Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Wasserschaden bedroht Spezialgeräte

Fachbereich Chemie Wasserschaden bedroht Spezialgeräte

Mitarbeiter des Fachbereichs Chemie waren nach dem verheerenden Wasserschaden in den Räumen der Kernchemie auf den Lahnbergen gestern mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

Marburg. Das aus einer handtellergroßen Notdusche im 4. Stockwerk vermutlich über mehrere Stunden ausgetretene Wasser hatte am Wochenende eine derartige Kraft, dass es die Decke im darunterliegenden Raum zerstörte und sich weiter nach unten seinen Weg bahnte. Der heftige Wasserfluss kam nicht zum Erliegen. Noch ist unklar, wie hoch der Schaden ist, der am Sonntagmorgen gegen 6.59 Uhr nach OP-Informationen von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes entdeckt und dann gemeldet worden war (die OP berichtete). Betroffen war vor allem der Bereich der „Kernchemie“: Neben den Schäden im Gebäude und an Computern, die nach Auskunft von Johannes Scholten von der Uni-Pressestelle noch nicht beziffert werden können, könnten auch Spe­zialgeräte in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Weitere Labore von Schaden betroffen

Das betrifft zum Beispiel ein Gamma-Spektrometer, mit dem Strahlung gemessen werden kann und eventuell auch ein Massenspektrometer, mit dem die Atommasse gemessen werden kann. Wenn sich herausstellt, dass diese Geräte aufgrund des Wasserschadens defekt sind, dann würde das einen Sachschaden von mehr als 10000 Euro bedeuten.

Erst gestern wurde bekannt, dass auch die an die Räume der Kernchemie angrenzenden Labore der Arbeitsgruppe von Professor Norbert Hampp von dem Wasserschaden in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auf mehreren Spezialgeräten mit empfindlichen und hochwertigen Messtechniken wie beispielsweise Elektronenmikroskopen stand Wasser. Da gestern aufgrund des Wasserschadens noch der Strom ausgefallen war, konnte die Funktionsfähigkeit der Geräte aber noch nicht überprüft werden.

Nach ersten Schätzungen der Polizei könnte es insgesamt zu einem Schaden von mehr als 100000 Euro gekommen sein, sagte Polizeisprecher Martin Ahlich gestern auf OP-Anfrage. Bisher wurden noch keine weiteren polizeilichen Ermittlungen aufgenommen, und es liegt auch kein Strafantrag vor.

Noch ist unklar, ob die Ursache ein technisches Problem an dem Ventil der Dusche war oder ob sie mutwillig geöffnet wurde. Erste Konsequenzen aus dem Vorfall hat jetzt aber die Uni-Leitung gezogen. „Da Fremdverschulden nicht ausgeschlossen werden kann, lässt die Universität ab sofort verstärkt die Gebäude kontrollieren“, sagte Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne.

„In jeder chemischen Abteilung gibt es auf dem Flur eine solche Dusche“, erläuterte der Kernchemiker Professor Hartmut Jungclas, der OP. Das Anschalten der Dusche soll im Brandfall Menschenleben retten. Jungclas kann sich nicht daran erinnern, dass es in den vergangenen Jahrzehnten im Fachbereich Chemie einen vergleichbaren Vorfall gegeben hat. „Das hatte Auswirkungen wie ein Unwetter“, berichtet er.

Vor-Ort-Begehung im Fachbereich Chemie

Gestern mittag gab es eine Vor-Ort-Begehung im Gebäude des Fachbereichs Chemie, bei der sich Mitarbeiter der Universität zusammen mit Strahlenschutzexperten vom Regierungspräsidium Gießen einen Überblick über die Schäden verschafften. Es seien keine Räume von dem Wasserschaden in Mitleidenschaft gezogen worden, in denen radioaktive Stoffe gelagert worden seien, erläuterte Gabriele Fischer, Pressesprecherin des RP Gießen.

Mittlerweile ist laut Jungclas klar, wieso von den Einsatzkräften der Feuerwehr während ihres Einsatzes geringe Werte von Radioaktivität gemessen worden waren. An einem Messplatz im Kontrollbereich sei eine für die Untersuchung in der Kernchemie vorgesehene Probe aus dem Fachbereich Chemie abgestellt gewesen, in der sich leicht radioaktive Farbe befunden hätte, wie sie früher für die Markierung von Notwegen benutzt wurde.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel