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Wahlhelfer aus anderen Orten als Option

Unterstützung für Grenzgänger Wahlhelfer aus anderen Orten als Option

Grenzgang und Landratswahl - am 8. September soll in Wollmar beides reibungslos funktionieren. Nach dem Ärger über die Festsetzung ausgerechnet dieses Wahltermins will Landrat Fischbach die Wogen geglättet haben.

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In Wollmar herrscht großes Interesse an Brauchtum und an der Grenzgangtradition. Beim Grenzgang 2006 begrüßte „`sAnna aus Wollmar“ in ihrer Tracht freudig die Besucher.

Quelle: Archivfoto

Wollmar. Die Grenzgänger haben ihn um ein Gespräch gebeten - und diesem Wunsch ist Landrat Robert Fischbach nachgekommen. So groß die Wollmaraner Entrüstung auch vor diesem Gespräch gewesen sein mag und so wenig sich seither auch an den Fakten geändert haben mag - nach dem Termin herrscht wieder Frieden, wie aus einer Pressemitteilung des Landkreises hervorgeht: „Klärendes Gespräch glättet Wogen um das Grenzgangfest in Wollmar“ lautet die Überschrift.

Die OP hat Landrat Fischbach zu diesem Gespräch befragt. „Das Ganze hat sich relativiert, als wir miteinander geredet haben“, sagt Fischbach über das Treffen, an dem auch Wollmars Ortsvorsteher Wolfgang Henseling, der Vorsitzende des Grenzgangvereins, Klaus-Peter Fett, sowie Münchhausens Bürgermeister Peter Funk teilnahmen. „Wir haben auch Unterstützung für den Wahlvorstand angeboten, da muss es nicht zu Konfliktsituationen kommen“, ist Fischbach überzeugt. Dass man in Wollmar nicht begeistert sei, das sei gut zu verstehen, doch „Wahlen sind das Wichtigste in einer Demokratie“, betont Fischbach, und man könne nicht erwarten, dass bei der Festlegung eines Wahltermins der „Blick als erstes in den Landkreis geht“.

Im Spätsommer ist jeder Termin schlecht

Zur spätsommerlichen Jahreszeit lasse sich ohnehin kein Termin finden, „an dem nicht irgendeine Veranstaltung stattfindet“, erklärt der Landrat, der um das Verständnis der Wollmaraner geworben und es auch bekommen haben will. „Als wir am Ende auseinandergegangen sind, waren alle froh über dieses Gespräch und uns auch einig“, sagt Fischbach, der konkrete Hilfe angeboten hat: Den Wahlvorstand, den Wollmar an diesem Tag eigentlich aus der eigenen Bürgerschaft zu stellen habe, könne man beispielsweise zur Entlastung auch mit Helfern aus anderen Ortsteilen oder gar anderen Kommunen besetzen.

Dass diese Option besteht, bestätigt auf OP-Nachfrage der stellvertretende Landeswahlleiter für Hessen, Wilfried Schmäing: Entscheidend sei, dass die Beisitzer im Wahlvorstand auch selbst Wahlberechtigte sind - das wäre bei einer Landratswahl auch zutreffend, wenn Bürger aus anderen Ortsteilen und Gemeinden zur Unterstützung dazu kämen, um die Wollmaraner Bürger, die für den Grenzgang zur Verfügung stehen wollen, zu entlasten. Die Entscheidung, wer einbestellt werde, liege bei einer Landratswahl beim Kreiswahlleiter - eine übergeordnete Instanz gebe es nicht.

Da die Mitarbeit im Wahlvorstand ein Ehrenamt sei, das den Bürgern zugeteilt werde und nicht so einfach abgelehnt werden dürfe, könne der Landkreis von der Option, Helfer aus anderen Orten zu bestellen, auch Gebrauch machen, stellt Fischbach klar. Unter Berufung auf die Bundeswahlordnung heißt es dazu in der freien Enzyklopädie Wikipedia: „Das Ehrenamt ist eine staatsbürgerliche Pflicht, die nur aus wichtigen Gründen abgelehnt werden kann. Ablehnungsgründe sind in den Wahlordnungen zur jeweiligen Wahl genannt, es sind zum Beispiel die Sorge für minderjährige oder pflegebedürftige Angehörige, eigene Krankheit, zwingende berufliche Verhinderung oder die Vollendung des 65. Lebensjahres.“

Niederweimarer fühlen sich außen vor

Ob Wollmar am Wahltag tatsächlich Unterstützung von außerhalb braucht oder seinen mit wohl sieben Personen zu besetzenden Wahlvorstand trotz Grenzgang selbst auf die Beine stellen kann, steht indes nicht fest. Bei der Landratswahl 2007 jedenfalls benötigte die Gemeinde Münchhausen für ihre fünf Wahlbezirke nebst Briefwahlbezirk jeweils sieben Personen im Wahlvorstand - also insgesamt 42 Bürger, wie der ehemalige Münchhäuser Hauptamtsleiter Michael Emmerich, seit letzter Woche Bürgermeister in Rauschenberg, der OP berichtet.

„Das Verständnis zwischen beiden Seiten ist gewachsen“, sagt Fischbach über sein Gespräch mit den Vertretern der Wollmaraner Interessenslage. Mit Niederweimar hingegen, das zeitgleich zum ersten Termin der Landratswahl am 8. September sein Dorfjubiläum „875 Jahre“ feiert, fand keine Aussprache statt. „Von Wollmarer Seite hatte man um das Gespräch gebeten, aus Niederweimar hat das niemand eingefordert“, erklärt Fischbach.

Gleichwohl ist der Ärger in Niederweimar groß. „Ich bin dermaßen sauer, das kann sich kein Mensch vorstellen“, sagte der Niederweimarer Ortsvorsteher Heinz-Peter Damm während der jüngsten Ortsbeiratssitzung. Das Dorf war mit dem Jubiläumsfest extra vom 27. September auf den 8. September vorgerückt - danach legte der Kreistag die Landratswahl auf diesen Termin. Zur Auflösung des Zoffs zwischen Wollmar und Landkreis will Klaus-Peter Fett, Vorsitzender des Grenzgangvereins indes nichts sagen. Er beruft sich auf die Pressemitteilung über die „geglätteten Wogen“ und will in Wollmar über diesen Ausgang informieren.

von Carina Becker

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