Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Vorwurf: Politik ignoriert Ideen und Wünsche der Bürger

Politischer Abend am Ortenberg Vorwurf: Politik ignoriert Ideen und Wünsche der Bürger

Wohnungsbau kontra Denkmalschutz - so ließe sich das Hauptthema Lokschuppen-Sanierung des politischen Abends zusammenfassen, zu dem die Ortenberggemeinde in ihr Haus eingeladen hatte.

Voriger Artikel
Autofahrer hupen aufmunternd
Nächster Artikel
Höhere Gewerbesteuer ist für Grüne kein Tabu

Die Diskussion kreiste vor allem um die Zukunft des Lokschuppens.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Vorsitzender Pit Metz leitete­ die Veranstaltung mit einem Verweis auf die wachsende ­Unzufriedenheit über die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Bürger ein.

Derzeit laufe ein deutschlandweit ausgeschriebenes Verfahren vonseiten der Stadt, in dem möglichst konkrete Konzepte für eine Nutzung der zusehends verfallenden Bahnanlagen gefunden werden sollen.

Wie offen der Ausgang dieser Auswahlrunde noch ist, darüber gab es große Unstimmigkeiten. „Wir wissen ja alle, dass bereits ein Vorschlag von Carsten Schreyer vorliegt und der da ohne viel Rücksicht auf das Thema Denkmalschutz Wohnungen draufsetzen will. Wenn wir jetzt hören, dass konkrete Vorschläge mit Finanzierungsplan binnen acht Wochen vorliegen sollen, dann klingt das nicht so, als ob da wirklich noch weitere Einreichungen vonseiten der Bürger erwünscht sind. Erschwerend kommt hinzu, dass in den Vorgaben viele Bestandteile enthalten sind, die gerade in Sachen Denkmalschutz sehr aufweichend wirken und es Schreyer­ leicht machen werden“, bemerkte ein Mitglied der Ortenberggemeinde.

CDU, SPD, Linke und Piraten hatten Parlamentsvertreter geschickt. Sonja Sell (SPD) verteidigte die Zustimmung ihrer Partei: „Grundsätzlich ist es richtig, dass die Stadt ein Interesse daran hat, das verfallende Gelände bald aus den Kosten zu haben, aber es ist auch nicht so, dass die Jury das einfach an denjenigen vergeben wird, der schnell Geld bereitstellen kann, offiziell liegt noch gar keine Planung vor.“

Stimmung im Publikum war angespannt

Eines der Konzepte, das den Erhalt des Bauwerks vorsieht, stellte Manfred Velte vom Förderverein Lokschuppen vor. „Wir wollen das Gebäude sanieren und das muss schnell gehen, da es mit jedem Winter schwerer wird. Es soll wieder so weit instand gesetzt werden, dass es für historische Bahnfahrten nutzbar ist. Die Drehscheibe soll wieder funktionieren und an das Schienennetz angeschlossen werden. Die weiteren Flächen sollen für Events und den Erhalt alter Handwerke eine Nutzung finden. Wir sehen große Chancen, hier umfangreiche Fördermittel zu generieren, auch Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, der das Gelände ja zum Teil noch gehört, haben Interesse.“

Angesichts der Kosten dieses 6,8 Millionen Euro teuren Konzepts entgegnete Matthias Simon (SPD): „Die Stadt hat mehr als 40 Millionen Euro Schulden, von daher muss die ­Finanzierung von anderer Stelle­ erfolgen. Die Stimmung unter den rund 20 Gästen war angespannt. „Die SPD geht ja ­gerne mit dem Kapital ins Bett, die Wünsche der Anwohner werden einfach ignoriert“, lautete ein Kommentar.

Metz wies abschließend auf die Erfahrungen der Ortenberggemeinde in Sachen Bauprojekte hin: „Wir wissen ja, wie das mit der alten Gärtnerei gelaufen ist, wenn der Schreyer da einmal loslegt, werden schnell Fakten geschaffen und da wurden unsere Ideen und Wünsche auch von der Politik und von ihm komplett ignoriert.“

Der Förderverein Lokschuppen will nicht kampflos aufgeben. Sollte am Ende tatsächlich ein in Sachen Denkmalschutz fragwürdiges Konzept den Zuschlag erhalten, wollen die Mitglieder dagegen vor Gericht ziehen.

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr