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Was Feldpostbriefe über den Kriegsalltag verraten

100 Jahre Erster Weltkrieg Was Feldpostbriefe über den Kriegsalltag verraten

Über den Alltag an der Front verraten die Feldpostbriefe, die Soldaten nach Hause schickten, eine ganze Menge.

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Fotos, Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg und zeitgenössische Zeitungsausschnitte dienen den Historikern als Quellen.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Eine der wichtigsten Quellen über die Stimmung auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs sind die Feldpostkarten. „Es wurden damals sicher Milliarden Briefe hin- und hergeschickt“, berichtet der Marburger Historiker Professor Otto Volk. Für viele Soldaten seien diese kostenfrei zugestellten Briefe und Karten das wichtigste Kontaktmittel zur Familie zuhause gewesen.

100 Jahre nach dem Ausbruch des Kriegs im August 1914 gibt es noch zahlreiche Familien auch in Marburg, die die Briefe und Karten ihrer Vorfahren aufgehoben haben. So gab es eine sehr große Resonanz auf den Aufruf der Oberhessischen Presse, in der Redaktion noch erhaltene Feldpost vorbeizubringen. Für das Hessische Amt für geschichtliche Landeskunde wird Professor Volk diese Briefe aufbereiten. Zudem wird die OP im Verlauf ihrer lokalgeschichtlichen Serie „Der Erste Weltkrieg“ ausführlich darüber berichten und die Inhalte dieser Feldpostkarten dokumentieren. Es sei sehr interessant, wie viel Material dieser Art in den Familien in Marburg und Umgebung zum größten Teil in der dritten Generation noch erhalten sei, meint Professor Volk.

Brutalität ohne Umschweife beschrieben

„Aus Gründen der militärischen Geheimhaltung berichteten die Soldaten in diesen Karten zwar nicht alles, was sie erlebt haben, weil sie ihre Angehörigen nicht zu sehr beunruhigen wollten“, erklärt Volk. Jedoch kann man ein knappes Jahrhundert später trotzdem noch eine ganze Menge an spannenden Details aus der Feldpost von damals herauslesen. „Diese Briefe zeigen auch, dass am Anfang für die Soldaten alles sehr ungewohnt war“, so Volk. „Denn sie sahen zum ersten Mal Tod und Zerstörung in vorher nicht gekanntem Ausmaß.“ Bei länger andauernden Korrespondenzen werde aber ein allmählicher Gewöhnungsprozess an die Kriegsschrecken erkennbar, währenddessen der Krieg mehr und mehr zum Alltag werde. In vielen dieser Briefe und Karten werde es auch sehr deutlich, wie der Alltag in den Schützengräben verlaufe, wenn wochenlang nichts passiere.

Teilweise werde aber auch die Brutalität der Schlachten ohne Umschweife beschrieben. Dass dieses möglich war, erklärt der Marburger Historiker vor allem damit, dass die Zensurbehörde aufgrund der Vielzahl der geschickten Briefe von Anfang an überfordert gewesen sei. „Die konnten die Masse der Briefe alle gar nicht lesen“, so Volk.

Als unmittelbare Quellen sind die Berichte von der Front an die Heimatfront auch für die regionale Geschichtsforschung immer interessanter geworden. Doch müsse man berücksichtigen, dass es wegen der Angst vor der Zensur in vielen Fällen schon den Akt der Selbstzensur durch die Verfasser gegeben habe. Zudem seien in den Briefen und Postkarten teilweise auch in der Zeitung gelesene Informationen oder Gerüchte weitergegeben worden. Sehr bedauerlich findet es der Marburger Historiker, dass die Gegenbriefe an die Soldaten von den Verwandten in der Heimat bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr erhalten geblieben sind, weil sie aufgrund des Todes der Soldaten oder in den Wirren des Krieges verlorengegangen sind.

von Manfred Hitzeroth

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