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„Wachsam, aber nicht ängstlich sein“

Rosenmontagsumzug „Wachsam, aber nicht ängstlich sein“

Mehr Angriffe auf Frauen, mehr Waffen, mehr Sorgen? Die Sicherheitslage in der Universitätsstadt beschäftigt die Bewohner wie auch die Kommunalpolitiker - vor allem in der nun beginnenden Hochzeit des Faschings.

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Die Veranstalter des Rosenmontagsumzuges wünschen sich, dass wie im Vorjahr mehr als 10 000 Zuschauer das Festgeschehen
beobachten und dabei friedlich feiern.Archivfoto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die CDU fordert die sofortige Einberufung eines runden Tisches „Sicherheit in Marburg“. Es gehe um die „Wiederherstellung des Vertrauens in die öffentliche Sicherheit in der Innenstadt“, heißt es von den Konservativen im Nachklang der vermehrten Angriffe speziell auf Frauen in den vergangenen Wochen (die OP berichtete).

„Die aktuelle Sicherheitslage rund um die Kunsthalle und am Hauptbahnhof geben großen Anlass zur Sorge“, sagt Karin Schaffner, stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende. Entscheidend sei nicht die Herkunft der Täter - bei allen zuletzt der Polizei gemeldeten Angriffen handelt es sich um Täter ausländischen Aussehens -, sondern die „massive Häufung von sexuellen Belästigungen und Pöbeleien“ in der Stadt. „Das können und wollen wir nicht dulden.“ CDU-Sicherheitspolitiker Jens Seipp ergänzt: „Die Dunkelziffer solcher Vorfälle ist in der Regel wesentlich höher als die tatsächlich zur Anzeige gebrachten Vorfälle.“ Der Schritt zu „massiven körperlichen Übergriffen ist nicht weit“, sagt er und weist auch auf Aussagen von mutmaßlichen Opfern bei Facebook hin. Jedoch hat sich das Internet auch in Marburg zu einer Plattform für Gerüchte und Behauptungen entwickelt, die einer Überprüfung selten standhalten (die OP berichtete).

Die FDP argumentiert ähnlich: „Deutlich mehr Polizeipräsenz, gerade in den Nachtstunden, in der Innenstadt und an der Lahn“, verlangt Christoph Ditschler, Liberalen-Chef. Nachts dürfen in Marburg „keine No-Go-Areas und Risikobereiche entstehen“. Dafür würden „sporadische Kontrollfahrten des Ordnungsamts nicht ausreichen“. Es müsse ein Sicherheitskonzept her, vor allem „in Zeiten, in denen das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat schwindet“.

Sozialdemokraten setzen auf Marktdreieck-Konzept

Es solle „ein wirksames Schutzkonzept entwickelt werden, um weiteren Übergriffen vorzubeugen“, ergänzt CDU-Chef Dirk Bamberger. Er fordert eine „offene und transparente Informationspolitik zu allen Sicherheitsfragen“, da alles andere „Misstrauen und Ängste schürt, was Wasser auf die Mühlen der rechten Populisten wäre“.

Die SPD lehnt diese Forderungen ab. Es gebe bereits ein Schutzkonzept. „Das wurde nach den Problemfällen rund um das Marktdreieck entwickelt“, sagt Steffen Rink, Fraktionschef. Das Programm „Einsicht gegen Gewalt“ sei ein Netzwerk einschließlich des Ordnungsamtes und der Polizei, das seit Langem die Entwicklungen beobachte und entsprechend reagiere. „Damals wie heute muss es um die richtige Balance von Repression und Prävention gehen.“ Die Sozialdemokraten werfen den Kritikern einen Missbrauch des Themas Gewalt gegen Frauen vor. Es werde zugunsten von Wählerstimmen „Verunsicherung erzeugt“, weil „es so erscheint, als ob eine neue, unbekannte Bedrohungslage entstanden ist“. Das stimme jedoch nicht.

Unter einigen Karnevalisten herrscht nach OP-Informationen im Vorfeld des bevorstehenden Rosenmontagsumzugs, zu dem mehr als 10000 Besucher erwartet werden, Anspannung wegen der „politischen Lage“.

Rosenmontagsumzug: Verstärkte Polizeipräsenz

Den Vorsitzenden des Festausschusses Marburger Karneval (FMK) wundert das: „Wir hatten am Dienstag die Ausgabe für die 44 Zugnummern. Dabei sind aber keine Befürchtungen geäußert worden“, sagt Markus Braun auf OP-Nach-frage.

Der FMK als Veranstalter des Rosenmontagsumzuges habe sich im Vorfeld Gedanken über die Sicherheitslage gemacht. Ergebnis: Sechs statt bis vier sogenannter Wagen-Engel sollen jeden Zug-Wagen begleiten. „Wir lassen uns den Spaß an der Freude nicht nehmen“, sagt FMK-Präsident Braun und rät zu mehr Gelassenheit.

Ähnlich äußert sich Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Er rät den Feiernden, „wachsam, aber nicht ängstlich zu sein“.

Hessenweit werden jedenfalls deutlich mehr Sicherheits-kräfte das Geschehen rund um die Umzüge beobachten. Auch in Marburg sollen mehr Polizisten als in den Vorjahren eingesetzt werden, bestätigt Polizeisprecher Martin Ahlich. „Aber wir lassen die Kirche im Dorf und verdoppeln nicht.“ Der Einsatz geschehe in Verbindung mit der Stadt und dem Ordnungsamt. In den vergangenen Jahren habe es bei den Rosenmontagsumzügen lediglich „die üblichen alkoholbedingten Rangeleien“ gegeben. Mit mehr Problemen rechnet die Marburger Polizei laut Ahlich auch am kommenden Montag nicht.

von Björn Wisker und Michael Arndt

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