Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Vom Mut, sich abseilen zu lassen

Aktionstag gegen Sucht und Gewalt Vom Mut, sich abseilen zu lassen

Was ist Sucht? Wie entsteht Gewalt? Wie kann man mit Sucht und Gewalt umgehen? Lösungsvorschläge waren ein Teil des Programms beim Aktionstag des Kreispräventionsrates in der Marburger Innenstadt.

Voriger Artikel
Bürokratie verhindert Therapie
Nächster Artikel
"Sachwalter der Uni-Medizin" geht von Bord

Mit aufgesetzter Rauschbrille, die das Sehvermögen bei einem Blutalkoholgehalt von 1,3 Promille simulierte, flog das Säckchen meist weit an den Dosen vorbei.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Ein älterer Mann mit Hut und Stock, offenbar angetrunken, stößt mit einem jüngeren zusammen. Obwohl dieser ihn um Haupteslänge überragt, fängt der Ältere an, mit dem Stock zu fuchteln, ist offensichtlich auf Streit aus. Was wird nun passieren?

Erst einmal nichts zwischen den beiden. Denn nun sind die Zuschauer gefragt. Wie würden sie mit der Situation umgehen, um sie zu entschärfen? Sabine Schlegel von der Jugendkonflikthilfe Marburg fragt sie, einige spielen mit.

Fortsetzung der Szene: Der Polizeibeamte Martin Schneider mimt wieder den aggressiven Mann und der Zuschauer übernahm die Rolle des Angegriffenen, die zuvor Olaf Hänsel, Sportler des Jahres 2011 im Landkreis, gespielt hatte. Versuchen zu diskutieren? Bringt nichts, der Alte ist auf Streit aus. Stehen bleiben und sich entschuldigen oder gar nichts tun? Dann kann der Aggressor erst so richtig loslegen.

Eine ältere Frau reagiert gar nicht, sondern geht trotz des Remplers unbeirrt ihres Weges. Und der Streitsuchende steht da und blickt seinem „Opfer“ frustriert hinterher. „Es braucht Mut, einfach weiterzugehen“, sagt Sabine Schlegel.

Um Mut ging es an diesem Aktionstag, den der gemeinsame Präventionsrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg unter dem Titel „ZAP - Zusammen - Aktiv - Präventiv gegen Sucht und Gewalt“ veranstaltete, auch an anderen Stellen rund um den Elisabeth-Blochmann-Platz. Beispielsweise an der aufblasbaren Kletterwand des Deutschen Alpenvereins Wetzlar, die der Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) Marburg aufgestellt hatte und betreute.

Oder in noch größerem Maße beim Abseilen von der Hängebrücke hinunter zur Lahn, wo ein Boot der DLRG wartete. „Man braucht Mut, um stark gegen Sucht zu werden.

Und Mut, um sich abseilen zu lassen. Sich solchen Situationen zu stellen, stärkt den Mut“, erklärte Susanne Hofmann den Hintergrund der Aktion. Sie ist Fachdienstleiterin der Jugendförderung der Stadt Marburg, die das Abseilen anbot.

Selbsterfahrungen anderer Art konnte man am Stand der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werks Oberhessen machen, die über Alkohol-, aber auch Glücksspielsucht informierte. Mit einer so genannten Rauschbrille, die das Sehvermögen bei einem Blutalkoholgehalt von 1,3 Promille simuliert, konnte man versuchen, aus kurzer Entfernung Dosen zu treffen. Meist ging der Wurf weit vorbei. Es gab einige Teilnehmer, die keine Rauschbrille benötigten, sondern einen wahrscheinlich noch höheren echten Blutalkoholpegel hatten. Diese hatten ebenfalls deutliche Probleme beim Zielen, aber auch beim Gehen, Stehen und Sprechen. Die „Boptown Cats“ begleiteten die Veranstaltung musikalisch mit mitreißendem Rock‘n‘Roll. Weitere Aktions- und Informationsangebote machten die Polizei, die auch Fahrräder gegen Diebstahl codierte, das Netzwerk gegen Gewalt Mittelhessen, die Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf, das Kreisjugendparlament, das Jugendrechtshaus Marburg-Biedenkopf und die Jugendkonflikthilfe Marburg.

Etwa 40 Vertreter der verschiedenen Behörden, Gruppen, Vereine und Einrichtungen betreuten die vielfältigen Angebote. Zugleich diente der ZAP-Tag auch dem gegenseitigen Kennenlernen der Initiativen und Aktiven, die sich gegen Sucht und Gewalt engagieren.

Infos im Internet unter www.gewalt-sehen-helfen.de, www.marburg-biedenkopf.de und www.marburg.de

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr