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Wasser plätschert seit Jahrhunderten

Brunnen mit Tradition Wasser plätschert seit Jahrhunderten

Viele Menschen aus dem Marburger Land denken an den FSV Schröck, wenn vom Elisabethbrunnen die Rede ist. Denn nahe des Fußballplatzes liegt der sagenumwobene Brunnen.

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Das Wasser am Elisabethbrunnen bei Schröck sprudelt immer noch. Trinken sollte man es allerdings nicht.

Quelle: Thorsten Richter

Schröck. Wer sich für geschichtsträchtige Orte interessiert, der muss nicht in die Ferne schweifen. Eine Gruppe aus dem Altkreis Biedenkopf weiß das nur zu gut.

Die nicht organisierten Damen und Herren haben einiges gemeinsam: Sie sind allesamt Pensionäre, aufgeschlossen, sehr belesen und haben trotzdem großen Wissensdurst. Sie kommen aus vielen Berufsgruppen, man sieht viele von ihnen bei Vorträgen, bei Treffen der Landsenioren Biedenkopf, bei Heimat- und Geschichtsvereinen, beim Dialektverein, beim Seniorenstudium in Marburg und den einen oder anderen auch im Staatsarchiv.

Der Elisabethbrunnen bei Schröck war einst ein Wallfahrtsort, heute machen dort viele Wanderer Station.

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Irgendwann haben sie damit begonnen, Erkundungen zu organisieren. Im vergangenen Jahr führte Robert Müller durch den Steinbruch in seinem Heimatort Rachelshausen.

Der heute 89-jährige betrieb früher dort selbst einen Steinbruch und ist Experte für Geologie und Eisenerzverhüttung in unserer Region. Seit 1959 macht er mit Studenten aus Marburg und Gießen Exkursionen in Rachelshausen.

Diesmal organisierte der Wommelshäuser Thomas Jockenhövel die Tour. Der auch geschichtlich bewanderte Gärtnermeister führte eine gut 20-köpfige Gruppe in Fahrgemeinschaften zu dem Weiler Hof Capelle bei Beltershausen, in den Neuen Botanischen Garten und zum Elisabethbrunnen nach Schröck. Die Marburger haben zwei Brunnen, die den Namen von Marburgs großer Heiligen tragen. Der eine Elisabethbrunnen steht in Marburg selbst, direkt an der Ecke zwischen Bahnhofstraße und Wehrdaer Weg. Der Brunnen bei Schröck ist der bekanntere. Über dessen Geschichte musste man die Reisegruppe aus dem Hinterland nicht belehren. So dozierte beim Besuch ein jeder, der etwas Bekanntes oder Neues zu berichten hatte.

Stich aus Prag

Thomas Jockenhövel hatte einen alten Stich mitgebracht. Den hatte sein Bruder, Archäologe von Beruf, vor gut 25 Jahren in Prag entdeckt, gekauft und Thomas Jockenhövel geschenkt. Der Stich, dessen Alter nicht bekannt ist, zeigt den Brunnen, wie er zu Elisabeths Zeiten ausgesehen haben soll. Der Gärtnermeister war früher im neuen Botanischen Garten beschäftigt. „Wir haben lange Zeit das Wasser für unsere Gitterpflanze am Schröcker Brunnen geholt“, berichtete er. Die Pflanze ist im Amazonasgebiet beheimatet und mag saures Wasser. Zudem wurde das Schröcker Brunnenwasser für die Pflanze zusätzlich mit Torf angesäuert. Dass sie doch nicht so gedieh, wie es die Experten erhofften, lag womöglich am hohen Aluminiumgehalt des Wassers. „Zuviel Aluminium ist auch für Pflanzen Gift“, erklärte Jockenhövel.

Eine von der Stadt Marburg veranlasste Untersuchung brachte vor ein paar Jahren zutage: Sowohl die Aluminium- als auch die Manganbelastung in dem Brunnenwasser übersteigen die Grenzwerte um ein Vielfaches. Als Trinkwasser ist es nicht geeignet.

Gleichwohl lassen sich heute noch viele Schröcker nicht davon abbringen, dass mit dem Brunnenwasser zubereiteter Speis und Trank unvergleichlich gut schmecke.

Sage zur Hl. Elisabeth

Der Sage nach soll die Heilige oft zu dem Brunnen gewandert sein. Mit dem Wasser soll Elisabeth, die 1227 bis 1231 in Marburg lebte, regelmäßig Kranke behandelt und so dem Brunnen seinen Namen gegeben haben. Ihr zu Ehren wurde 1596 das heute noch existierende Brunnenhaus gebaut.

Früher war der Brunnen Ziel vieler Wallfahrer, heute machen überwiegend Wanderer auf dem großen Platz vor dem zweistöckigen Säulenbau Halt. Der Renaissancebau aus hellrotem Sandstein lehnt sich an eine steile Felswand an. Der hessische Chronist Johann Justus Winckelmann erklärte 1697 den Brunnen zum „fürnehmsten, berühmtesten und ältesten Brunnen des Hessenlandes“.

Kreuzkapelle geriet in Vergessenheit

Nur wenige Schritte vom Brunnen entfernt, den Hügel hinauf, liegt die lange verschollene Kreuzkapelle. In alten Chroniken wird beschrieben, dass sie bereits um 1500 existierte. Bis 1527 war sie bewohnt. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde sie teilweise zerstört und die Steine – wie damals üblich – für andere Bauten verwendet, wie das Marburger Rathaus.

Dann überwucherten Pflanzen das übrige Mauerwerk und es geriet in Vergessenheit. 1925 entdeckte ein Schröcker bei Waldarbeiten die Fundamente im Wald oberhalb des Brunnens. Der Marburger Geschichtsverein legt sie damals frei.

Als die Kapelle Ende der 1980er-Jahre erneut zu zerfallen drohte, setzte sie die Schröcker Kolpingfamilie wieder instand. Vor wenigen Jahren wurde der gesamte Platz um den Brunnen in einem Gemeinschaftsprojekt nach historischem Vorbild gestaltet.

Teil des Elisabethpfads

Der Elisabethbrunnen ist als Teil des Elisabethpfads von Eisenach bis zur Elisabethkirche integriert und über mehrere Wanderwege, auch von Sonnenblick aus, zu erwandern.

Autofahrer führt die Straße „Zum Elisabethbrunnen“ von Schröck aus zum Ziel. Vor Ort bieten die Steintische Gelegenheit zu einer Rast. Auch Veranstaltungen können bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen beantragt werden.

von Hartmut Berge

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