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Vom Weltkrieg bis zum Disco-Bus

Schaltjahr Vom Weltkrieg bis zum Disco-Bus

Heute ist der 29. Februar. Dieses Datum ist deshalb ein besonderes, weil es nur alle vier Jahre im Kalender steht. Was beschäftigte die Menschen an diesem Datum in der Vergangenheit? Die OP hat mal ins Archiv geschaut.

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So sahen die Titelseiten der OP in den Jahren 1996 (von oben), 1956 und 1916 aus.

Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch

Marburg. 1916

Der Erste Weltkrieg ist in vollem Gange. Tausende deutsche Solda­ten kämpfen an der Front in Verdun. Die OP, die damals noch Oberhessische Zeitung hieß, meldet am 29. Februar 1916 auf der Titelseite: „Der Einbruch in die äußeren Befestigungsanlagen der Festung Verdun, und zwar an der am stärksten befestigten Stelle, und die Erzielung eines so großen Erfolges in so kurzer Zeit stellt eine der glänzenden Taten dieses Krieges dar.“ Die Verdunberichterstattung endet mit einem Gedenken an diejenigen, „die sich mit ihrem Blut einsetzen für Deutschlands Sicherheit und Ehre und im Begriff sind, den Glanztaten des deutschen Heeres eine neue von strahlender Helle hinzuzuführen.“

Auch wenn die vierseitige Ausgabe der Zeitung aus dem Jahr 1916 zum größten Teil mit Kriegsgeschichten und Propa­ganda gefüllt ist, gibt es dennoch auch einige lokale Mitteilungen und Berichte. Unter der Überschrift „Eine seltene Geburtstagsfeier“ ist an diesem Schalttag zu lesen, dass „eine alte Marburgerin, Frl. Florentine Kolbe“ an diesem Tage ihren Geburtstag begehe (Foto). Die Meldung endet mit den Worten „Wieviel mal die Dame trotz ihres hohen Alters bis jetzt in der Lage war, ihren Geburtstag feiern zu können, können sich unsere Leser leicht ausrechnen.“

In Schwabendorf veranstaltete der Zweigverein des Evangelischen Bundes einer anderen Meldung zufolge tags zuvor einen „vaterländischen Volksabend, der von über 200 Personen besucht war“ und unter dem Titel „Unser Hindenburg“ stand.

In Gießen wird zudem laut Bekanntmachung des Oberbürgermeisters „die Abhaltung von Viehmärkten bis auf Weiteres verboten“.

Bilder sind vor 100 Jahren in der Zeitung nicht zu finden, Kleinanzeigen dafür schon. Gesucht werden dort unter anderem eine „Köchin, die die gute bürgerliche Küche selbständig versteht und ein tüchtiges, in allen Hausarbeiten erfahrenes Zweitmädchen, das auch Gartenarbeit übernimmt“.

1956

40 Jahre später, am 29. Februar 1956, umfasst die Zeitung - mittlerweile heißt sie Oberhessische Presse - acht Seiten. Es gibt, wenn auch nicht viele, Bilder und Nachrichten aus aller Welt. Den Landkreis beschäftigt zu dieser Zeit vor allem der kalte Winter, der damals unter anderem den Wasserleitungsbau in Goßfelden lahmlegte. „Durch die meisten Straßen und Gassen, ziehen sich tiefe Gräben mit mächtigen Erdhaufen, die sich daneben auftürmen und oft nur einen hindernisreichen Fußgängerverkehr zulassen“, heißt es in der Rubrik „Blick ins Land“.

Auch aus dem Gerichtssaal wird 1956 schon berichtet: Wegen Beleidigung und tätlichen Angriffs auf eine aus drei Soldaten bestehende französische Militärstreife wurde ein junger Mann aus Marburg vom Schöffengericht zu drei Wochen Gefängnis und 180 DM Buß-Zahlung an den Gefangenen­fürsorgeverein verurteilt.

In den Marburger Kinos läuft am 29. Februar 1956 gleich siebenmal der Film „Charlys Tante“ mit Heinz Rühmann und in den Kleinanzeigen suchen „zwei ruhige Studenten zum 1. April oder 1. Mai ein gemeinsames gut möbliertes Zimmer möglichst mit fließend Wasser“  (Foto).

1996

Wiederum 40 Jahren später, am 29. Februar 1996, hat die OP ganze 44 Seiten. Es gibt bereits ein wenig Farbe - blau und pink - und die Aufteilung der Ressorts ähnelt den heutigen. Der Karlsruher SC spielt sich damals mit einem 2:0 gegen Fortuna Düsseldorf in das Pokalfinale, Prinzessin Diana willigt in die Scheidung von Prinz Charles ein und die heimischen Wanderwege sind für den Saisonstart gerüstet. In den Kinos läuft die Komödie „Schnappt Shorty“ mit John Travolta an und am Neustädter Rathaus tauchen Mängel auf. Bei einem Verkehrsunfall zwischen Niederweimar und Gisselberg stirbt eine 81-jährige Frau und der Marburger Stadtverwaltung missfällt die steigende Zahl der Nebenwohnsitze, die sich innerhalb von nicht ganz zehn Jahren fast verdoppelt hat.

Mit dem Titel „Es ist einfach lustiger, als vom Vater gefahren zu werden“ erscheint am 29. Februar 1996 der 13. Teil des OP-Disco-Reports, der sich auf einer halben Seite dem seit 1989 durch den Landkreis rollenden Disco-Bus widmet.

Und heute? Was bewegt die Menschen im Jahr 2016? Lesen Sie’s hier doch selbst …

Das Schaltjahr: Was, wann und wieso eigentlich?

Was ist ein Schaltjahr?  Ein Schaltjahr ist ein Jahr, das nicht 365 Tage, sondern 366 Tage hat. Ein Schalttag wird alle vier Jahre in den Kalender eingefügt. Der zusätzliche Tag ist der 29. Februar.

Warum gibt es Schaltjahre?  Ein astronomisches Jahr ist der Zeitraum, den die Erde braucht, um sich genau einmal um die Sonne zu drehen. Dafür braucht der Planet allerdings nicht genau 365 Tage, sondern etwa 365,2422 Tage – also 365 Tage und etwas weniger als 6 Stunden –; die exakte Dauer ändert sich jedes Jahr um einige Sekunden. Durch die Einführung der Schaltjahre wird das Kalenderjahr alle vier Jahre verlängert und auf diese Weise mit dem astronomischen Jahr synchronisiert. Denn ohne die Schaltjahre würden das Kalenderjahr und die Jahreszeiten langsam aber sicher auseinanderdriften.

Seit wann gibt es Schaltjahre?  Eingeführt wurden Schaltjahre mit der Bulle vom 24. Februar 1582 von Papst Gregor XIII. Damals stellte man fest, dass das astronomische Frühjahrsäquinoktium – also die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling – durch die Ungenauigkeit des Julianischen Kalenders zehn Tage früher stattfand als im Kalender angegeben. Auf Anweisung von Papst Gregor XIII. wurden daraufhin im Jahr 1582 der 5. bis 14. Oktober nicht gezählt. Der Tag, der auf den 4. Oktober folgte, war dann der 15. Oktober.

von Katharina Kaufmann-Hirsch

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