Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Von Mini-Motoren und Cholera-Erregern

Förderbescheid: Übergabe Von Mini-Motoren und Cholera-Erregern

Das "Loewe"-Zentrum für "Synthetische Mikrobiologie" wird für weitere drei Jahre von der Landesregierung gefördert: Die Übergabe des Bescheids in Höhe von 21,3 Millionen Euro fand im Hörsaal des Chemikums statt.

Voriger Artikel
Breitband GmbH will den Ball abspielen
Nächster Artikel
Drei Runden als Affe im Beiwagen

Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (vordere Reihe Vierte von rechts) und Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause (links daneben) zeigten sich bei der Präsentation der Marburger „Loewe“-Forschungsprojekte begeistert. Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die Übergabe von Landesförderbescheiden wird an der Marburger Universität schon seit einiger Zeit nicht mehr nur mit ein paar schmucklosen Reden begangen. Stattdessen sind „Wissenschaftsshows“ in unterschiedlichem Gewand Trumpf. Und dementsprechend prangte auf der Einladung anlässlich des Besuchs von Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann zur Übergabe von 21,3 Millionen Euro aus dem „Loewe“-Programm auch der ganz in Blau eingefärbte Hessen-Löwe mit einem schmucken roten Doktorhut verziert. Dabei hat das „Loewe“-Programm eigentlich nichts mit Raubtieren zu tun, sondern ist einfach die Abkürzung für „Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“.

Doch zunächst einmal begann die Zeremonie zur Bescheid-Übergabe für das „Loewe“-Zentrum“ für Synthetische Mikrobiologie (siehe Hintergrund) wie eine Zirkus-Show: Als Moderatorin des Abends betrat Dr. Christine Tretow, stellvertretende Intendantin des Hessischen Landestheaters (Marburg) die „Manege“, den Hörsaal des Chemikums, in einem weißen Forscherkittel und mit Hornbrille kostümiert. Diese Wissenschaftler- „Verkleidung“ legte sie dann aber ab. Die folgenden Talkrunden waren betont launig.

Im „Vorprogramm“ stellten zwei gestandene Wissenschaftler ihre Arbeiten in zwei Loewe-Verbundprojekten vor, bei denen es um die Kooperation mit der Industrie geht. Der Immunologe verdeutlichte seine Entwicklung von DNA-basierten Hilfsstoffen, die zu erfolgreicherem Impfen führen sollen, mit bewegten bunten Grafiken. Professor Jörg Sundermeyer (Chemie) sein Projekt, bei dem mithilfe der Chemikalien Gallium und Indium neuartige Leuchtdioden und wirkungsvolle Solarzellen entwickelt werden.

Danach musste der Nachwuchs ran: Vier junge Forscher, aus der Synthetischen Mikrobiologie erläuterten anschaulich, woran sie gerade arbeiten.

n Dr. Sonja Verena Albers ist Mikrobiologin und erforscht eine spezielle Art von Mikroorganismen, die vornehmlich in heißen Quellen wie beispielsweise im „Yellowstone Park“ in den USA vorkommt. Diese fühlen sich in 80 Grad heißer konzentrierter Schwefelsäure am wohlsten. Die von Albers geleitete Arbeitsgruppe will die Mikroorganismen dafür einsetzen, dass sie Pflanzen-Abfälle der Industrie in Energie umwandeln. Ob das funktioniert, dass muss sich im Laufe der kommenden Jahre erweisen.

n Der Chemiker Dr. Gert Bange hat als Kind begeistert mit Lego-Bausteinen gespielt. Diese Faszination überträgt er nun auf seine Erforschung der Frage, wie sich Mikro-Organismen fortbewegen. Im Fokus seiner Forschung stehen die sogenannten Flagellen oder Geißeln, die wie ein starker Motor Bakterien antreiben - vergleichsweise so stark wie ein Jumbo-Flugzeugtriebwerk. Mithilfe der Röntgen-Kristallographie versucht er, die Struktur der Organellen zu durchleuchten und eventuell in der Zukunft wie bei einem 3-D-Puzzle nachzubauen.

n Dr. Peter Kolb versucht, unter den Mikroorganismen „den Gabelschlüssel zu finden, den man in den Motor werfen könnte, der Bakterien antreibt“: So beschrieb seine Forschungsarbeiten, die sich vor allem gegen krankheitserregende Bakterien richtet. „Wir wollen Enzyme verändern, um Wirkstoff-Moleküle zu verbessern“, erläuterte der Pharmazeut die Anstrengungen seiner Arbeitsgruppe.

n An Cholera-Erregern forscht der Biologe Professor Torsten Waldminghaus. Dabei zielt er darauf ab, die Funktionsweise der Bakterien besser zu verstehen und wennmöglich im Labor nachzubauen.

Marburgs Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause hofft, dass die jetzt anlaufende „aktive Phase“ des Zentrums für Synthetische Mikrobiologie noch sehr lange dauert. Schließlich gehe es dabei um nichts weniger als die Frage „Wie funktioniert Leben auf mannigfaltigen Ebenen?“ Professor Herbert Jäckle, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, hofft sogar, dass das Kooperationsprojekt zwischen seiner Organisation und der Philipps-Universität einmal Weltgeltung auf dem Fachgebiet der Synthetischen Mikrobiologie erlangen könne.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr