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Von Schlüsselwörtern zum Multi-Methoden-Ansatz

Forschung Marburg Von Schlüsselwörtern zum Multi-Methoden-Ansatz

Eine internationale Tagung zur automatisierten Handschriftenerkennung fand in dieser Woche im Staatsarchiv statt.

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So sehen die handgeschriebenen Informationen in einem Katasterband des Staatsarchivs aus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Von Dienstag bis Donnerstag lief die öffentliche Tagung der beiden Forschungsvorhaben „READ“ und „co:op“ im Staatsarchiv in Marburg. Erwartet wurden Teilnehmer aus mehr als 20 europäischen und außereuropäischen Ländern - von Finnland bis Serbien und von Ägypten bis zu den USA.

Auf diesem Screenshot sieht man oben einen handschriftlichen Originalrext und darunter die Übertragung in Druckschrift.

In dem Projekt „READ“ kooperieren vorwiegend Computerwissenschaftler. Diese haben kaum Expertise auf dem Feld der wertvollen Kulturschätze der Archive - im Gegensatz zu den im Gemeinschaftsprojekt „co:op“ zusammengeschlossenen Historikern und Archivaren. „Bei der Tagung führen wir die beiden Netzwerke zusammen“, erklärt Tagungs-Organisator Dr. Francesco Roberg. Am ersten Tag stand vor allem die Computertechnologie im Vordergrund, erläutert Roberg der OP.

So berichtete Frédétic Kaplan (Digital Humanities Laboratories, Lausanne) aus dem Projekt „Venice Time Machine“, das sich die Komplett-Digitalisierung der 80 Kilometer Archivfut von Venedig vorgenommen hat. Er zeigt, wie man mit den Daten von Personen, Orten und Sachen in Millionen von Archivalien umgehen könne.

Über Schlüsselkonzepte der „Handwritten Text Recognition“ (Erkennung von handgeschriebenen Texten) berichtete Roger Labahn (Universität Rostock).

Wie Schlüsselwörter bei der Suche in großen Sammlungen von digitalisierten Dokumenten eingesetzt werden können, das erklärte Enrique Vidal (Polytechnische Universität Valencia). Fallbeispiele bei der Umsetzung der modernsten digitalen Technologien in Archiven und Sammlungen stellten weitere Referenten vor.

Am zweiten Tag stand das Fachwissen der Archivare im Vordergrund. Unter dem Titel „Dokumenttypen - eine allgemeine Quellenkunde“ wurden die vielfältigen Arten von Schriftgut mit biographischen Daten vorgestellt. So berichtete Jan Ludwig vom Bundesarchiv in Koblenz über die Unterlagen aus der Zeit der NS-Gewaltherrschaft und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Karsten Jeditschka, Archivar beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdiesnstes der DDR erklärte die Relevanz der handschriftlichen Unterlagen der von seiner Behörde archivierten Dokumente. Aber auch zu den in Standesamts- und Kirchenregistern oder Katasterunterlagen gesammelten Daten rund um Personen gab es Vorträge.

Am dritten Tag ging es beispielsweise um die Anwendung von interaktiven Methoden in der Ahnenforschung und die Visualisierung der Migration von Vorfahren und Verwandten. Wie man biographische Daten in einem Multi-Methodenansatz erforschen kann, das erläuterte André Blessing von der Universität Stuttgart.

von Manfred Hitzeroth

  • Zur Person: Dr. Francesco Roberg (41) wurde in der italienischen Hauptstadt Rom geboren. Nach dem Abitur in Bonn studierte er von 1994 bis 2000 Geschichte, Diplomatik und Alte Sprachen in Bonn und Perugia (Italien). Von 2001 bis 2008 war Roberg Dozent am Fachbereich Geschichte der Universität Marburg. Seit 2010 im Hessischen Staatsarchiv in Marburg angestellt, Dort ist er Leiter der Urkunden-Abteilung und verantwortlich für die Drittmittel-Erschließung von Forschungsprojekten. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt das Thema „Urkundenfälschung im Mittelalter“.
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