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Was macht ein „Kindle“ in der Schule?

Lobbyismus-Vortrag Was macht ein „Kindle“ in der Schule?

Dass Firmen und die Vertreter verschiedenster Interessen in Bundestag und Europaparlament ein und aus gehen und für ihre Sicht der Dinge werben, ist den meisten bekannt. Dass es Ähnliches auch im Schulunterricht gibt, eher nicht.

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Einfluss von Lobbyisten gibt es nicht nur in den Parlamenten in Berlin und Brüssel, sondern auch an vielen Schulen. Darüber berichtet am Mittwoch ein Experte von Lobby Control. Foto: Tobias Hirsch

Marburg. „Lobbyismus macht auch vor dem Klassenzimmer nicht halt“, warnt der Verein Lobby Control in seinem Diskussionspapier zum schleichenden Einfluss von Firmen auf Lehrer und Schüler. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Initiative Attac, der Verein Strömungen und der Weltladen Marburg wollen genau deshalb Eltern, Schüler und Lehrer mit einer gemeinsamen Veranstaltung morgen um 17 Uhr im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) in Marburg (Softwarecenter 3) für dieses Thema sensibilisieren.

Referent ist Felix Kamella vom Verein Lobby Control, der sich als Initiative für Transparenz und Demokratie versteht und demzufolge den Einfluss von Lobbyisten auf unsere Gesellschaft sichtbar machen will.

Der Vorwurf: Lobbyisten versuchen, Einfluss auf die vermittelten Inhalte an Schulen zu nehmen. Das gelingt ihnen laut Lobby Control auch, etwa mit kostenlosen Lehrmaterialien, Fortbildungen für Lehrer, dem Sponsoring von Gerätschaften, dauerhaften Kooperationen mit Schulen oder Schulwettbewerben. Die knappe Finanzausstattung der Schulen erleichtere Firmen häufig den Einstieg, so die Kritiker.

Die Gefahr: Die Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen könnte ein Leben lang wirken. So habe der nicht unumstrittene Onlinehändler Amazon der Gewinnerschule seines Wettbewerbes „Lesen macht Spaß!“ 36 Kindle-Geräte und E-Book-Gutscheine im Wert von 2100 Euro geschenkt. Während solche Aktionen eher das Image des Spenders allgemein positiv beeinflussen sollen, werden an anderer Stelle auch die Unterrichtsinhalte einseitig mitbestimmt und an den Zielen der Lobbyisten ausgerichtet.

Beispielsweise wolle der Erdölkonzern ExxonMobil mit seiner Schulkooperation - wie er selber sagt - die „Reputation der Branche“ verbessern, heißt es in einem Diskussionspapier von Lobby Control. Und weiter: Der Bankenverband stelle in seinem Unterrichtsmaterial die Ursachen und Konsequenzen der Finanzkrise einseitig dar. Auch VW empfehle in seinem Material zum Thema Klimaschutz natürlich nicht, das Auto stehen zu lassen und mehr mit dem Fahrrad zu fahren, so Lobby Control.

Zu durchschauen sind interessengetriebene Materialien oft erst auf den zweiten Blick: Schwieriger ist es, wenn gezielt einzelne unerwünschte Inhalte weggelassen werden, so Lobby Control. Gefordert sind da natürlich Eltern, Lehrer und Schüler, die solche Inhalte kritisch hinterfragen. Der morgige Vortrag sollte Interessierten dazu einiges an die Hand geben. Und er kann auch dazu dienen, aus eigener Erfahrung von Schulen im Kreis zu berichten.

Weitere Infos: www.lobbycontrol.de/schule

von Michael Agricola

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