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Waldpflege mit internationaler Unterstützung

Workcamp Waldpflege mit internationaler Unterstützung

Workcamps von „Pro international“ führen in Marburg junge Menschen verschiedener Kulturen zusammen, um sich untereinander kennenzulernen und die Deutschkenntnisse zu verbessern.

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Bei der Arbeit auf dem sonnenbeschienenen Steilhang kamen die Teilnehmer Ira Zhikhareva aus Wolgograd (von links), Günes Ekin Gürova aus Ankara und Marcell André aus dem ungarischen Sopron ins Schwitzen.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Die Teilnehmer arbeiten in sozialen oder Umweltprojekten. Eine Gruppe hilft im Moment bei der Waldpflege. Die jungen Männern und Frauen kommen aus Dänemark, England, Frankreich, Italien, Russland, Serbien, der Türkei, Ungarn, der Ukraine, den USA, Weißrussland und Deutschland. Sie sind zwischen 16 und 26 Jahren alt und arbeiten nun schon den zweiten Tag an einem sehr steilen, nur schwierig begehbaren Hang, zerkratzen sich Arme und Beine an dornigen Sträuchern.

Sie schwitzen in der Sonne, denn auf der einst von Sturm Kyrill frei gefegten Fläche nahe dem Kaiser-Wilhelm-Turm sollen erst wieder große, Schatten spendende Buchen, Douglasien und Fichten wachsen. Und auch einzelne Birken. Derzeit aber drohen vor allem die schnellwüchsigen Birken, die sich von alleine ausgesät haben, alle anderen angepflanzten Jungbäume zu überwachsen. „Wenn man nicht den Großteil herausnähme, würde das ein reiner Birkenwald“, erläuterte Andreas Sommer, Bereichsleiter Dienstleistung/Hoheit beim Forstamt Kirchhain. „Da kam uns das Angebot von ,Pro international‘ aus Marburg sehr entgegen“, so Harald Richter, Forstwirtschaftsmeister aus der Revierförsterei Bauerbach. Richter und die beiden Auszubildenden Kai-Uwe Brings und Felix Hahmann zeigten, wie es geht. Dann rückten die Workcamp-Teilnehmer mit Astscheren, Handsägen, Hippen und schwedischen Läuterungsäxten den Birken, teils auch Weiden und anderen Gehölzen zu Leibe. „Ich mag diese Arbeit“, sagte der 18-jährige Engländer Eddie Gay und schwang die scharfe, an der Spitze gebogene Hippe, um eine Birke abzuschlagen. Geboren wurde er in Berlin und wuchs dort als Kind auf, später zogen seine Eltern nach Frankreich und schließlich ins südenglische Cheltenham. Jetzt möchte Eddie sein Deutsch auffrischen.

Die Verbesserung der Deutschkenntnisse ist auch ein wichtiges Anliegen der anderen Teilnehmer. Sie verpflichten sich feiwillig, untereinander Deutsch zu sprechen. Die meisten Workcamps in Europa sind englischsprachig. Unter den bundesweit sieben Trägern ist „Pro international“ aus Marburg einer, der deutschsprachige Camps mit zusätzlich zwei Stunden Deutschunterricht anbietet, für den Lehrkräfte über die Philipps-Universität herangezogen werden.

Die Teilnehmer der jeweils zehn bis zwölf Projekte pro Jahr werden abwechselnd auf dem Freizeitgelände Stadtwald, wo dann auch gearbeitet wird, oder im Naturfreundehaus in Marbach untergebracht, wie die jetzige 22-köpfige Gruppe, erläuterte Andreas Kunz, Geschäftsführer von „Pro international“. Es ist bereits die sechste Gruppe, die die Mitarbeiter des Forstamtes Kirchhain bei der Pflege junger Waldbäume unterstützt. Unterkunft und Verpflegung sind frei, die Anreise müssen die Teilnehmer selbst übernehmen. Betreut wird das Team junger Menschen von Bruno Picozzi, einem Mitarbeiter von „Pro international“, zusammen mit ehrenamtlichen Helfern, etwa Pädagogikstudenten.

Linda Sassearsen, die Mathe, Deutsch sowie Material und Design in Kopenhagen studiert, hatte zwar schon zwei Blasen an den Händen, dennoch fand sie die Arbeit besser als beispielsweise Betreuungsprojekte für Kinder. Da habe man mehr Verantwortung, hier mache man einfach, was einem gesagt wird. Sehr gut sei, dass die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern kämen, dass sorge auch für Vielfalt beim Essen. Sie werde demnächst eine dänische Erdbeersuppe zum Dessert machen.

Ira Zhikhareva aus Wolgograd ist bereits zum zweiten Mal kurz nacheinander in Marburg. Erst war sie zwei Wochen im Stadtwald, dann zwei Wochen bei ihrer Gastfamilie in Perleberg und jetzt ackert sie in den Lahnbergen.

An ihrer Schule daheim in Russland gibt es keinen Deutschunterricht, aber sie nimmt Privatstunden und kann sich recht flüssig unterhalten. Nach dem Abitur in zwei Jahren möchte sie gern in Marburg studieren, Medizin oder Psychologie, sagte die 16-Jährige. Es gebe in Wolgograd viele Jugendliche, die in Deutschland studieren möchten.

Nach zwei Tagen ist die Fläche am Wilhelmsturm so gut wie fertig bearbeitet. Dann geht es ins FFH-Gebiet Lummersbach, wo sie junge Eichen mit Wuchshüllen umgeben und so vor Fraßschäden durch Wildtiere schützen sollen.

Infos unter www.pro-international.de und www.hessen-forst.de.

von Manfred Schubert

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