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Vom Ursprung des Lebens

Studium generale Vom Ursprung des Lebens

Das Studium generale im Sommersemester beschäftigt sich mit dem Thema Evolution.

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Biologie-Professor Stefan Rensing präsentiert das Plakat für das von ihm organisierte Studium generale zum Thema Evolution in einem der Gewächshäuser seiner Arbeitsgruppe.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Was ist der Ursprung des Lebens? Wie haben sich Pflanzen, Tiere und der Mensch von einfachsten Ursprüngen über Millionen von Jahren weiterentwickelt? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Interesses der Evolutionsbiologen, die aufbauend auf den Erkenntnissen von Charles Darwin (1809 bis 1882) zur Entstehung der Arten auch in den zurückliegenden Jahren neue Erkenntnisse gesammelt haben.

Die Evolu­tionstheorie beschreibt die Entwicklung und Entstehung der Lebewesen auf der Erde und ein Prinzip, nach dem sich das Leben entwickelt hat. In seinem Hauptwerk „Über die Entstehung der Arten“ (1859) legte Darwin zahlreiche Belege für seine Theorie vor, dass sich Tier- und Pflanzenarten durch natürliche Selektion im Laufe langer Zeiträume verändern und dass alle heute existierenden Lebewesen von gemeinsamen Vorfahren abstammen.

Mechanismen der Evolution stehen im Mittelpunkt

In der aktuellen Forschung gibt es auch immer genauere Theorien darüber, wie sich vor mehr als vier Milliarden Jahren aus einfachsten chemischen Bausteinen die ersten Zellen gebildet haben. „Aber auch wenn wir diese Mechanismen heutzutage teilweise im Reagenzglas nachvollziehen können, wissen wir immer noch nicht genau, wie die erste Zelle wirklich aussah“, schränkt der Marburger Biologie-Professor Stefan Rensing ein, der das Studium generale in diesem Sommersemester organisiert hat. Doch die Fortschritte der Forscher in Sachen Evolution seien immens. „Man beginnt zu verstehen, wie die evolutionären Mechanismen funktionieren“, erklärt Rensing.

„Evolution“ heißt auch die Überschrift für die Vortragsreihe, die von Rensing organisiert wurde. Renommierte Wissenschaftler sollen den aktuellen Forschungsstand in der öffentlichen Vortragsreihe der Marburger Universität allgemeinverständlich darstellen. Schon das farbenprächtig gestaltete Plakat für das „Studium generale“ weist auf spielerische Art auf das Thema hin. Jeder der einzelnen Buchstaben des Generalthemas „Evolution“ ist von der Grafikerin Debbie Maizels individuell gestaltet und hat eine Verbindung mit den Vortragsthemen.

So zeigt das „E“ am Anfang das Bakterium „Desulfovibrio vulgaris“ – ein ursprüngliches Bakterium, das am Eingang von heißen Quellen i gefunden wurde. „V“-Form“ hat das der Gattung der Cyanobakterien zugehörige Bakterium „Anabaena“, das als Repräsentant aufgenommener Partner Algen und Pflanzen die Photosynthese ermöglicht hat. Das erste „O“ ist die Abbildung einer einzelligen Alge (eine Diatomee).

Kritische Betrachtung des Kreationismus

Eine sehr ursprüngliche Wassertiergattung namens „Karmia“ nimmt die Form eines „L“ ein. Für das „U“ steht ein Trilobit aus dem Erdzeitalter „Devon“. Das „T“ ist die urzeitliche Pflanze Rhynia, die in einer Fossilien-Lagerstätte in Schottland gefunden wurde. Das „I“ ist das Moos „Polytrichum“. Das zweite „O“ zeigt eine Chrysantheme, die Vertreterin der modernen Blütenpflanzen. Und als stilisierten Buchstaben „N“ sieht man einen sich nach vorne beugenden Neandertaler.

Den Auftakt macht Professor Ulrich Kutschera aus Kassel. Er spricht über Evolutionstheorien unter Berücksichtigung des Kreationismus – des Glaubens, wonach das Universum, das Leben und der Mensch durch den unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes in die natürlichen Vorgänge entstanden sind. Die Kreationisten, überwiegend dem christlich-fundamentalistischen Spektrum angehörig, berufen sich bei ihrer Erklärung der Schöpfungsgeschichte auf die wortgetreue Bibelauslegung.

Kutschera bezieht in seinen Vorträgen klar Stellung gegen die Thesen der Kreationisten. „Die Evolutionstheorie beruht auf gesicherten Fakten und ist nicht in Frage zu stellen“, meint Professor Rensing, der an der Uni Marburg Evolutionsbiologie lehrt und sich in dieser Frage mit den Fachkollegen einig sieht.

Folgende Fragen sind im Mittelpunkt der weiteren Vorträge:

Welche Erkenntnisse über die genetische Entwicklung des Menschen in Europa liefern Fossilfunde? Wie reagiert die Pflanzenwelt genetisch auf die Folgen des globalen Klimawandels? Was bedeutet die mehrfache Vervielfältigung des Erbguts durch die Vorläufer der heutigen Blütenpflanzen und die meisten aktuellen Kulturpflanzen für die Pflanzenzüchtung? Welche Mechanismen haben dazu geführt, dass sich Evolution nicht nur in einem über Jahrmillionen andauernden allmählichen Prozess, sondern auch in sehr schnellen, springenden Schritten abgespielt hat?

Welche komplexen Strukturen finden sich in den Zellen von Algen, und wie sind die Mechanismen ihrer Evolution? Wie kam es zum „Landgang“ der Pflanzen aus dem Wasser – also zu einem Prozess, in dem der Lebensraum für Tiere und Menschen vorbereitet wurde? Wie hat sich pflanzliches Leben an Land entwickelt und welche Anpassungen waren dazu im Verlauf der Evolution notwendig ?

Vorlesungen immer mittwochs

Die Vorlesungen finden jeweils mittwochs ab 20.15 Uhr im Audimax im Uni-Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, statt. Und dies sind die Termine und Titel:

- 13. April : Evolutionstheorien 2016 und der kreationistische Grundtypen-Glaube (Ulrich Kutschera, Universität Kassel)

- 20. April : Am Anfang war es dunkel – Hydrothermalquellen und der Ursprung des Lebens (William Martin, Uni Düsseldorf)

- 27. April : Gene aus dem Nichts – wie in Zufallssequenzen genetische Informationen entstehen (Diethard Tautz, Max-Planck-Institut Plön)

- 11. Mai : Archäogenetik: Rekonstruktion von 40.000 Jahren Eurasischer Geschichte mittels antiker DNA (Martin Sikora, Uni Kopenhagen)

- 1. Juni : Funktion und Evolution der C4-Photosynthese (Andreas Weber, Uni Düsseldorf)

- 8. Juni : Evolution und globaler Wandel (Oliver Bossdorf, Uni Tübingen)

- 15. Juni : Die Bedeutung der Gene und der Genomduplikation für die Pflanzen-Evolution (Yves Van de Peer, Uni Gent:
Vortrag auf Englisch)

- 29. Juni : Saltatorische Evolution – wovon Darwin noch nichts wissen wollte (Günter Theißen, Uni Jena)

- 6. Juli : Zellen in Zellen: Zur Evolution komplexer Organismen (Uwe Maier, Uni Marburg)

- 13. Juli : Ein großer Schritt für Alles: Der Landgang der Pflanzen (Stefan Rensing, Uni Marburg)

von Manfred Hitzeroth

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