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"Wechsel zum Wohle neuer Schüler"

G8/G9 "Wechsel zum Wohle neuer Schüler"

Das Lehrerkollegium der Marburger Martin-Luther-Schule (MLS) hat sich laut ihrem Schulleiter Karl Goecke zu fast 100 Prozent für einen Wechsel zu G9 ausgesprochen.

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Das Gymnasium Martin-Luther-Schule.

Quelle: Thorsten Richter

OP: Wann stellen Sie auf G9 um?

Karl Goecke: Die Umstellung auf G9 erfolgt ab Schuljahr 2013/14 mit dem neuen Jahrgang 5 - sofern das Hessische Kultusministerium (HKM) unserem Antrag, dem vom Staatlichen Schulamt und der Stadt Marburg zugestimmt wurde, stattgibt.

OP: Gibt es zu diesem Zeitpunkt auch schon passende Lehrbücher für G9?

Goecke: Ein großer Teil der G8-Bücher kann weiterverwendet werden, da wir davon ausgehen, dass die Fachcurricula für G9 inhaltlich nur begrenzt erweitert werden. Daneben gibt es noch eine große Anzahl alter G9-Bücher, die noch sinnvoll für den Unterricht genutzt werden können. Allerdings gehen wir auch davon aus, dass die Zuweisungen des HKM für Lernmittel eine Schritt-für-Schritt-Umstellung auf G9 zulässt.

OP: Können jetzige Fünft-, Sechst- oder gar Siebtklässler, die nach G8 unterrichtet wurden, im neuen Schuljahr wieder nach G9 unterrichtet werden.

Goecke: Nach dem gültigen Schulgesetz ist eine Rückkehr zu G9 für die jetzigen Fünft-, Sechst- und Siebtklässler nicht möglich. Der Erfolg laufender Elterninitiativen, dies noch zu ermöglichen, bleibt abzuwarten.

OP: Wann bieten Sie die zweite Fremdsprache an, zur sechsten oder siebten Klasse?

Goecke: In Absprache mit der Elisabethschule werden wir die 2. Fremdsprache für G9 ab der Klasse 7 anbieten. Dies ist auch mit den Schulen, deren Schüler im Laufe der Mittelstufe zur MLS wechseln möchten und können (Otto-Ubbelohde-, Friedrich-Ebert-, Theodor-Heuss-, Emil-von-Behring-Schule) abgestimmt.

OP: Gibt es Erkenntnisse aus G8, die auch bei der Rückkehr zu G9 an Ihrer Schule weiterhin eine Rolle spielen?

Goecke: Unter G8 wurden die Kern- und Fachcurricula „entrümpelt“, aber nicht soweit, dass ein umfangreiches Üben und Festigen des Stoffes immer zu gewährleisten war. Unter G9 gilt es, für das Lernen und Üben, für die Auseinandersetzung mit dem Stoff, den Schülern hinreichend Zeit und Raum zu geben. Insofern kann es kein Zurück zum alten G9 geben.Auch haben sich die unter G8 beschlossenen Rhythmisierungsmaßnahmen (zum Beispiel Doppelstundenmodell) bewährt. Es ist nicht einzusehen, weshalb nicht auch die G9-Schüler davon profitieren sollen. Ein Teil der Schüler hat sich mit den besonderen Anforderungen unter G8 durchaus arrangieren können; er sieht den Vorteil, nach einem frühen Abitur ein Jahr zur „Selbstfindung“ (zum Beispiel durch ein Praktikum, Auslandsaufenthalt) zu haben oder auch früher das Studium beginnen zu können. Mit Unterstützungskursen in der Jahrgangsstufe 9 wollen wir solchen Schülern auch weiterhin diese Chance bieten. Sie können nach diesen Kursen entscheiden, ob sie nach der Jahrgangsstufe 9 unmittelbar in die Oberstufe wechseln wollen; und wenn sie sich dazu entscheiden, werden wir ihnen auch noch in der ersten Phase der Oberstufe besondere Unterstützungsangebote unterbreiten.

OP: Haben Sie Bedenken, jetzt in ein System zu investieren, das je nach Ausgang der Landtagswahl im Herbst wieder in Frage gestellt werden könnte?

Goecke: Als die Option G9 im Sommer ins Spiel gebracht wurde, hat sich das Kollegium fast mit 100-prozentigem Votum für einen Wechsel ausgesprochen. Dies zeigt eine breite Unzufriedenheit mit dem G8-System. Unsere Elternschaft hat genauso entschieden. Da war es für die MLS keine Frage, einen Wechsel zum Wohle unserer neuen Schüler möglichst schnell herbeizuführen, unabhängig davon, was eine Landesregierung nach den Herbstwahlen entscheiden wird. Jede andere Entscheidung wäre meines Erachtens unverantwortlich und den betroffenen Eltern nicht zu vermitteln gewesen.

OP: Was halten Sie von der Idee, dass es keine Sitzenbleiber mehr geben soll?

