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Waldschnepfe „quorrt“ im Burgwald

OP-Serie: Unser Wald Waldschnepfe „quorrt“ im Burgwald

Mit seinen Mooren und hohen alten Bäumen wirkt er märchenhaft und geheimnisvoll. Hexen und Kobolde wurden im Burgwald trotzdem noch nicht nachgewiesen, dafür seltene Vögel und prachtvolle Insekten.

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Im Burgwald leben neben den üblichen Waldbewohnern auch einige Spezialisten und seltene Arten.

Quelle: Philipp Lauer

Bottendorf. Waldschnepfen haben einen bis zu acht Zentimeter langen Schnabel und sind die einzigen Vertreter der Ordnung der Watvögel, die im Wald leben. „Die Waldschnepfe beschreibt mit ihrer Lebensweise den Lebensraum Burgwald ganz schön“, sagt Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald.

Laut Fachliteratur liebt die Waldschnepfe große, ruhige, humusreiche und vor allem feuchte Wälder. Zur Deckung nutzt sie lichtes Unterholz, während sie auf feuchtem Waldboden, nassen Wiesen oder in Sumpfstellen sowie Moorpartien auf Nahrungssuche geht. „Die Waldschnepfe ist den gegebenen Umweltbedingungen hier gut angepasst“, erklärt Leicht. „Zum Beispiel mit ihrem langen Schnabel, mit dem sie im moosigen Boden nach Würmern, Schnecken und Larven picken kann.“ Auf dem Schnepfen-Speiseplan stehen aber auch Preiselbeeren, Moosbeeren und Fichtennadeln.

Im Unterholz des Burgwalds ist der etwa taubengroße Vogel mit seinem braunen Gefieder „top getarnt“ (Illustrationen: Sven Geske). Zudem ist die Waldschnepfe dämmerungs- und nachtaktiv, weshalb man sie nur selten zu Gesicht bekommt. Eberhard Leicht verrät, wann man den Vogel dennoch gut beobachten kann: „Im Frühjahr ist die Waldschnepfe in der Balz. Dann hört man auch die typischen Balzgeräusche, das sogenannte Quorren.“ Im März stehen die Chancen zur Abenddämmerung nicht schlecht.

Die Waldschnepfe kann im Burgwald auch deshalb so zufrieden quorren, weil die Förster dort der natürlichen Moor-Entwicklung Raum lassen. „Eine Menge hoch spezialisierter Arten ist auf diese Lebensräume angewiesen“, erklärt Leicht. Damit sie sich auch weiterhin gut entwickeln können, werden aktiv Veränderungen beigeführt: „Der Waldbestand wird behutsam aufgelichtet und die ursprüngliche Vernässung wiederhergestellt.“

Arktische Smaragd-Libelle vom Aussterben bedroht

Besonders die Moorflächen bieten einigen seltenen und stark gefährdeten Insektenarten ein Zuhause, die beispielsweise auch nach der europäischen FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) geschützt sind. Armin Wack, der Revierförster von Bracht, hat in alten Eichen Eremitenkäfer gefunden. Diese Käfer sind auch unter dem Namen Juchtenkäfer bekannt und erinnern an Mai- und Mistkäfer.

Die arktische Smaragd-Libelle lebt an kleinen Wasserstellen zwischen Torfmoosen. Sie hat eine Flügelspannweite von bis zu sieben Zentimetern, der Körper wird bis zu fünf Zentimeter lang. In Deutschland ist diese Libellenart stark gefährdet, teilweise vom Aussterben bedroht.

Auch die große Moosjungfer zählt zu den seltenen Libellenarten und ist streng geschützt. Ihre Körperlänge misst zwischen 3,5 und 4,5 Zentimetern. Die große Moosjungfer bevorzugt offenere Moorgebiete, wie sie im Burgwald an vielen Stellen zu finden sind. „Diese Arten sind ein Indiz dafür, dass durch die Moor-Renaturierung gute Lebensräume entstanden sind und dass diese unbedingt weiter betrieben werden muss. Zudem speichern Moore große Mengen an Kohlenstoff“, betont Leicht.

