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Vor allem an Tenören mangelt es

Chor "OCK-TAVE" Vor allem an Tenören mangelt es

Chorleiter Reidar Seeling blickt von seinem Klavier auf und fängt an zu spielen. Gleichzeitig setzt der Gesang der 27 Sängerinnen und Sänger des Chors „OCK-TAVE“ ein.

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Diese acht Männer sangen bei der von der OP besuchten Chorprobe.

Quelle: Benjamin Kaiser

Ockershausen. Schließt man die Augen und lauscht dem Chor, hört man schnell heraus, dass die Stimmen der Männer denen der Frauen nicht gewachsen sind. Die Stimmen der Frauen klingen voluminöser, als wären es mehr. Öffnet man dann die Augen wieder, erkennt man folgendes: Es sind mehr! Sieht man dann, dass die Bassisten von einer Frau stimmlich unterstützt werden, erahnt man das Problem.

„Es gibt in den meisten gemischten Chören zu wenige Männer. Ein Problem, das nicht nur in Marburg, sondern auch in ganz Hessen sowie bundesweit existiert“, beklagt Seeling. Die Folge sei das Abschmelzen des Laienchores, so der Chorleiter. „Uns fehlt schlichtweg der Nachwuchs. Es kommen keine jungen Leute. Vor allem Tenöre haben wir bitter nötig.“  

Bei der Probe des Chores in der Alten Schule in Ockershausen bleiben am Montag viele Stühle frei. Die Grippewelle hat vor dem Chor „OCK-TAVE“ nicht Halt gemacht. Wie es sich gehört, sitzen die Chormitglieder nach Gesangs-Stimmlage geordnet in verschiedenen Ecken des Raumes.

Mit Elan wird geprobt

Neun Männer und exakt doppelt so viele Frauen sind zur eineinhalbstündigen Chorprobe erschienen, die jeden zweiten Montagabend stattfindet. Ein deutliches Männer-Frauen-Verhältnis. Zugegeben, drei Männer sind aufgrund von Krankheiten nicht erschienen. Allerdings fehlen auch zwölf Frauen. So ist das Verhältnis bei Normalbesetzung noch einseitiger.

Dieser Umstand vermiest den Sängerinnen und Sängern den Spaß jedoch nicht – mit Elan wird geprobt: Peppige Chorallieder wie „Oh, rock my soul“ wechseln sich mit schwermütigen, jahrhundertealten Kirchenchorliedern wie „Dona nobis pacem“ (auf Deutsch: „Gib uns Frieden“) ab.

„Wir versuchen, viel Abwechslung bei der Auswahl der Lieder an den Tag zu legen. Damit wir nicht zu einseitig werden und für jeden etwas dabei ist“, erklärt Seeling (Foto). Aber auch diese Flexibilität habe bisher nicht zu einem Zulauf an Männern geführt.

„OCK-TAVE“ besteht seit 2012 und geht auf die Initiative des Ockershäuser Männerchores zurück.

Rund ein Dutzend Auftritte hat der gemischte Chor pro Jahr. In den vergangenen Jahren seien viele Männerstimmen für immer verstummt, so Johannes Müller, Vorsitzender von „OCK-TAVE“. „Es waren sehr viele Todesfälle in den vergangenen Jahren“, bemerkt Müller.

„Wir sind eine Familie“

Was nun? Den Kopf im Notenbuch vergraben und aufgeben? Hoffen, dass der talentierte Nachwuchs eines Tages zur Tür hineinspaziert? „Nein“, sagt Willfried Bepperling, Schriftführer des Chores, bestimmt. Das Problem soll angegangen werden: In Zukunft will der Chor mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen. Laut Bepperling seien Infostände in der Stadt ein geeignetes Mittel, um insbesondere junge Leute auf den Chor und seine Vorzüge aufmerksam zu machen.

Doch was bringt es überhaupt, in einem Chor zu singen? Gibt es noch weitere Gründe bei „OCK-TAVE“ mitzumachen, als dass man schlichtweg Spaß am Gesang hat?

„Oh ja, wir unternehmen sehr viel miteinander, beispielsweise gemeinsame Exkursionen oder Grillfeste. Wir sind eine Familie. Jeder achtet auf den anderen“, meint Bepperling.

Dies ist bei der Probe erkennbar: Es wird nicht nur konzentriert gesungen, sondern auch miteinander gescherzt und gelacht wie in einer Familie. Hat ein Chormitglied Kritik, wird auf diese eingegangen, so wie es in einer Familie sein sollte

  • Wer sich näher über den Chor informieren will, kann sich an den Vorsitzenden Johannes Müller, Telefon 0 64 21 / 3 31 29, wenden. Für die Mitglieder der Gesangsgruppe wäre männliche Unterstützung, insbesondere in Form von Tenören, feinste Musik in ihren Ohren.

von Benjamin Kaiser

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