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„Was ich sehe, bewegt mich“

Ausstellung „Was ich sehe, bewegt mich“

Graf von Stauffenberg oder Georg Elser sind allseits bekannt, doch der Widerstand war vielfältig. In der Elisabethkirche wird der „intelligente Widerstand des Alltags“ in der französischen Stadt Dieulefit dokumentiert.

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Anna Tüne (Mitte) erläutert die Ausstellungstafeln für Pfarrer Burkhard zur Nieden (von links), Dr. Renate Buchenauer, Pfarrerin Anna Karena Müller und Hans-Jürgen Vincon vom Hugenotten- und Waldenserpfad.Foto: Peter Gassner

Marburg. Die geistige Haltung und der Anstand sei es gewesen, der die Menschen zum Widerstand geführt habe, sagt Dekan Burkhard zur Nieden. „Was ich sehe bewegt mich“, fügt er hinzu und meint damit die Ausstellung, die innerhalb kürzester Zeit den Weg nach Marburg gefunden hat.

An mehreren Orten in ganz Deutschland wird sie zu sehen sein, organisiert vom Verein „Courage gegen Fremdenhass“ in Berlin.

Sie ist eingebettet in die Reihe „Topographie der Menschlichkeit“, bei der der Verein unterschiedliche Beispiele von Rettungswiderstand zeigen möchte.

Erste Station war Dieulefits Partnerstadt Lich, wo auch Dr. Renate Buchenauer auf die Exposition aufmerksam wurde.

Gemeinsam mit ihren Kollegen vom Verein „Hugenotten- und Waldenserpfad“, einem 1800 Kilometer Wanderweg, der auch durch Marburg führt, veranlasste sie, die Ausstellung in die Elisabethkirche zu holen.

„Viele der Helfer in Dieulefit sind Hugenotten gewesen, und die waren ja früher selbst verfolgt worden“, erklärt sie den Bezugspunkt ihres Vereins zu der Veranstaltung.

Anna Tüne, die Ausstellerin, war sofort begeistert und stimmte zu, Marburg als zweite Station in die eigentliche vierwöchige Pause zu schieben. „Ich hatte gar keine Ahnung, wie toll der Raum hier ist“, sagt sie im Bezug auf die Ausstellungsfläche in der Elisabethkirche. Zur Geltung bringen will sie dabei bewusst helle Farben.

Auf weißen Tafeln findet der Besucher viel Text, aber auch einige Bilder.

Angefangen von der allgemeinen Geschichte der deutschen Okkupation Frankreichs und der massenweisen Ermordung von Juden im Nationalsozialismus führt die Ausstellung in den „intelligenten Widerstand des Alltags“, wie es Tüne bezeichnet.

Viele Verfolgte des Regimes waren damals in Dieulefit untergekommen und versteckt worden. Darunter waren unter anderem viele Kinder.

Tüne, die selbst nach dem Krieg in Dieulefit aufgewachsen ist, will mit der Ausstellung „zeigen, dass es ging“ und Menschen geholfen werden konnte. Widerstand sei immer möglich, und nur weil etwas nach dem Gesetz legal sei, sei es noch nicht legitim. Sie sei keine Wissenschaftlerin, daher habe ihre Ausstellung auch „assoziative Elemente“, bei denen sie selbst Verbindungslinien geschaffen hat.

Die Ausstellung ist noch bis zum Donnerstag, 18. April, in der Elisabethkirche zu sehen.

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