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Von der Venenchirurgie zur Tattoo-Entfernung

Ärzte-Kongress Von der Venenchirurgie zur Tattoo-Entfernung

Klein aber fein: Das war das Motto einer Tagung von rund 200 Haut-Chirurgen im Marburger Congress-Centrum.

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Diese Workshopteilnehmer übten bei der Tagung in Marburg an Schweineköpfen aus Schlacht-Abfall plastische Verschlusstechniken. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es ist ein breites Spektrum, dass die Vertreter der Dermatochirurgie (Hautchirurgie) abdecken: es reicht von der konventionellen Gesichtstumor-Chirurgie über die Laserchirurgie bis hin zum chirurgischen Eingriffen bei Tumoren unter dem Nagelbett oder der Phlebo-Chirurgie (Venenchirurgie), bei der es um die Behandlung von Krampfadern geht. „Wir haben bewusst das Motto ‚Klein aber fein‘ gewählt. Denn wir wollten einerseits zeigen, dass unser Fach ein kleines, aber wichtiges Spezialgebiet ist“, erläutert Professor Wolfgang Pfützner, Oberarzt an der Marburger Uni-Hautklinik und Organisator der Tagung in Marburg. Andererseits gehe es bei den chirurgischen Eingriffen immer auch darum, nur einen möglichst kleinen Abschnitt der Haut in Mitleidenschaft zu ziehen.

„Wir operieren so gewebeschonend wie möglich. Aber es gibt natürlich auch Patienten, die große Tumore haben“, erklärt Pfützner. Gerade bei Hautkrebs, der im Gesicht auftrete, komme es auch darauf an, dass der Hautchirurg einen Blick für die Körper-Symmetrie und das allgemeine Erscheinungsbild des Patienten besitze. Zudem werde die Dermatochirurgie in Sachen Hautkrebs ein auch zahlenmäßig immer wichtigeres Feld. So habe die Zahl der Operationen auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren um bis zu 40 Prozent zugenommen.

Ein Bestandteil der Tagung, waren Vorträge von Experten, die den aktuellen Stand der Forschung und klinischen Praxis auf Spezialgebieten der Hautchirurgie darstellen. So gab es beispielsweise einen Vortrag zur Lymph-Chirurgie, die vor allem bei der operativen Behandlung von Störungen des Flusses der Lymphe (Gewebeflüssigkeit) durch Arme und Beine zum Einsatz kommt. Das ist Filigranarbeit des Operateurs, bei der teilweise unter dem Mikroskop gearbeitet werden muss, erklärt Pfützner. Dabei werden beispielsweise Lymphknoten oder Lymphgefäße der Patienten, die dünner sind als jedes Blutgefäß, mithilfe von Spezialgeräten transplantiert.

Eine immer größere Rolle spielt mittlerweile auch die Laserchirurgie. Sie hilft den Medizinern, dass sie zum Beispiel in der Venenchirurgie mit viel weniger und zudem kleineren Schnitten auskommen. Dort werden millimeterdünne Laser-Katheter in die Venen eingeführt., um diese in einem auch an der Marburger Uni-Hautklinim praktizierten Verfahren gewebschonend zu veröden.

Professorin Christiane Bayerl, Direktorin der Hautklinik der Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, referierte über „Kunstnägel und Tattoos - Pro und Contra“ widmen wird. So gibt es zunehmend eine Nachfrage nach geeigneten Methoden der Entfernung von Tätowierungen. „Immer mehr Menschen wollen heutzutage nach einigen Jahren ihre Tattoos wieder entfernen lassen“, erklärt Pfützner. Noch in den 80er und 90er Jahren wurden die Tattoos dabei von Hautmedizinern mit einer Fräse abgeschliffen. Heutzutage wird diese Methode durch Laser-Entfernung ersetzt. Dabei wird die Farbe in winzige Partikel zerschossen, die sich jedoch im umliegenden Gewebe anreichern, durch sogenannte Fresszellen aufgenommen und in die Lymphknoten transportiert werden. Wie sich das aus medizinischer Sicht auswirkt, könnte ein spannendes Thema für die Forschung werden.

Neben den Vorträgen nahmen auch die Praxis-Kurse einen entscheidenden Platz in der Tagung ein: Sie sollten Ärzten zur Vertiefung ihrer praktischen Kenntnisse dienen. Ein Präparationskurs Nagelchirurgie zählt ebenso wie ein Seminar in der Nagelchirurgie zum Programm. Im Kurs „Plastische Verschlusstechniken“ wurde das operative Schneiden und Vernähen an Schweineköpfen geübt, die aus dem Schlacht-Abfall stammen und wegen der Vergleichbarkeit der Schweinehaut mit der menschlichen Haut besonders geeignet sind. Aber auch am Computer wurde in einem Kurs das Setzen von richtigen Schnitten geübt: Das geschieht in einem so genannten „Mouse Pad“-Kurs. Zudem gab es einen Kurs für das OP-Pflegepersonal.

von Manfred Hitzeroth

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