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Waigel unterhält mit Augenzwinkern

Neujahrsempfang der CDU Waigel unterhält mit Augenzwinkern

Zum Neujahrsempfang der CDU gab es am Montagabend in Fronhausen Anekdoten aus seiner Amtszeit und ernste Worte zur Tagespolitik vom ehemaligen Finanzminister Dr. Theo Waigel.

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Gut gelaunt begrüßte die heimische Politprominenz wie Dr. Stefan Heck (links), Dr. Christean Wagner (vorne unten rechts nach oben), Friedrich Bohl, Dr. Thomas Schäfer und Dirk Bamberger den ehemaligen Finanzminister Dr. Theo Waigel (Mitte) beim gemeinsamen Neujahrsempfang von CDU-Kreisverband Marburg-Biedenkopf und Stadtverband Marburg.

Quelle: Nadine Weigel

Fronhausen. Sein Amt habe der diesjährige Festredner mit dem einen oder andere Augenzwinkern geführt. Das habe Dr. Theo Waigel viel Sympathie eingebracht, sagte der CDU-Kreisverbandsvorsitzende Dr. Thomas Schäfer bei der Begrüßung auf dem Neujahrsempfang von CDU-Kreis- und -Stadtverband. Dies stellte der ehemalige Finanzminister und CSU-Ehrenvorsitzende Waigel am Montagabend im Bürgerhaus in Fronhausen dann auch unter Beweis. In Anekdoten aus seinen vielen Amtsjahren und der Zeit danach schlug er regelmäßig den Bogen zu den ernsten Hintergründen. Angesichts der krisengeprägten Gegenwart hielt er ein überzeugtes Plädoyer für den europäischen Gedanken und dafür, mit mehr Zuversicht als Angst in die Zukunft zu schauen.

Zum Neujahrsempfang erschienen mit Landrätin Kirsten Fründt und der Landtagsabgeordneten Angelika Löber (beide SPD) auch Vertreter der Wahlkampf-Wettbewerber. Auch in ihre Richtung erklärte Waigel: „Je älter man wird, desto mehr schätzt man seine früheren Gegner.“ Beispielhaft erinnerte er sich an Briefwechsel mit den ehemaligen SPD-Bundeskanzlern Willy Brandt und dem kürzlich verstorbenen Helmut Schmidt. „Helmut Schmidt hat mir im vergangenen Jahr noch einen Brief geschrieben, in dem er mir lediglich ‚seine Anhänglichkeit ausdrücken‘ wollte“, berichtete Waigel.

Versöhnung der Altkanzler hat Wurzeln in Marburg

Besonders gern erinnere er sich an die Zusammenarbeit mit Helmut Kohl und dessen damaligem Kanzleramtsminister Friedrich Bohl, der gestern in Fronhausen in der ersten Reihe saß. „Wenn ich mich früher mit Helmut Schmidt getroffen habe, dann hat er immer die ersten zehn Minuten über Helmut Kohl geschimpft“, erzählte Waigel. Dies habe sich 2007 nach Schmidts Auszeichnung zum Ehrendoktor der Universität Marburg geändert. In seiner Rede habe Schmidt Altkanzler Kohl damals sehr gelobt. „Ich habe die Rede an Helmut Kohl weitergeleitet. Daraufhin hat er sich ins Auto nach Hamburg gesetzt und mit Helmut Schmidt versöhnt“, verriet der 76-Jährige.

Eingehend auf die Tagespolitik hob er vor allem die entscheidende Rolle der EU hervor. Er habe mit dem seiner Meinung nach bedeutendsten Historiker auf diesem Feld, Christopher Clark, über den Ersten Weltkrieg gesprochen. Die Frage danach, ob es 100 Jahre später denkbar sei, dass wieder solch ein Krieg ausbricht, verneinte Clark. „Seine Begründung war, dass es 1914 noch keine Friedensinstitution wie die EU gab“, berichtete Waigel.

„Es ist wichtig, dass man vernünftig miteinander umgeht, ohne Arroganz“, betonte er weiter. Wenn es um solidarisches Miteinander geht, dürfe man aber die Zusammenhänge nicht aus den Augen verlieren. „Wir haben viel investiert, um zu garantieren, dass das Auseinanderfallen der Sowjetunion friedlich bleibt. Und man darf Polen und Ungarn schon sagen, wie viel Geld sie jedes Jahr bekommen.“ Für sein phrasenhaftes Zwischenfazit, Solidarität sei keine Einbahnstraße, erhielt der CSUler lauten Applaus.

Bei den vielen Krisen, gingen die positiven Nachrichten in der Berichterstattung unter, stellte Waigel fest. „Dabei haben vier Länder mit Hilfe der EU den Weg aus der Finanzkrise geschafft.“ Irland, Portugal, Spanien und Zypern zählte er auf.

Waigel steht hinter demKurs in der Finanzkrise

Die Verantwortung dafür, dass auf den Euro-Banknoten auch die griechischen Lettern abgedruckt sind, wies Waigel von sich. „Da sind Fritz Bohl und ich raus, das war nach unserer Zeit“, erklärte Waigel. Er habe seinem griechischen Amtskollegen damals dieses Anliegen abgelehnt, auch weil er nicht an einen Beitritt Griechenlands in die Währungsunion glaubte. Die Zentralbank habe letztlich anders entschieden. Griechenland einfach wieder herauszuschmeißen, sei aber auch nicht die Lösung. Für die verantwortlichen Politiker habe Waigel kein Mitleid, für die Menschen schon.„Ich stehe vollumfänglich hinter dem Handeln von Merkel und Schäuble in der Griechen­land-Krise, auch aus geopolitischen Gründen. Denn der Schutz der EU-Außengrenzen braucht auch die Hilfe Griechenlands, und deshalb ist der Kurs notwendig und richtig.“

Und diesem ernsten Zusammenhang folgt gleich wieder das nächste Augenzwinkern vom ehemaligen Finanzminister: „Ich beneide Schäuble nur um die niedrigen Zinsen. Dass sie zu meiner Zeit so hoch waren, ist eine grobe Ungerechtigkeit.“

von Philipp Lauer

Ein Interview mit Theo Waigel und dem hessischen Finanzminister Thomas Schäfer lesen Sie in den kommenden Tagen in der Oberhessischen Presse.

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