Goecke: Wissenschaftlich belegt ist, dass Sitzenbleiben alleine keine Probleme löst, und von der Vorstellung einer leistungshomogenen Schülerschaft als beste Voraussetzung für erfolgreiches Lernen haben wir uns schon lange verabschiedet. Häufig hört man von Erwachsenen: „Das Sitzenbleiben hat mir nicht geschadet.“ Aber leider werden immer nur die zitiert, die die „Ehrenrunde“ als nicht belastend erlebt haben. Ziel muss es immer sein, die Schüler zu fördern; kein Kind darf abgeschrieben werden.Finnland macht es vor: Ein intensives Förderprogramm hilft den Kindern, den Anschluss zu wahren. Und solche Programme müssen frühzeitig anlaufen, um die Motivation der Betroffenen zu wahren, denn fehlende Motivation ist meines Erachtens die Hauptursache, für nachlassende Leistungen.Zu akzeptieren ist aber auch, dass es Lebensumstände gibt, wo die Wiederholung einer Jahrgangsstufe eine erfolgreiche Maßnahme ist; die Betroffenen bekommen die Zeit, sich zu fangen und neu zu orientieren.

Das sagt der Schulelternbeirat

OP: Unterstützen Sie die Forderung einer landesweiten Initiative, dass G8-Kinder nach G 9 zurückkehren dürfen?

SEB: Ja ohne Einschränkung! Denn das Modell G8 in der hessischen Version ist als gescheitert zu betrachten.

OP: Sind Sie mit der Entscheidung der Schule zufrieden?

SEB: Die Schulgemeinde der MLS (Lehrer, Schüler-Vertretung und Eltern) haben sich für eine Rückkehr zu G9 entschlossen. Der Antrag ist bereits gestellt.Es herrscht Zufriedenheit mit der Entscheidung und über die konzeptionelle Planung. Im Ergebnis muss die Ausführung erst abgewartet werden bisabschließend darüber geurteilt werden kann. Die überwiegende Mehrheit wünscht sich einen kompletten Systemwechsel. Zumindest sollten die jetzigen 5. und 6. Klassen bei der Einführung des „neuen“ G9 mitgenommen werden. Hier sperrt sich die Politik.

OP: Welche Resultate erhoffen Sie sich durch die Entscheidung, dass Kinder wieder nach G9 unterrichtet werden?

SEB: Hier ist eine Liste von Gründen aus dem Antrag der Schule genommen, die die Meinung der Elternschaft widerspiegelt: Die Martin-Luther-Schule möchte ihrem Profil (siehe Schulprogramm) gerecht werden und für ihre Schüler ein angemessenes Qualitäts- und Bildungsniveau sicherstellen. Ihre schulischen Gremien sind der Überzeugung, dass dies nur im Rahmen einer individuellen Förderung und innerhalb eines lernpsychologisch angemessenen Zeitraumes möglich und damit unter G9-Bedingungen sehr viel besser umzusetzen ist. In diesem Sinne möchte die Schule dafür Sorge tragen, - den Schülern die wertvolle Ressource Zeit für ein intensives Lernen zur Verfügung zu stellen, den Stoffdruck von ihnen zu nehmen, der unterrichtlichen Übung und Vertiefung wieder angemessenen Raum zugeben;- die häusliche Übung und Vertiefung des Lernstoffes der Vormittagsstunden in einem angemessenen Maße zu gewährleisten, vor allem auch für schwächere Schüler, und auf diese Weise die Nachhaltigkeit des Vormittagsunterrichts zu erhöhen;- mit Schülern in der Oberstufe zu arbeiten, die von ihrem gesicherten Vorwissen, ihrer persönlichen Arbeitsdisposition und ihrem Reifegrad den stofflichen Anforderungen ohne Niveauabsenkung gerecht werden können;- verstärkt zur ganzheitlichen Entwicklung ihrer Schüler beizutragen, ihnen also die Möglichkeit zu geben, außerschulischen Interessen nachzugehen; oder sich in Ehrenämtern, (Sport)Vereinen oder im musischen Bereich zu engagieren;- dass mehr Schüler sich wieder aktiv in die SV-Arbeit einbringen können;- dass das reichhaltiges AG-Angebot, vor allem auch im kreativen, mathematisch-naturwissenschaftlichen und fremdsprachlichen Bereich, von möglichst vielen beziehungsweise mehr Schülern genutzt werden kann;- den deutlichen Rückgang der Wahrnehmung von Auslandsaufenthalten zu beenden und ihren Schülern auch in diesem Bereich die wünschenswerten und notwendigen Horizonterweiterungen zu ermöglichen; - dass die Schüler wieder vermehrt die dritte Fremdsprache wählen;- unseren Schülern wieder den Freiraum zu geben, um sich an den jährlichen Wettbewerben in verschiedenen Disziplinen der drei Fachbereiche erfolgreich zu beteiligen; den musikalischen Schwerpunkt unserer Schule organisatorisch zu entlasten, zu sichern und einen geregelten Instrumentalunterricht im schulischen wie außerschulischen Bereich wiederherzustellen und somit die Qualität ihrer Ensembles zu erhöhen.

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