Einen guten Lebensraum findet anscheinend auch das Bachneunauge in den Bachsystemen des Burgwaldes. „Das fischartige Lebewesen gehört zu den Rundmäulern. Es braucht sehr sauberes sowie sauerstoffreiches Wasser und ist deshalb besonders in den Oberläufen unserer Bäche zu finden“, erklärt Leicht (Foto: Lauer). Den Namen trägt das zehn bis zwanzig Zentimeter lange Tier nicht etwa, weil es tatsächlich neun Augen hätte, sondern weil die Kiemen sehr deutlich ausgeprägt sind und wie Augen aussehen.

Seinen Status als großes Vogelschutzgebiet verdankt der Burgwald vor allem dem Vorkommen seltener Eulenarten. „So lebt beispielsweise der Sperlingskauz als die kleinste europäische Eule im Burgwald und der Uhu als die größte“, erklärt Leicht.

Dass sich diese beiden und einige Arten mehr aus der Gilde der Großhöhlenbrüter in der Region derart wohlfühlen, hängt mit der hohen Zahl an Schwarzspechten im Burgwald zusammen. „Der Schwarzspecht ist die einzige Art, die große Höhlen in Baumstämmen anlegt. Er baut zusätzlich zur eigenen Bruthöhle auch zahlreiche Ersatzhöhlen, die er nicht bezieht“, berichtet Leicht. Diese nutzen viele andere Tiere, die selbst keine Höhlen bauen können. Bevorzugte Adressen für die Höhlen sind Buchen und Kiefern.

Von den Ersatzhöhlen des Schwarzspechts profitieren im Burgwald unter anderem der Raufußkauz, die Hohltaube, die Dohle, aber auch der Siebenschläfer oder Fledermäuse wie die Bechsteinfledermaus. „Der Schwarzspecht wird deshalb auch gerne der Zimmermann des Waldes genannt“, schmunzelt Leicht.

An Greifvögeln beheimatet der Burgwald den Mäuse- und den Wespenbussard, den Rotmilan, Habicht, Sperber und Turmfalken. Aus der Familie der Rabenvögel gesellen sich Kolkrabe, Rabenkrähe, Eichelhäher und die Elster dazu.

Besonders freuen sich Eberhard Leicht und seine Kollegen vom Forstamt Burgwald darüber, dass die Wildkatze anscheinend ihren Weg zurück in ihr Revier gefunden hat. „Es gibt regelmäßige und zuverlässige Beobachtungen, die darauf schließen lassen, dass ganz heimlich die Wildkatze wieder heimisch bei uns geworden ist.“

„Jetzt im Winter kommen die Tiere im Wald zur Ruhe“

Natürlich bietet der Burgwald auch den bekannteren und größeren Säugetieren einen Lebensraum. Jenen, die einem beim Spaziergang oder im Straßenverkehr vermutlich am ehesten mal begegnen und die man deshalb häufig zuerst mit den heimischen Wäldern verbindet: dem Reh, dem Dachs, dem Baum- und Steinmarder, dem Wiesel und dem Fuchs. Die Rothirschdichte ist im Burgwald nicht besonders hoch, erklärt Leicht. Dafür habe es in den letzten Jahren eine große Zunahme an Wildschweinen gegeben. Gründe dafür sind zum einen die eher milden Temperaturen der vergangenen Winter, aber auch große Mengen an Eicheln in den vergangenen Jahren.

In der kalten Jahreszeit bekommt man die allermeisten der genannten Tiere allerdings gar nicht oder nur sehr selten zu Gesicht. „Jetzt im Winter kommen die Tiere im Wald zur Ruhe“, sagt Leicht. Viele Vögel ziehen zum Überwintern in Richtung Südwest-Europa, nur einzelne bleiben hier. „Die Säugetiere fahren ihren Stoffwechsel herunter und haben deshalb nur einen sehr reduzierten Aktionsradius. So hält der Dachs eine Winterruhe.“ Insekten überwintern als Eier oder Larven vor der Kälte geschützt und vor natürlichen Feinden im Waldboden oder unter der Rinde von Altbäumen versteckt.

Die Förster nutzen den Winter vor allem für die Gestaltung der Lebensräume. „Auf dem Programm stehen zum Beispiel Gewässerpflege und Gehölzpflege. Jetzt stören wir die Tierwelt am wenigsten.“

von Philipp Lauer

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