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Vorsorgevollmacht sollte stets zur Hand sein

Ethikkommission Vorsorgevollmacht sollte stets zur Hand sein

Kommissionsleiter Professor Gerd Richter und seine Kollegin Dr. Carola Seifart erklärten die Aufgaben der Ethikkommission anhand eines Fallbeispiels.

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Vom Dach des Uniklinikums startet ein Hubschrauber zu einem Notfall. Falls Patienten nicht mehr selbst für sich entscheiden können und auch keine Vorsorgevollmacht besitzen, ist dies ein Fall für die neu eingerichtete Ethikkommission.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es ist der Alptraum aller Angehörigen. Die eigene Mutter, 78 Jahre alt, schwer herzkrank, wird nach einer schweren Hirnblutung durch den seit langem eingesetzten Schrittmacher am Leben gehalten, obwohl aufgrund der neurologischen Schäden eine Rückkehr ins Leben ausgeschlossen ist. Gewollt hatte das die Mutter, darin sind sich die Kinder einig, so aber auf gar keinen Fall. Die vermeintlich hilfreiche Patientenverfügung ist nicht präzise genug formuliert, die Tochter nicht ordnungsgemäß mit einer Vorsorgevollmacht ausgestattet.

Beispiele wie dieses sind einer der Gründe, warum am Uniklinikum nun eine mit 19 Mitgliedern aus unterschiedlichen Disziplinen besonders breit aufgestellte Ethikkommission eingerichtet wurde (die OP berichtete).

Der Ärztliche Direktor Professor Jochen Werner eröffnete dazu die informative Einführungsveranstaltung, auf der Kommissionsleiter Professor Gerd Richter und Dr. Carola Seifart ihre Aufgaben erklärten.  „Die Ethik hat im Allgemeinen die Aufgabe, uns beim Fällen sittlicher Entscheidungen zu helfen, und dafür gibt es in Zeiten, wo medizinisch vieles möglich, aber sicher nicht alles richtig ist, mehr Bedarf denn je“, sagte Seifart und ergänzte: „Dieses interdisziplinäre Komitee hat seine Aufgaben in der lösungsorientierten Medizinethik, wo es nicht wie im religiös-philosophischen Sektor möglich ist, einfach ruhig abzuwarten.“
Dementsprechend gab ihr Kollege Professor Richter in seinem anschließenden Vortrag praktische Tipps für Betroffene, vor allem eben zu dem Thema Patientenverfügung. „Es kommt darauf an, dass Sie möglichst eine sicher verfügbare

Person mit einer Vorsorgevollmacht ausstatten, dazu die Verfügung präzise formulieren und regelmäßig aktualisieren sowie dafür sorgen, dass die eingetragene Person sie auch umgehend zur Hand hat.“

Mutter durfte im Kreise der Angehörigen sterben

Rechtlich ist stets der behandelnde Arzt für die finale Ausführung verantwortlich und Entscheidungsträger. „Es geht bei diesen großen Fragen, eben ob wir etwa wie in unserem Fallbeispiel den Schrittmacher abschalten, immer darum, den Patientenwillen so gut wie möglich zu vertreten beziehungsweise vorauszuahnen. Wenn es dabei zwischen den Angehörigen oder dem Facharzt zu Meinungsverschiedenheiten kommt, dann kann unsere Kommission beratend hinzugezogen werden“, erklärte der Experte.

Im Falle der 78-Jährigen kamen die Beteiligten zu einer Einigung, deren Umsetzung durch die neue Gesetzeslage, nach der passive Sterbehilfe erlaubt ist, deutlich vereinfacht wurde: Die Mutter durfte im Kreise ihrer Angehörigen sterben.
In der anschließenden Diskussion kamen vor allem Fragen von Betroffenen, privat wie beruflich. „Welche Probleme können denn in der Formulierung der Patientenverfügung auftreten?“, wollte etwa Anna Stach vom Marburger Betreuungsverein wissen.

Professor Richter antwortete: „Nur wenn Sie etwa schreiben, dass eine künstliche Beatmung nicht in Frage kommt, dann sollte klar sein, dass sich das konkret auf Situationen bezieht, wo es um eine dauerhafte Beatmung geht. Sonst wäre ja hier jede Vollnarkose gemeint, auch zum Beispiel beim Beckenbruch.“

  • Wer zu diesem komplexen und auch seelisch belastenden Thema Fragen hat und Rat bei den unterschiedlichsten Experten der Kommission sucht, erreicht diese ab sofort unter Telefon 0 64 21 /  5 86 32 13.

von Marcus Hergenhan

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