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Was die Stadthalle so viel teurer macht

Bauausschuss Was die Stadthalle so viel teurer macht

Wie setzen sich die knapp sieben Millionen Euro Mehrkosten für den Umbau der Stadthalle zusammen? Der Projektsteuerer Drees & Sommer informierte im Bauausschuss.

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Der Eingangsbereich im Erwin Piscator Haus. Die Stadthalle wird derzeit für voraussichtlich offiziell 35,6 Millionen Euro komplett umgebaut. Das sind knapp sieben Millionen Euro mehr als geplant.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Insbesondere bei Umbauten erleben Bauherren die ein oder andere Überraschung, die teuer werden kann, sagte Petra Zeyen vom Projektsteuerer Drees & Sommer am Donnerstag vor den Mitgliedern des Bauausschusses. Sie meinte damit im Falle der Stadthalle vor allem abweichende Höhenlagen in der vorhandenen Bodenplatte und in Geschossdecken oder notwendige Betonsanierungen.

Dies sei einfach „Pech“ und bei einem Bau in dieser Größenordnung nicht auszuschließen. Ebenfalls in die Kategorie „Unvorhergesehenes“ fallen längere Bauzeiten. Diese Posten summieren sich laut Zeyen zu einer Summe von 3,9 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer oder 13 Prozent der Bausumme.

Bühnentechnik muss auf den neusten Stand

Der zweite Hauptposten sind „wertsteigende Baupreisänderungen“, wie es die Planer nennen. Darunter fällt etwa der Beschluss, entgegen dem ursprünglichen Vorhaben die Bestuhlung im großen Theatersaal doch auszubauen. Darunter fällt der Beschluss, die Bühnentechnik (Bürgermeister Kahle: „Das ist vor allem Sicherheitstechnik“) auf den neuesten Stand zu bringen und so teure Modernisierungen in den kommenden Jahren zu umgehen.

Darunter fällt das Upgrade der Beleuchtung auf LED-Technik, die es vor Baubeginn noch nicht gab und jede Menge Betriebskosten spare, so Kahle. Unter „Wertsteigerung“ subsummieren die Projektsteuerer aber auch Baukosten, die schneller gestiegen sind (um fünf Prozent) als zu Projektbeginn (mit drei Prozent) angenommen. Macht in der Summe 3,05 Millionen Euro oder 11 Prozent.

Offen ist, inwieweit die Stadt für einen Teil der Kostensteigerung die beteiligten Baufirmen in Regress nehmen kann. Drees & Sommer sehen insbesondere bei der Abstimmung der technischen Gewerke Schwächen in der Koordination, die zu Verzögerungen geführt haben. Auch Planungsschwächen identifizierte der Projektsteuerer, „so hätten Kernbohr- und Sägeöffnungen im Rohbau vermieden werden können.“ Um hier Forderungen durchzusetzen, bedürfe es aber zusätzlicher Juristen und Gutachter, „was zu weiteren Kosten führt.“

Waggonhalle kommt im Nachtrag zum Zuge

Die Kritik der Opposition an den Kostensteigerungen fiel zahm aus. Henning Köster (Marburger Linke) sagte, seine Fraktion „stehe weiterhin hinter dem Konzept der Renovierung, des Umbaus und der Erweiterung unserer Stadthalle als kulturellem Veranstaltungszentrum der Stadt Marburg“. Allerdings dürfe die Finanzierung dieses Projekts nicht auf Kosten der vielen anderen kulturellen Aktivitäten in der Stadt gehen, sagte Köster. Er forderte, der Kulturetat müsse fünf Prozent des städtischen Haushalts betragen.

Während sich die anderen Fraktionen vornehm zurückhielten, fiel die Kritik von Manfred Jannasch grundsätzlicher aus: Er erinnerte an die alte Forderung der CDU, auf der anderen Lahnseite eine Veranstaltungshalle mit 4500 Plätze für 40 Millionen Euro zu bauen. „Jetzt sind wir bei der Stadthalle bald bei 50 Millionen, wenn man alles zusammenrechnet, und haben eine kleinere Halle“, sagte Jannasch.

Kahle und Vaupel verteidigen Renovierungskonzept

Das Konzept für die Renovierung der Stadthalle verteidigten Kahle und Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD): „Was hätten wir im Herzen der Stadt an die Stelle der alten Stadthalle bauen sollen?“, fragte Kahle und sagte, die neue Halle komme Universität und Stadtgesellschaft zugute. Vaupel sagte, eine reine Veranstaltungshalle wie in Wetzlar hätte keinerlei Nutzen für Kultur, Soziokultur und Schule in Marburg gehabt. „Wir wollten eine Bürgerhalle, keine reine Veranstaltungshalle.“

Kösters Hinweis auf den Kulturetat konterte der Kämmerer mit dem Hinweis auf den Nachtragshaushalt, der kommende Woche im Parlament verabschiedet werden soll. Er sieht drei Millionen Euro für die Waggonhalle vor, neben dem KFZ ein zweites wichtiges soziokulturelles Zentrum in Marburg.

von TIll Conrad

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