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Vorwurf: Sex mit schlafenden Jungs

Prozess Vorwurf: Sex mit schlafenden Jungs

Ein 29-Jähriger muss sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten, da er mehrere Minderjährige entweder im Schlaf oder mit Gewalt sexuell missbraucht haben soll.

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Auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger stehen laut Gesetz Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Quelle: Archiv

Marburg. Laut Staatsanwaltschaft verging sich der Angeklagte ab 2007 zunächst an einem damals 16-Jährigen in einer Wohnung im Stadtwald. Nackt soll er sich demnach auf den Jugendlichen gelegt, sich an ihm so lange gerieben haben, bis der mutmaßliche Täter zum Orgasmus kam. Zudem soll er an anderen Tagen anal in den Minderjährigen eingedrungen sein. Als dieser sich wehrte, habe der Beschuldigte - so die Anklageschrift - dem Jungen ein Kissen und eine Decke auf den Kopf gedrückt und ihn so zu Sex mit ihm gezwungen, bis er zum Orgasmus kam.

„Ich lebte damals im Heim, hatte keine Freunde, hielt mich in der Stadt etwa bei einem Frisörsalon auf. Da lernte ich ihn kennen. Wir hatten gemeinsame Interessen, gingen Bier trinken, auch in die Disko und haben bei ihm zuhause Fernsehen geschaut“, sagt das erste Opfer, ein heute 24-jährige Lagerist. Anfangs sei alles okay gewesen; als der Angeklagte aber mit seiner mittlerweile Ex-Frau in eine andere Wohnung zog und er weiter täglich zu Gast war, „änderte sich unser brüderliches Verhältnis total“. Der gelernte Frisör habe ihn stets „duschen geschickt“, worauf er ins Bad kam und von dem Jugendlichen verlangte, dass dieser sich im Intimbereich rasieren solle.

Angeklagter bestreitet Tat

Die sexuellen Übergriffe hätten etwas später begonnen, als der Jugendliche eine Freundin hatte, die „unzufrieden mit mir im Bett war, weil sie beim Sex nicht zum Orgasmus kam, ich keine Ausdauer hatte“. Das erzählte er dem Angeklagten, woraufhin dieser ihm angeboten habe mit ihm „zu üben, um den Penis wie einen Muskel zu trainieren“. Sie hätten sich erst auf einem Baumstamm „gegenseitig einen runtergeholt“, vor dem PC „zusammen masturbiert“, später sei der heute 29-Jährige in der Wohnung nackt auf ihm „herumgerutscht“, habe ihn oral befriedigt. Die Situation mit erzwungenem Analverkehr, als er schlief, habe er „verdrängt“, er wisse nur noch, dass er sich in einigen Situationen zumindest „schlafend stellte“ .

Seit dem Missbrauch - den es ihm gegenüber wohl schonmal von einem Verwandten gab - leide er unter Alpträumen, sei daher in die Drogenszene geraten. „Mit Gras war alles schöner, ich dachte nicht mehr an die schrecklichen Sachen.“

Der Angeklagte, dem auch sexueller Missbrauch zweier anderer Jugendlicher in Biedenkopf und Wallau vorgeworfen wird, streitet die Anschuldigungen ab. „Ich verstehe bei meiner Ehre nicht, wieso man mir so was vorwirft.“ Da er selbst Heimkind gewesen sei, habe er dem Jugendlichen aus Marburg „helfen wollen, in dem ich ihm Kleidung gab und wir über vieles redeten, weil ich ihn verstand“. Dass er mit dem Teenager Zeit verbrachte, er bei ihm übernachtete, sei mit den Heimbetreuern abgesprochen gewesen. Das bestätigen Unterlagen, die dem Gericht vorliegen.

Der 29-Jährige - Vater von zwei Kindern - vermutet daher, dass die von ihm forcierte Trennung von seiner „gar nicht netten“ Ex-Frau samt Sorgerechts- und Umgangsstreits für die Vorwürfe verantwortlich ist. „Ich habe ihn nie angepackt, nicht mal mit dem Gedanken gespielt. Schon allein die Vorstellung, nein, auf keinen Fall“, sagte er.

An zwei weiteren Verhandlungstagen im November wird es verstärkt um weitere mutmaßliche Sex-Attacken in Biedenkopf und Wallau gehen, bei denen der Frisör unter anderem einen damals 13-Jährigen ebenso im Schlaf missbraucht haben soll wie das Marburger Opfer.

Je nachdem, welcher Paragraf im Strafgesetzbuch Anwendung findet - etwa § 179 (sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen) - droht dem Angeklagten eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

  • (OP-Berichterstattung wird fortgesetzt)

von Björn Wisker

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