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Was der Hausarzt delegieren darf

Tag der Allgemeinmedizin Was der Hausarzt delegieren darf

Was darf der Hausarzt an seine Mitarbeiter delegieren und was muss er selbst erledigen? Dieser Fragestellung widmete sich Referent Dr. Andreas Pitz beim "Tag der Allgemeinmedizin" im Universitätsklinikum.

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Ein Arzt bei einer Untersuchung. Welche Aufgaben er dabei an seine Mitarbeiter übertragen darf war Thema beim „Tag der Allgemeinmedizin“.Foto: Joerg Koch

Quelle: Joerg Koch

Marburg. Zum achten Mal fand der „Tag der Allgemeinmedizin“ Kassel / Marburg in diesem Jahr statt. Zum zweiten Mal war Marburg Ausrichtungsort für die Fachtagung der Ärzte und medizinischen Fachangestellten. Veranstalter der Fortbildung war die Abteilung Allgemeinmedizin and der Philipps-Universität sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). 160 Teilnehmer, vornehmlich aus Nord- und Mittelhessen, waren der Einladung gefolgt und verteilten sich auf 28 verschiedene Seminarangebote, die im Laufe des Tages im Lehr-Lernzentrum auf den Lahnbergen zur Auswahl standen. Darunter waren Kurse, die sich speziell an Ärzte richteten, aber auch solche, die für medizinische Fachangestellte und Arzthelfer ausgelegt waren sowie gemeinschaftliche Kurse. Auf dem Programm standen beispielsweise medizinische Fragestellungen wie das Erkennen von Hauterkrankungen oder die Anwendung von Chemotherapien bei Krebserkrankungen.

Aber auch praktische Herausforderungen des Alltags wurden in den jeweils anderthalbstündigen Seminaren besprochen. So gab es etwa Telefontraining oder Anregungen für die Patientenkommunikation bei heiklen Themen wie der Sexualität. Geleitet wurden die Kurse von verschiedenen Experten.

Im Plenum referierte zudem der Richter am Sozialgericht Mannheim, Dr. Andreas Pitz, über „Delegierbare Leistungen in der Hausarztpraxis“. Delegation sei „wenn jemand etwas tut, das eigentlich ich tun müsste“, definierte Pitz und stellte die Frage, welche Leistungen der Arzt an seine Mitarbeiter weitergeben könne. Von den Medizinern waren dazu einige Klagen zu vernehmen, dass es aufgrund von Haftungsfragen und Abrechnungs-Schwierigkeiten bei den Krankenkassen nicht möglich sei, gewisse Aufgaben zu übertragen. „Wo ist der Unterschied, ob meine Mitarbeiterin jemanden eine Tür weiter behandelt oder ein paar Straßen entfernt bei einem Hausbesuch?“, fragte einer der Zuhörer. Bei den Hausbesuchen weigere sich die Krankenkasse die Kosten zu übernehmen.

Ärztlicher Standard muss gewährleistet sein

Pitz, Lehrbeauftragter an den Instituten für Medizinrecht der Universiäten Heidelberg und Mannheim, stellte fest, dass diese Frage aus rechtlicher Sicht nicht wirklich konkret geregelt sei. Nur wenige ärztliche Tätigkeiten seien in den sogenannten Arztvorbehlten geregelt. Dies seien beispielweise die Behandlung infektionärer Patienten, die Verabreichung von Betäubungsmitteln sowie die Verschreibung von Arzneimitteln. Im Abrechnungsrecht sei zudem festgelegt, dass auch Behandlungen der Praxismitarbeiter als ärztliche Leistungen gelten, sofern der Arzt diese beaufsichtigt und fachlich begleitet. Dementsprechend sei der Hausarzt befugt, ärztliche Leistungen zu delegieren, sofern er sein Personal nach entsprechender Qualifikation ausgewählt, fachlich instruiert und angemessen kontrolliert habe. Es müsse lediglich gewährleistet sein, dass der ärztliche Standard eingehalten werde.

Um die Ärzte in ihren wachsenden Aufgaben zu entlasten, sei es laut Pitz eventuell sinnvoll, das medizinische Fachpersonal mit mehr Kompetenzen zu versehen, sofern diese eine entsprechende Ausbildung durchliefen. Ähnliche Modelle gebe es bereits bei Hebammen oder bei der Justiz in Form der Rechtsbeihilfen. Die Gesetze im medizinischen Bereich seien derzeit jedoch sehr vage, sodass „der Gesetzgeber sich mal klar positionieren müsste“.

von Peter Gassner

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