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„Was nicht zu sehen ist, sind Tote“

Ausstellung über Warschauer Aufstand 1944 „Was nicht zu sehen ist, sind Tote“

„Diese Fotos zeigen mit Sicherheit nicht, wie es gewesen ist“, sagte Kurator David Rojkowski bei der Eröffnung einer Fotoausstellung über den Warschauer Aufstand im Herderinstitut.

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Dr. Dietmar Popp (von links), Leiter der wissenschaftlichen Sammlung, Joanna Lang vom Museum des Warschauer Aufstands, Kurator David Rojkowski, Dr. Sabine Bamberger-Stemmann von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Professor Wlodzimierz Borodziej vom Historischen Institut der Universität Warschau, Professorin Tatjana Tönsmeyer von der Bergischen Universität Wuppertal, Herderinstitut-Direktor Professor Peter Haslinger und Dr. Thorsten Logge von der Universität Hamburg eröffneten die Ausstellung.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „Sie waren Auftragsarbeiten von Propaganda-Kompanien, um ihre Sicht auf das Ereignis darzustellen“, erläuterte Rojkowski. Für die Wanderausstellung „Auf beiden Seiten der Barrikade. Fotografie und Kriegsberichterstattung im Warschauer Aufstand 1944“ hat der Redakteur von Leica Fotografie International gemeinsam mit der Polin Aleksandra Duralska vom „Museum des Warschauer Aufstands“ Bilder von deutschen und polnischen Fotografen recherchiert. Sie dokumentieren, wie unterschiedlich die Presse in beiden Ländern den Aufstand darstellte. Eines sei jedoch allen Werken gemeinsam, erläutert Rojkowski. „Was nicht zu sehen ist, sind Tote.“ Dabei seien 200000 Menschen ums Leben gekommen. Ein Beispiel dafür, dass manchmal auch das Gegenteil dessen, wie es gewesen sei, dargestellt werde.

An der Konzeption der Ausstellung beteiligt waren außerdem die Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg sowie Studenten des historischen Instituts der Universität Hamburg. Bei ihren Recherchen machten sie Fotografen ausfindig wie die heute in Kalifornien lebende Halina Bala-Rueger, eine Krankenschwester, die während des Aufstands als Kriegsberichterstatterin und Melderin arbeitete. Sie fotografierte wie auch die anderen ihrer polnischen Kollegen mit einer Leica-Kamera, die aus den Hilfsgütern der alliierten Abwürfe stammte.

Stets gut bewaffnete Aufständische zu sehen

„Die Motive der Fotos lassen sich in vier Kategorien unterteilen“, erklärte Rojkowski. „Waffen, Motive vom Kampf, die Zivilbevölkerung und das Bild des Feindes.“ Auf den polnischen Bildern seien stets gut bewaffnete Aufständische zu sehen, obwohl sie in Wahrheit kaum Waffen hatten. Die Presse des besetzten Landes habe die Zivilbevölkerung beim Aufbau von Barrikaden gezeigt, beim Essenkochen oder der medizinischen Versorgung. In deutschen Zeitungen und Zeitschriften hingegen sei vor allem das Leid der Zivilbevölkerung dargestellt worden, da man die Schuld an dem Aufstand, mit dem sich die polnische bürgerliche Opposition von der nationalsozialistischen deutschen Besatzung militärisch befreien wollte, den Alliierten gab. Auch die Hilfsbereitschaft der deutschen Soldaten wurde in Szene gesetzt. Die Aufständischen hingegen wurden beispielsweise in einer Zeichnung als Banditen dargestellt und auch in Texten so genannt.

Zum Ende des Aufstandes hingegen wurden die Redakteure vom Reichspressechef angewiesen, ein positives Bild von einem ebenbürtigen Gegner zu zeichnen. In Polen hingegen wurden die deutschen Soldaten geschwächt, erniedrigt, erschöpft gezeigt. „Sie standen symbolisch für die Hoffnung, die Besatzung zu beenden.“ In Deutschland wurden die ersten Fotos vom Kampf erst nach der Niederschlagung des Aufstands veröffentlicht.

Die Ausstellung wurde aus den Beständen des Herderinstituts ergänzt, mit Fotos sowie Auslagen in Vitrinen. „In dieser Konfiguration war sie bisher noch nicht zu sehen“, erklärte Direktor Professor Peter Haslinger. Bis 27. Januar kann sie im Herderinstitut montags bis freitags von 8 bis 17.30 Uhr besichtigt werden.

von Freya Altmüller

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