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Religionswissenschaftliche Tagung Vom Rosenkranz bis zur Handy-App

"Religionen: Medien, Materialität, Methoden": So lautet das Thema einer bundesweiten Tagung von Religionswissenschaftlern in Marburg.

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Ein altägyptischer Mumiensarg ist ein Ausstellungstück aus der Religionskundlichen Sammlung. Foto: Katharina Kaufmann-Hirsch

Marburg. „Gegenstände erzählen viel über Religionen“: Das sagt die Marburger Religionswissenschaftlerin Professorin Edith Franke, eine der beiden Organisatorinnen der Marburger Tagung. So geraten heutzutage neben den schriftlichen Quellen über Religion vermehrt auch Hilfsmittel des Glaubens wie Rosenkränze bei den Katholiken und „Perlen des Glaubens“ bei den evangelischen Christen oder Gebetsketten in anderen Religionen in den Fokus der Forscher.

Das Generalthema Materialität ist eines der drei Schwerpunktthemen bei der Jahrestagung der Vereinigung für ­Religionswissenschaft, die zum zweiten Mal nach 1986 in Marburg stattfindet. Dabei geht es um die Erforschung aller Varianten körperlich-sinnlicher Wahrnehmung: Vom Sehen über Hören, Riechen und Schmecken bis zum Erleben. Die Rolle des Klangs in Ritualen buddhistischer Mönche kann dabei genauso interessant werden wie der Einsatz von Riech-Essenzen oder Räucherstäbchen zur Vermittlung von Transzendenz.

So wird in diesem Konzept der Materialität das Augenmerk auf die in den Religionen kultivierten Repräsentationsformen sowie deren Aushandlungsprozesse gerichtet. Die Wissenschaftler fragen unter anderem: Welche Akteure in welchen Konstellationen entscheiden darüber, in welchen materiellen Formen oder Rituale religiös codiert und choreographiert werden?

Ein zweites großes Thema betrifft die Darstellung der Religionen in den Medien. „Religiöse Akteure eignen sich zur Darstellung und Vermittlung ihrer Inhalte neue Formate und Medien an, und religiöse Motive werden in Medien des nicht-religiösen Felds überführt“, erläutert die Marburger Professorin Bärbel Beinhauer-Köhler vom Fachgebiet Kirchengeschichte­ des Fachbereichs Evangelische Theologie. Sie ist die zweite ­Organisatorin der Marburger­ ­Tagung. Aber verändern der Wechsel von Medien und ­ihre Neuentwicklung die Aussagen von Religionen oder deren Wahrnehmung?

Von repräsentativen Handschriften bis hin zu Handy-Apps oder interaktiven Online-Gedenkstätten gibt es mittlerweile­ ein breites Spektrum von religiösen Medien, die unterschiedliche Rollen in den einzelnen Religionen spielen. Diese können auch für unterschiedliche Milieus ihrer bevorzugten Rezeption stehen - vom männlich ­dominierten islamischen Freitagsgottesdienst bis zum Blog junger Musliminnen im Internet. Als dritter Schwerpunkt der Tagung steht das Thema Methodik auf dem Plan. Dabei geht es um die Darstellungsweise von Ergebnissen aus der Forschung neben der klassischen Form des Textes. Hinzu kommen ­unter anderem Tondokumente, Bilder, Dokumentarfilme und ­museale Exponate.

nHeute ab 18 Uhr findet im Rahmen der Tagung ein öffentlicher Festakt in der Alten Aula­ der Universität statt. Neben der Verleihung eines Dissertationspreises und der Feier des 25-jährigen Bestehens der Zeitschrift für Religionswissenschaft soll das 90-jährige Bestehen der Religionskundlichen Sammlung im Mittelpunkt stehen. Die Festansprache hält Professorin Edith Franke, die aktuelle Leiterin der Religionskundlichen Sammlung. Das Besondere an dem europaweit einzigartigen Museum in der ehemaligen landgräflichen Kanzlei ­unterhalb des Schlosses sei, dass dort konfessionsunabhängig schöne und wertvolle Gegenstände aus allen Weltreligionen gezeigt würden, erklärt Edith Franke. Aus Anlass von „90 Jahre Religionskundliche Sammlung“ ist ein Buch unter dem Motto „Objekte erzählen Religionsgeschichte“ erschienen.

von Manfred Hitzeroth

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