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Von Spannung und Bügelwäsche

1000. Folge Tatort Von Spannung und Bügelwäsche

Axel Milberg alias Kommissar Borowski und seine Kollegin Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm werden am Sonntag um 20.15 Uhr in einem „Taxi nach Leipzig“ von Ermittlern zu Opfern. Es ist die 1 000. Folge des Tatortes.

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So sieht sie aus, die Tatortkolter, die die OP-Onlineredaktion unter allen Teilnehmern der Facebook-Umfrage verlost hat. Gewonnen hat die Decke von www.mykolter.de Hansheinrich Hamel aus Kirchhain.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es ist die langlebigste und erfolgreichste Krimireihe im deutschen Fernsehen: der „Tatort“ im Ersten. Rund zehn Millionen Zuschauer schalten nach Angaben der ARD regelmäßig sonntagabends ein – und natürlich wird auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf geschaut.

Hansheinrich Hamel aus Kirchhain ist so einer. „Tatort ist für mich Pflicht“, erklärt er in einer Online-Umfrage der OP: „Leider werde ich durch immer mehr Film-Experimente anstelle der klassischen Ermittlung enttäuscht. Und davon, dass man zu oft meint, die zeitkritischen Themen einarbeiten zu müssen.“ Sein Wunsch daher: Durch mehrere vom Autor gelegte Spuren die Spannung hochhalten, eine logische Lösung, flotte Sprüche statt tiefsinniger langer Dialoge und keine übertrieben langen Kameraeinstellungen, die nur Zeit füllen. Am liebsten sieht der pensionierte Lehrer den Tatort aus Münster, gefolgt von den Ermittlern aus Köln.

In der Jubiläumsfolge ermitteln gleich zwei beliebte Kommissare. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) aus Hannover und Klaus Borowski (Axel Milberg) aus Kiel werden von einem hochaggressiven Taxifahrer (Florian Bartholomäi) entführt. Allein 40 Minuten der Folge spielen im Taxi, teilten die Produzenten vorab mit. Der 1 000. Tatort ist damit eine Hommage an den ersten Krimi der Reihe, der den gleichen Titel hatte und ebenfalls vom NDR produziert wurde.

Ermittlerin Lindholm ist auch der Liebling von Susanne Fischer. „Ich bin totaler Tatortfan“, erklärt sie gegenüber der OP. Lindholm mag sie wegen ihrer Natürlichkeit. In der Rangliste Fischers folgen dann der Münsteraner Kommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne, „weil sie so unglaublich witzig sind“ und das Wiener Team Eisner und Fellner, die immer ihre eigenen Probleme haben, aber trotzdem herzlich sind. Auch die Ermittler Lürsen und Stedefreund aus Bremen mag Susanne Fischer. „Als der alte Partner von Lürsen starb, hab ich geweint“, berichtet sie. Damit sie keine Folge ihrer Lieblinge verpasst, hat die Rauschenbergerin sogar Erinnerungsmitteilungen auf dem Handy.

„Sonntag 20:15 Uhr, Tatort – unser Bett“, antwortet Angela Kindl auf die Frage, wo sie die beliebte Serie anschaut: „Mein Mann und ich schauen jeden Sonntag den Tatort im Bett.“ Am besten gefallen den beiden die Münchener Ermittler Franz Leitmayr und Ivo Batic. „Die sind direkt und irgendwie so einfach in ihrer Art. Der Umgang, den die beiden untereinander haben, macht den Tatort irgendwie attraktiver und auch so echt“, sagt Kindl. Die Serie begleitet die Marburgerin schon seit ihrer Kindheit. „Mein Vater konnte sich immer so gut über Dinge aufregen, die einfach typisch in der Verfolgungsjagd sind“, berichtet sie und erinnert sich: „Zum Beispiel wenn eine verfolgte Frau gestürzt ist – das war ihm alles schon vor dem Sturz klar, und er konnte es nicht lassen, tierisch darüber zu schimpfen!“

Auch für Kathrin Schick ist der Tatort am Sonntagabend nicht mehr wegzudenken. „Mein Mann und ich sehen jeden Sonntag gemeinsam Tatort. Das ist sozusagen ein Muss“, erläutert sie. Erst wenn der Mörder feststehe, fahre ihr Mann in die Reha-Klinik zurück.

Gemütliche, kuschelige Familienabende mit der Familie – das ist es auch, was Benedikt Kaloudis mit dem Tatort verbindet. „Jetzt, wo ich als Student nach Marburg gezogen bin, bedeutet der Tatort für mich und meine Freundin sonntags ein bisschen Abschalten vom Uni-Alltag und natürlich Spannung auf den Film.“ Das Lieblingsteam der beiden sind ganz klar die Münsteraner Thiel und Boerne wie auch die Münchener Leitmayr und Batic. Ein Marburger Ermittlerteam, das wäre etwas, was sich der Student super vorstellen könnte.

Bekennender Tatortfan ist auch der Pressesprecher des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, Frank Steibli. Und er hat ein wichtiges Ritual: „Während des Tatorts bügele ich immer. Je spannender der Fall ist, desto länger wird gebügelt – manchmal reicht die Wäsche dann bis ,Titel Thesen Temperamente‘“, sagt er lachend. Seine Lieblingsermittler sind Batic und Leitmayr aus München, „die finde ich einfach als Typen gut.“ Und da der Wahl-Mittelhesse gebürtig aus Baden-Württemberg stammt, „finde ich auch die Stuttgarter Tatorte gut, die befriedigen das Heimweh“. Vor allem Bienzle habe es ihm damals angetan, doch auch die Nachfolger Lannert und Bootz sieht er gerne. Und auch die Fälle von Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm gefallen dem 50-Jährigen, „denn sie kommt sehr authentisch rüber, zudem sind die Fälle einfach toll“. Die „klamaukigen“ Tatorte aus Münster und Thüringen schaut der Pressesprecher auch gerne, „aber mit einer ganz anderen Erwartung – nicht so sehr unter Krimi-Gesichtspunkten“, sagt er.

Zum Tatortfan ist Steibli mit der Geburt seines Sohnes vor 18 Jahren geworden. „Als junge Eltern reist man ja nicht mehr so in der Weltgeschichte herum, sondern ist sehr gebunden. Da fing es an, sonntagabends den Tatort zu schauen – als schönen Schlusspunkt zum Wochenende.“

Sogar die Wissenschaft hat die Kultserie mittlerweile als Forschungsthema entdeckt. Von Montag an beschäftigt sich die Frankfurter Bürger-Uni an vier Abenden mit der Tatortforschung. Dabei soll auch der Realitäts-Check mit echten Ermittlern nicht zu kurz kommen, versicherte Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Goethe-Universität. Partner der Veranstaltungsreihe ist nämlich auch das Wiesbadener Landeskriminalamt (LKA).

von Katharina Kaufmann-Hirsch und Andreas Schmidt

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