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"Was ich Ihnen noch sagen wollte ..."

Vaupels Abschied "Was ich Ihnen noch sagen wollte ..."

"Was ich Dir noch sagen wollte" oder "Was ich Ihnen noch sagen wollte": Weggefährten von Egon Vaupel haben es auf Bitte der OP aufgeschrieben. Was Vaupel an dieser Stelle zu hören bekommt, ist zum Teil überraschend, es ist vielfach persönlich, mal liebevoll, mal humorvoll - aber immer voller Respekt.

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Scheidet am Montag aus dem Amt aus: Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel. Im Stadtparlament gab es zum Abschied eine Frühstücksdose von Schalke 04.

Quelle: Tobias Hirsch

Brigitte Bohnke, langjährige persönliche Referentin:  „Du warst immer für eine Überraschung gut. Das hat sich besonders in politisch schwierigen, verfahrenen Situationen und Diskussionen gezeigt. Wenn politisch Andersdenkende glaubten, Dich in einer Sache, für die Du Dich engagiert hast, widerlegt zu haben, liefst Du zur Hochform auf. Du gingst zum Mikrofon, schautest freundlich in die Runde und nahmst, oft mit einem lockeren Spruch zum Einstieg, das Gehörte Punkt für Punkt auseinander. Mal ruhig, mal etwas lauter, aber immer mit Fakten unterlegt und fast immer überzeugend. Auch diese Gabe hat Dich ausgezeichnet. Und noch etwas: Du hast immer so geredet, dass die Menschen dich verstanden haben.“

Bürgermeister Franz Kahle:  „Lieber Egon, gut gemacht!// Am Anfang hier und da belacht,// hast Du gezeigt, was in Dir steckt!// Und am Ende steht: Respekt!// Viele Themen, unbequeme,//viel Applaus, auch manchmal Häme.// 18 Jahre Magistrat://An guter Laune nie gespart,//Konsens gesucht und oft gefunden,// viele Sitzungsüberstunden,//und dazwischen eine nette// Pause für die Zigarette.// Schalt jetzt einen Gang zurück,// in der Ruhe liegt oft Glück,//und sondier im Stillen dann,// was man alles machen kann,// wenn der Zeitplan locker ist// und man keine Uhr vermisst.// Vielen Dank und mach es gut,// Marburg zieht vor Dir den Hut!“

Jürgen Gotthold, früherer Stadtrat und von Vaupel in einer Kampfabstimmung besiegt:  „Ich habe Sie sehr dafür bewundert, mit welcher Bravour Sie in das schwierige Amt hineingewachsen sind. Dafür möchte ich drei Fakten nennen: Ihre kommunalpolitischen Erfolge, Ihre Bürgernähe und Ihre innere Haltung, die Ihnen die notwendige Selbstständigkeit in Denken und Handeln ermöglichten. So haben Sie allgemeinen Respekt und Anerkennung auch bei denen gefunden, die bei Ihrer Wahl vielleicht skeptisch waren.“

Roger Pfalz, CDU-Finanzpolitiker:  „Bitte die Nutzung englischer Fremdwörter vermeiden. Schlierbacher Platt und Englisch vertragen sich leider überhaupt nicht. Interessant im kommunalpolitischen Umgang mit Egon Vaupel ist vielleicht zudem noch, dass Du aufgrund noch vorhandener Folgetermine am Anfang einer jeden Ausschusssitzung um zügige Beratungen bittest. Wenn Du dich dann aber mit dem Hinweis „Nur ein Satz“ zu Wort meldest, folgt häufig ein 15-minütiges Grundsatzreferat zu politischen Fragen. Am Ende schaust Du einen immer treuherzig an und stellst fest, dass die Sitzungsdauer aber nicht wegen Dir so lang war. Ich werde die verbindliche, höfliche, manchmal schlitzohrige Art im politischen Tagesgeschäft vermissen.“

Jürgen Nix, Fahrer von Egon Vaupel:  „Ich wünsche Dir viel Gesundheit , denn die brauchst Du ja, weil Du 100 Jahre alt werden willst, um zu erleben, wie Dein FC Schalke Deutscher Meister wird. Unsere gemeinsame Zeit beginnt ja lange vor Deiner Zeit im Rathaus. Mitte der 80er Jahre war es, ich als Kneipier im Binding-Eck und Du als Gast während der Zusammenkünfte des SPD-Ortsvereins Richtsberg. Wer hätte damals ahnen können, dass wir Jahre später – Du als mein Chef und ich als Dein „Kutscher“ – viele Tage und Stunden miteinander verbringen würden – meist harmonisch. Natürlich hat es wie bei einem alten Ehepaar manchmal gekracht. Alles Gute und auf Wiedersehen, denn wir werden uns sicherlich das ein oder andere Mal begegnen – und sei es beim Kaffeetrinken der „Ehemaligen“. Du als Gast und ich als „Kutscher“, mit neuem Beifahrer.“

Peter Ahrens, Inhaber des Kaufhauses Ahrens:  „Ich schätze an Ihnen Ihre Geradlinigkeit und menschliche Zuverlässigkeit gepaart mit Bürgernähe, Blick für das Wesentliche und Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Sie waren in meinen Augen ein erfolgreicher Oberbürgermeister, der Gutes für die Universitätsstadt und ihre Bürger bewirkt hat. Dieser zu dienen und sie weiter zu entwickeln, war Ihnen ein wichtiges Anliegen. Schade, dass Sie gehen! Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau eine gute und gesunde Zukunft. Seinem Nachfolger wünsche ich die gleiche glückliche Hand.“

Alt-Oberbürgermeister Dietrich Möller:  „Sie hatten Ihre Grundsätze und waren immer kompromissbereit. Sie sind immer jemand gewesen, der auf die Leute gehört hat. Einige Jahre gehörten Sie als Bürgermeister dem Magistrat an, als ich noch Oberbürgermeister war. Wir sind in der Sache miteinander zurechtgekommen, und unser persönliches Verhältnis wurde nie getrübt durch Beschimpfungen oder negative Diskussionen.“

Robert Fischbach, früherer Landrat:  „Lieber Egon, wir beide wissen, dass die Ämter des Marburger Oberbürgermeisters und das des Landrats nicht von vorneherein auf ein gutes Miteinander ausgelegt sind. Ich glaube, dass uns beiden die lange Zusammenarbeit trotz aller Widrigkeiten gut gelungen ist. Weil wir uns gegenseitig respektiert und uns wertgeschätzt haben und natürlich wussten, das wir nur gemeinsam und im Miteinander mehr für unsere Region erreichen. Wenn Du jetzt auch im Ruhestand bist, können wir ja das nachholen, was wir immer schon mal machen wollten ......! Wir haben ja jetzt Zeit!“

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