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Vom Tunnel bis zur Umweltzone

Kampf gegen Lärm und Smog Vom Tunnel bis zur Umweltzone

Der Magistrat will Verhandlungen mit dem Bund aufnehmen, um ­eine Machbarkeitsstudie für die Eintunnelung der „Stadtautobahn“ zu ­erstellen.

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Sollte Marburgs Innenstadt Umweltzone werden, dürfen nur noch schadstoffarme Autos mit Umweltplakette hinein. 

Quelle: Björn Wisker

Marbrug. Der Magistrat hält die Eintunnelung der Stadtautobahn für die mit Abstand wirksamste Maßnahme, um die Lärmbelastung in der Innenstadt zu reduzieren. Die Stadtregierung geht jetzt davon aus, dass die am ehesten realisierbare Variante von dem am Schülerpark gelegenen Stroinsky-Steg bis zum Campingplatz nahe des Aquamar reicht.

Diese Trasse spielt auch bei den Überlegungen für die Bundesgartenschau 2029 eine wichtige Rolle. Die Ideenskizze sieht in ihr eine Möglichkeit, eine zentrumsnahe Fläche für Naherholung und Freizeit zu gewinnen. Motto: Oben Grünraum, unten Autos.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) plädieren für eine gemeinsame Machbarkeitsstudie mit dem Bund, die klären soll, welche Probleme bei einer Eintunnelung zu lösen wären und welche Kosten entstehen.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Sören Bartol spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Bartol ist stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundes. Gegenüber der OP signalisierte er Unterstützung für die Idee einer gemeinsam finanzierten Machbarkeitsstudie. Er warnte aber vor zu hohen Erwartungen an eine schnelle Umsetzbarkeit: „Da sind noch verdammt dicke Bretter zu bohren!“, sagte Bartol der OP.

Immerhin sei aber eine gute Machbarkeitsstudie mit klaren Fragestellungen und Überlegungen zur Kostendeckung „das A und O, um über weitere Schritte nachzudenken.“

Im Umweltausschuss soll in der kommenden Woche erstmals über diesen Vorschlag diskutiert werden.

Er steht auch im Zusammenhang mit zwei zentralen Problemen in der Stadt, die nun im Parlament und zuvor in den Ausschüssen thematisiert werden: Lärm und Smog.

13000 Fahrzeuge und mehr in der Innenstadt

Im Rahmen des „Lärmaktionsplanes“ wird sich Marburg im wesentlichen mit dem Verkehrslärm durch Straße und Schiene zu beschäftigen haben. Entlang der Hauptverkehrswege von Nord nach Süd, aber auch in den stark befahrenen Straßen der Marburger Innenstadt - Spitzenreiter laut Verkehrszählung vom Oktober 2013: Schwanallee mit 13300 Fahrzeugen am Tag und Ketzerbach, 13200 Fahrzeuge - geht die Stadt von erhöhten Lärmwerten aus. Im Rahmen der Lärmaktionsplanung für den Straßenverkehr, für die das Regierungspräsidium Gießen zuständig ist, sollen nun Schritte entwickelt werden, die die Stadt in eigener Zuständigkeit oder mit Hilfe des Landes und des Bundes umsetzen kann.

Im Grundsatz ist damit die gesamte Verkehrspolitik in Marburg angesprochen: vom Tempolimit 80 Stundenkilometer auf der Stadtautobahn - einer Uralt-Forderung von Rot-Grün, die bisher immer am Regierungspräsidenten oder dem Land gescheitert ist - über die Verlängerung von Lärmschutzwänden entlang der B3 und die Einrichtung weiterer Tempo-30-Zonen bis hin zum Dauerbrenner Parkplätze rund um die Innenstadt.

Und noch mehr: Die Entwicklung des stadteigenen Fuhrparks weg von fossilen Brennstoffen hin zu Elektroantrieben oder die Förderung von Car-Sharing sind ebenso Möglichkeiten, die die Stadt umsetzen könnte wie Zuschüsse beim Kauf von Elektroautos.

Schließlich sind da noch intelligente Anreizsysteme, bei denen der Fantasie nur wenig Grenzen gesetzt sind: Warum soll nicht der, der ein Elektroauto anschafft, damit in der Innenstadt überall parken dürfen - anders als die Autos mit Verbrennungsmotor, die nach den Vorstellungen der rot-grünen Koalition möglichst außerhalb der Innenstadt abgestellt werden sollen. Auf eine deutliche Reduzierung des Lärms, der von der Schiene ausgeht, kann man derzeit kaum hoffen.

Umweltzone Innenstadtals politisches Ziel

Viele der Maßnahmen, mit denen die Stadt Marburg sich etwas Erleichterung beim Thema Lärm verschaffen würde, würden unmittelbar auch zu einem geringeren Ausstoß von Luftschadstoffen wie Stickstoffoxid oder Feinstaub führen.

Darüber hinaus schlägt der Magistrat vor, dass die Stadt beim Land Hessen die Einrichtung einer Umweltzone beantragt. Anders formuliert: Die Innenstadt dürfte nur noch mit grüner Umweltplakette befahren werden, so wie dies in Großstädten wie Frankfurt schon der Fall ist.

Die Beschlussvorlage für das Stadtparlament sieht ein- oder mehrtägige Verkehrsversuche vor, um die Effizienz einer Umweltzone zu erproben. Anschließend solle das Land eine „geeignete“ Umweltzone ausweisen. Zudem müsse über weitere verkehrsbeschränkende Maßnahmen wie ein Durchfahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen bei einer hohen Schadstoffbelastung nachgedacht werden. Laut vorläufigen Zahlen für 2013 lag der Jahresmittelwert für Stickstoffoxid an der Messstelle Universitätsstraße an 45 Tagen über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

von Till Conrad

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