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Wechsel im Verwaltungsrat der Lebenshilfe

Neuer Vorsitzender Wechsel im Verwaltungsrat der Lebenshilfe

„Ich bin mit der Lebenshilfe groß geworden“, sagte Bernd Schmidt bei seiner Einführung im Hauptgebäude der Lebenshilfe Marburg-Biedenkopf.

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Detlev Wiegand (links) interviewt Bernd Schmidt für die Haus­zeitung der Lebenshilfe.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. „Bei uns in Dautphetal gehören Menschen mit Behinderung durch die Werkstätten der Lebenshilfe auch einfach zum Ortsbild dazu“, sagt der 57-Jährige. Seine nächsten Schritte sind nun, „das Besuchen aller Einrichtungen, um die Abläufe im Einzelnen besser kennenzulernen“.

Zwölf Jahre ist Bernd Schmidt nun im Vorstand des Lebenshilfe-Ortsvereins Biedenkopf, einer der beiden Vereine, welche die Lebenshilfe unterstützen. Seit Mai dieses Jahres arbeitet er zusätzlich als Vorsitzender des Verwaltungsrats der gesamten Lebenshilfe im Landkreis - ehrenamtlich, denn sein Beruf ist eigentlich der Bürgermeister der Gemeinde Dautphetal und das auch schon seit zwölf Jahren. Doch es sei für ihn immer klar gewesen, dass er trotz eines ohnehin schon großen Mangels an Freizeit die Lebenshilfe unterstützen müsse. „Es ist meiner persönlichen Einstellung zum Leben und zu den Menschen wegen“, sagt Schmidt. Es sei keine leichte Aufgabe, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, „weil Jakob Müller in 30 Jahren tolle Arbeit geleistet hat“. Schmidt habe dennoch nicht lange überlegen müssen, als ihm der Posten angeboten wurde. „Es macht mir auch viel Freude“, ergänzte der neue Verwaltungsratsvorsitzende.

In einem Interview lernte ihn Detlev Wiegand, ein Reporter mit Behinderung des Hausmagazins „Lebenshilfe Live“, besser kennen. „Was hörst Du gerne für Musik“, fragte Wiegand Schmidt beispielsweise. „Irische Volksmusik“, antwortete dieser.

Wiegand erfuhr noch, dass der neue Chef kein Instrument spielt, im Winter gerne Ski fährt, im Chor singt und es mag, zu verreisen. „Wandern gehen, Baden, Skifahren, das ist toll am Urlaub“, schwärmt Schmidt.

„Behinderung soll nichts Besonderes sein“

Der lockere Umgang mit behinderten Menschen sei Schmidt wichtig. Man solle ihnen nicht mit Vorsicht begegnen, sondern sie wie gesunde Menschen behandeln. „Behinderung soll nichts Besonderes sein“, pflichtete ihm auch Vorstandsmitglied Horst Viehl bei. „Jeder soll mit seinen Stärken und Schwächen möglichst selbstbestimmt und individuell leben können, die behinderten Menschen sollen gar nicht auffallen“, erklärte Viehl weiter. „Inklusion klappt erst dann, wenn man nicht mehr über Inklusion reden muss.“

„Hut ab vor denen, die für die Lebenshilfe arbeiten“

Über mehr persönliche Kontakte von behinderten mit gesunden Menschen wollen Schmidt, Viehl und Vorstandsmitglied Roland Wagner die Inklusion, also die (Wieder-)Eingliederung von Menschen mit einer Behinderung in den freien Arbeitsmarkt und die Gesellschaft, weiter vorantreiben. „Es gibt aber noch viel zu tun“, waren sich die drei einig.

Die Lebenshilfe ist eine 1948 von dem Niederländer Tom Mutters in Marburg gegründete Selbsthilfevereinigung, ein Eltern-, Fach- und Trägerverband für Menschen mit insbesondere geistiger Behinderung und ihren Familien.

In Wäschereien, Holzwerkstätten, Küchen und an vielen weiteren Einsatzstellen arbeiten 834 behinderte Beschäftigte und 643 ehrenamtlich und hauptberuflich tätige gesunde Menschen. Damit hat sich die Lebenshilfe mittlerweile zu einem mittelständischen Unternehmen entwickelt. Insgesamt 352 Menschen mit Behinderung leben in den Einrichtungen der Lebenshilfe.

Mit 100 ausgelagerten Arbeitsplätzen sei die Lebenshilfe des Kreises führend in Hessen. Finanziert werden die Millionen-Kosten zum größten Teil von den Pflegeversicherungen und den Sozialetats der Kommunen. „Auch Spenden gebe es, aber wenige“, sagt Schmidt und wünscht sich, dass die Arbeit der Lebenshilfe in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird. „Außerdem Hut ab vor denen, die in der und für die Lebenshilfe arbeiten“, ergänzte der neue Vorsitzende.

von Yannic Bakhtari

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