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Weg frei für mehr Tempolimits

Stadtparlament Weg frei für mehr Tempolimits

Dreckschleudern sollen in Marburg nichts mehr zu suchen haben. Das Stadtparlament verabschiedete mit zwei Beschlüssen zahlreiche, teils umstrittene Vorhaben zur Luftverbesserung. Die CDU wittert, dass mit einem neuen ­Verkehrskonzept auch die Seilbahn kommt.

Seit vielen Jahren diskutieren die Marburger Stadtverordneten über eine Reduzierung des Verkehrs in der Innenstadt sowie eine Verminderung des Lärms auf der Stadtautobahn. Daher waren zwei Beschlüsse im Stadtparlament fast historische Momente: Nach längerer Debatte stimmte die Mehrheit für die Verabschiedung der sogenannten Lärmaktionsplanung sowie der Luftreinhalteplanung.
Darin enthalten ist unter anderem ein sofortiges Tempolimit auf 80 Kilometer pro Stunde für Pkw und auf 60 für Lkw auf der B 3a (Stadtautobahn) – eine Forderung, die bisher vom Regierungspräsidium nicht genehmigt wurde. Lärmschutzwände entlang der B 3a sowie weitere Tempo-30-Zonen in der Innenstadt sind ebenfalls vorgesehen.
Langfristiges Ziel ist auch die Untertunnelung der Stadtautobahn im Stadtgebiet. Zudem soll die Stadt beim Land die Einrichtung einer Umweltzone beantragen: Die Innenstadt dürfte dann wie in Großstädten nur von Autos befahren werden, die eine grüne Umweltplakette haben. Die Liste der weiteren Forderungen und Pläne ist lang:

Stötzel: Die Lärmentlastung hört man nicht

Am besten sollen nur noch wenige, umweltfreundliche Fahrzeuge so leise und langsam wie möglich durch die Stadt fahren. Der Plan sei kostengünstig und schnell umsetzbar, andere Behörden müssten nun reagieren, sagte Uwe Volz (Grüne). Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sagte, die Marburger hätten Tempo 30 in der Innenstadt akzeptiert – vor zehn Jahren noch hätte er dies für unvorstellbar gehalten. Daher sei er zuversichtlich, dass weitere Limits Anklang finden.
Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) erklärte, eine Temporeduzierung auf der Stadtautobahn führe zu einer Lärmverringerung von zwei Dezibel. CDU-Fraktionschef Wieland Stötzel entgegnete, dass man diese Reduzierung gar nicht höre. Die CDU plädiert eher für Flüsterasphalt oder Lärmschutzwände. Henning Köster (Marburger Linke) folgte den Argumenten der rot-grünen Koalition. Ihm gehe der Beschluss aber nicht weit genug. „Er ist sehr unkonkret. Und nur da konkret, wo es die Stadt nichts kostet“.
Die CDU stimmte gegen die Pläne, weil sie darin enthaltene einzelne – nicht alle – Vorhaben ablehnt. Eine Geschwindigkeitsreduzierung von 50 auf 30 Stundenkilometer führe zu mehr Lärm, weil die Fahrzeuge abrupt runterschalten, so Joachim Brunett (CDU). Gegen die Einrichtung einer Umweltzone habe man nichts, aber es seien die öffentlichen Busse, die die Vorgaben nicht einhalten werden können, gab er zu bedenken.

Göttling ruft dazwischen

Die Einführung von weiteren Park-and-Ride-Parkplätzen sei der falsche Weg. Bestehende Parkplätze an den Stadträndern werden auch jetzt schon nicht angenommen, hieß es. Die CDU geht zudem davon aus, dass mit neuen Verkehrskonzepten, die für die Anbindung der Lahnberge gefordert werden, die Errichtung einer Seilbahn gemeint sei. Auch daher lehne man den Plan ab. „Ich weiß nicht, warum die SPD dafür ist, wenn doch auch ihre Basis dagegen ist,“ so Fraktionschef Wieland Stötzel.

„Schon mal was von Koalitionsvertrag gehört?“, rief Dietmar Göttling, Fraktionschef der Grünen dazwischen. Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) sprach sich gegen die Errichtung einer Umweltzone aus. Ein Argument: Nur acht bis elf Prozent der Fahrzeuge könnten verantwortlich gemacht werden für die Feinstaubbelastungen in den Städten. „Davon sind es zu 70 Prozent die Dieselmotoren, die das Problem ausmachen. Die Hauptlast liegt bei den Haushalten mit ihren Öl- und Gas-Heizungen und der Industrie.“
Kostenbewusste Autofahrer, die ein Dieselfahrzeug fahren, hätten Nachteile. Für die Lärmaktionsplanung stimmten die Fraktionen SPD, Grüne, Marburger Linke und der Pirat und BfM. Die CDU war dagegen, FDP und MBL enthielten sich. Für die Luftreinhalteplanung stimmten SPD, Grüne, Marburger Linke, Pirat. CDU und BfM lehnten sie ab, MBL und FDP enthielten sich.

von Anna Ntemiris

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