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Vom Suchen und Finden einer Stelle

Alleinerziehende & Beruf Vom Suchen und Finden einer Stelle

107000 Familien mit nur einem Elternteil und Kindern unter 18 Jahren gibt es aktuell in Hessen. Fast 90 Prozent der alleinerziehenden Eltern sind Frauen. Viele von ihnen haben Probleme auf dem Arbeitsmarkt.

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Kinder und Beruf miteinander zu vereinbaren ist nicht immer leicht. Vor allem Alleinerziehende haben es damit schwer, wenn Arbeitszeit und Betreuungszeit nicht zusammenpassen.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Monika Bozena Hitschmann arbeitet gerne in ihrem Beruf. Die gelernte Hotelfachfrau mag den Kontakt mit den Kunden im Restaurantbetrieb. Monika Bozena Hitschmann liebt aber auch ihre beiden Kinder. Und zwar über alles. Deshalb sucht die 33-Jährige aus Fronhausen seit Anfang des Jahres eine neue Stelle. Denn Arbeitszeit und Betreuungszeit sind für die alleinerziehende Mutter nicht mehr zu vereinbaren.

Damit steht die Fronhäuserin nicht alleine da: Allein in Hessen gibt es 107000 Familien mit nur einem Elternteil. Das ist fast jede fünfte Familie. Im Vergleich zu anderen Familienformen weisen besonders Alleinerziehende eine höhere Armutsgefährdung und Hilfebedürftigkeit auf. Das hat eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben. Demnach gilt: Je höher die Anzahl der Kinder ist und je niedriger das Kindesalter, desto höher ist auch das Bedürftigkeitsrisiko in Ein-Eltern-Familien.

Zudem sind Alleinerziehende der Studie zufolge überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Zwar ist die Zahl der erwerbslosen alleinerziehenden Frauen in Hessen in den vergangenen Jahren um 18 Prozent zurückgegangen. Es zeigt sich in der Statistik aber auch, dass alleinerziehende Frauen von den positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt – also der sinkenden Arbeitslosigkeit und den gestiegenen Stellenangeboten – wenig profitieren.

Das merkt auch Monika Bozena Hitschmann: Gerne würde die 33-Jährige in einen Büro-Job wechseln – in welchen Bereich ist ihr egal, Hauptsache die Arbeitszeit liegt nicht mehr am Abend und Wochenende und das Gehalt reicht aus, um die monatlichen Fixkosten abzudecken. „Verkaufen macht mir sehr viel Spaß. Das mache ich in der Gastronomie ja täglich“, betont die zweifach Mutter.

Von den Alleinerziehenden arbeiten 45 Prozent Vollzeit

Der Anteil der erwerbstätigen Alleinerziehenden an allen Alleinerziehenden betrug im vergangenen Jahr hessenweit rund 73 Prozent. Rund 45 Prozent der alleinerziehenden Mütter haben eine Vollzeitstelle, 54 Prozent arbeiten in Teilzeit. Im Vergleich dazu gingen Mütter in Ehen zu etwa 76 Prozent einer Teilzeittätigkeit nach.

Qualifikationsdefizite abbauen und das Betreuungsangebot für Kinder ausbauen, sind zwei Möglichkeiten, um die Situation von Alleinerziehenden zu verbessern, sagt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit: „Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung und das nicht nur für unter Dreijährige, sondern zum Beispiel auch während der gesamten Grundschulzeit, könnte eine Verbesserung der Beschäftigungs- und Einkommenssituation für diese Personengruppe bedeuten“, betont Martin. Dazu gehörten auch flexible Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen, die sich nach den Arbeitszeiten der erwerbstätigen Mütter richteten und so eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichten.

Das würde auch Monika Bozena Hitschmann entgegenkommen: „Momentan muss ich immer jemanden aus meinem Umfeld finden, der die Kinder nach der Schule betreut, wenn ich arbeiten muss“, erläutert die Fronhäuserin, die aktuell Vollzeit in Wechselschicht arbeitet. Um das zu ändern, sucht sie eine Stelle, in der sie am späten Nachmittag Feierabend machen kann. „Es ist überhaupt kein Problem für mich morgens um 6 Uhr zu beginnen“, betont sie. Geregelte Arbeitszeiten seien ihr das Wichtigste: „Ich habe wenig Zeit für meine Kinder – das möchte ich ändern.“

Beruf und Familie zu vereinbaren sind laut der neuen IAB-Studie die besondere Herausforderung für Alleinerziehende. Die ungünstigere sozioökonomische Situation wird demnach durch die alleinige Verantwortung, ein ausreichendes Haushaltseinkommen ohne Unterstützung eines Partners zu sichern und gleichzeitig eine entsprechende Betreuung für die Kinder zu finden, bestimmt.

Umschulung ist nur für Arbeitslose möglich

„Alleinerziehende haben es häufig schwer am Arbeitsmarkt“, sagt Arbeitsvermittlerin Jeanette Biba. Sie betreut den Fall Hitschmann bei der Marburger Agentur für Arbeit. Gerade für Frauen wie Monika Bozena Hitschmann gestalte sich die Lage schwierig, wenn sie eine neue Arbeit suchen, weil sich ihre Arbeitszeiten nicht mehr mit bezahlbarer Fremdbetreuung vereinbaren lassen. „Wir können sie beispielsweise nicht durch Arbeitslosengeld bei Weiterbildung fördern, solange sie eine Stelle haben und demnach nicht arbeitslos sind. Und zur Kündigung raten kann ich auch nicht. Denn die Auflösung des Arbeitsverhältnisses könnte eine dreimonatige Sperre des Arbeitslosengeldes nach sich ziehen, was gerade für Alleinerziehende in der Regel nicht zu stemmen ist“, erläutert Biba die Probleme. Um eine drohende Arbeitslosigkeit zu vermeiden, gebe es aber individuell zu prüfende Lösungen, die auch während einer Beschäftigung greifen können. Im Fall Hitschmann will die Arbeitsagentur die Förderung einer Weiterbildung prüfen, die ihr im Rahmen ihrer Beschäftigung zu einem neuen Stellenprofil mit besseren Arbeitszeiten verhelfen könnte.

Für Alleinerziehende, die bereits arbeitslos geworden sind, wäre neben der Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes bei einer Weiterbildung der „Eingliederungszuschuss“ ein weiterer Lösungsansatz, so die Arbeitsagentur.

von Katharina Kaufmann

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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