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Vom Krankenbett an den Traualtar

OP-Serie: 50 mit 50 Vom Krankenbett an den Traualtar

Glück im Unglück kann man es fast nennen, was Michaela Wolf vor knapp 30 Jahren hatte: Durch einen schweren Autounfall lernte die heute 50-Jährige damals ihre große Liebe kennen.

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Ein Bild aus Kindheitstagen hält Michaela Wolf besonders in Ehren: Es zeigt sie mit ihrem verstorbenen Bruder vor dem Baugrundstück der Eltern in Friedberg. „Wir hatten eine total schöne Kindheit und Jugend. Es waren immer andere Kinder da. Wir waren viel draußen zum Spielen“, berichtet die 50-Jährige, die durch ihre große Liebe nach Marburg kam.Foto: Katharina Kaufmann

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Sie hat immer gelächelt. Egal, wie schlecht es ihr ging. Egal, wie groß die Schmerzen waren. Er fand das toll. Die Tapferkeit, mit der sie den Unfall verarbeitete. Die Geduld, mit der sie die Therapie ertrug. Mittlerweile sind die Patientin und der Krankenpflege-Schüler von damals seit 25 Jahren verheiratet, haben drei Kinder und ein Haus mit großem Garten. Es ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die Michaela Wolf aus Friedberg nach Marburg brachte.

Aber der Reihe nach: Mit 21 Jahren verunglückt Michaela Wolf mit ihrem Auto. Ein schwerer Unfall – wie es ihn in jener Zeit in Hessen häufig gab (siehe Hintergrundkasten). Eine Woche schwebt Wolf in Lebensgefahr. Unter anderem das Gesicht ist schlimm lädiert. „Als ich transportfähig war, wurde ich nach Marburg verlegt. Ein Friedberger Anästhesist hatte dort seine Ausbildung gemacht und gute Kontakte in die Kiefer- und Mundchirurgie“, erinnert sich die heute 50-Jährige. Im Universitätsklinikum auf den Lahnbergen wird sie in der Unfallchirurgie weiterbehandelt. Dort hat zu dieser Zeit ein junger Mann gerade seine Ausbildung zum Krankenpfleger begonnen.

„Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, hatten die gleichen Hobbys und hörten die gleiche Musik“, berichtet die 50-Jährige mit Blick zurück. Es funkt zwischen den beiden. Und das, obwohl Michaela Wolf damals – nach eigenen Angaben – alles andere als ansehnlich aussah: „Ich hatte eine halbe Glatze, Metallplatten im Gesicht und den kompletten Mund verdrahtet.“ Dazu kamen eine gebrochene Hüfte, eingegipste Beine und einige kleinere Blessuren. Es kam dennoch eins zum anderen – und Michaela Wolf blieb in Marburg.

Die gelernte Friseurin und Kosmetikerin beginnt nach der Genesung eine Umschulung zur Medizinisch-Technischen Assistentin (MTA). „Ich hatte so viel Zeit im Krankenhaus verbracht, ich wollte unbedingt etwas Sinnvolles tun und anderen Kranken helfen“, erklärt sie diesen Schritt. Auf diese Entscheidung ist sie noch heute stolz.

Stolz ist sie auch, dass sie in diesem Jahr nicht nur ihren 50. Geburtstag, sondern auch die Silberhochzeit mit ihrem Mann feiern kann. „Unsere Geschichte ist ja schon ein bisschen ungewöhnlich“, findet sie. Auch deshalb, weil sie selbst nach ihrem Unfall und während des Krankenhausaufenthaltes nie damit gerechnet hatte, die große Liebe zu treffen.

Noch immer sind die beiden gerne gemeinsam auf dem Motorrad unterwegs oder arbeiten im eigenen Garten. „Unser größtes Hobby ist und bleibt die Familie“, betont die drei­fache Mutter und lächelt – so wie sie es auch vor fast 30 Jahren im Klinikum immer getan hat, egal wie schlecht es ihr ging und wie groß die Schmerzen waren.

von Katharina Kaufmann

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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