger. Als „Glücksfall“ bezeichnete er seine zurückliegende Anstellung beim Magistrat: „Ich wollte daran mitwirken, dass keine weiteren Baudenkmäler abgebrochen werden.“

Seit 2007 wird in einem zweijährigen Turnus der IG-Marss- Preis für Stadtbild, Stadtentwicklung und Denkmalschutz verliehen.

von Arnd Hartmann

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