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Vom Feldbett mitten ins Geschehen

Fluthelfer Vom Feldbett mitten ins Geschehen

Der Elbe-Pegel steigt, doch die Helfer aus dem Landkreis müssen in der sächsischen Landeshauptstadt erst mal 30 Stunden tatenlos abwarten. Erst am Mittwochabend griffen die 125 Frauen und Männer ins Geschehen ein.

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Die sechs Mitarbeiter des Marburger THW, die in der Nacht zu Mittwoch ebenfalls nach Sachsen aufgebrochen waren, wurden zusammen mit weiteren Kräften ins nordsächsische Torgau beordert. Dort sind sie seit Mittwoch Nachmittag zur Deichverteidigung eingesetzt, wie Zugführer Christian Sohn Mittwoch Abend der OP telefonisch mitteilte. Mit drei Räumgruppen werden sie im Drei-Schicht-Betrieb (acht bis zehn Stunden) arbeiten, um eine Industrieanlage und das Stadtgebiet von Torgau abzusichern. „Wir haben genügend Helfer, um durchzuwechseln“, so Sohn.  Auch die Helfer der heimischen Feuerwehren, von DLRG und Rotem Kreuz (DRK), die schon am Montag aus Sachsen angefordert worden waren, sind mittlerweile mitten im Geschehen. Sie sichern die Deiche ein paar Kilometer südöstlich von Torgau, im brandenburgischen Mühlberg. Doch bis dahin hieß es: Warten.

Minütlich hofften sie auf Grünes Licht vom Krisenstab des Freistaats. „Wir sind bereit – sobald wir das Signal bekommen, kann es losgehen“, betonte Feuerwehrsprecher Stephan Schienbein und gewann dem Warten sogar etwas Gutes ab:   „Immerhin konnten wir so die Zeit nutzen, um uns auszuruhen.“ Bis zum Samstag sollen sie bleiben, und bis dahin kann noch einiges passieren.
Viele nutzten die Zeit, um Geräte und Fahrzeuge zu warten und fit für den Einsatz zu machen. Andere spielten Spiele, lasen Bücher oder lümmelten auf Liegen herum und langweilten sich. Feldkoch Sebastian Eberl  vom DRK brutzelte derweil Hackfleischsoße. „Die gibt es zu den Nudeln“, erklärt er. Die Zutaten seien frisch, würden vor Ort gekauft.

"Bin nicht hergekommen, um mich zu sonnen"

Feldkoch Sebastian Eberl vom Marburger Deutschen Roten Kreuz in Dresden vor dem Huelssegymnasium.

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Während Schienbein über Wege gegen den drohenden Lagerkoller nachdachte – für den Nachmittag war eine kleine Tour zum Elbufer vorgesehen –, schoben einige Helfer Frust. „Ich bin nicht hergekommen, um mich zu sonnen“, sagte einer der Freiwilligen aus Marburg, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen mag.

In den Medien hatte der Feuerwehrmann verfolgt, wie „katastrophal die Zustände in Sachsen“ sind. „Und nun sitzt man hier herum.“ Schon beim Jahrhunderthochwasser im August 2002 dauerte es ein bis zwei Tage, bevor es „richtig losging“, erinnert sich Sven Halbhuber von der Freiwilligen Feuerwehr Biedenkopf. Der 33-Jährige war schon vor elf Jahren in Sachsen, um zu helfen. „In Löbnitz haben wir Keller ausgepumpt, Wohngebiete nach der Flut in Ordnung gebracht“, sagt er. „Ich bin gespannt, wo es diesmal hingeht – Hauptsache es geht bald los.“

Wenn das Wasser bis zum Hals steht, kommt die Hilfe zu spät

Im sächsischen Innenministerium ist man indes froh darüber, dass die Helfer aus anderen Bundesländern „frühzeitig“ in Sachsen sind. „Wenn in Dresden erst einmal Pegel von neun Meter erreicht sind und die Einsatzkräfte erst dann hier einträfen, wäre es zu spät“, sagt Ministeriumssprecherin Patricia Vernhold am Mittwoch. Das Hochwasser beschäftige Sachsen noch bis in die kommende Woche. Von den dann anstehenden Aufräumarbeiten ganz zu schweigen. Derzeit würden die Helfer aus Hessen vor allem in Nordsachsen und Dresden eingesetzt. Der Bedarf wird von den Kommunen und Kreisen an das Ministerium weitergeleitet, das die Kräfte koordiniert.

Am frühen Nachmittag meldete sich der Krisenstab des Freistaats dann endlich auch im Hülße-Gymnasium. 200 der Rettungskräfte aus Marburg-Biedenkopf und Vogelsbergkreis brachen gemeinsam in Richtung Mühlberg an der Elbe auf, etwa 10 Kilometer nördlich von Riesa. Auch hier müssen Deiche gesichert werden. Im gesamten Landkreis Elbe-Elster herrscht Katastrophenalarm.
Bis zum frühen Abend dauerte die Verlegung an den etwa 70 Kilometer von Dresden entfernten neuen Einsatzort Weinberge bei Mühlberg, mit der 50 Fahrzeuge langen Kolonne, die erst mühsam mit Blaulicht durch die Dresdner Innenstadt auf die Autobahn gen Norden geleitet werden musste – jetzt aber in der Gewissheit: „Wir können endlich etwas tun.“

In Kontakt mit den Helfern
Auch wenn die heimischen Helfer in Brandenburg jetzt alle Hände voll zu tun haben, stehen sie über Facebook und Twitter mit der Heimat in Kontakt. Wir durchsuchen die Netzwerke nach Nachrichten von und für die Helfer und sammeln diese ab sofort unter der Adresse www.op-marburg.de/fluthilfe. Dort finden Sie auch alle aktuellen Informationen zum Einsatz der Marburger Fluthelfer. Wenn Sie, liebe Leser, öffentliche Facebook-Posts oder Tweets mit dem Schlagwort (Hashtag) #FluthilfeMR versehen, finden wir sie leichter. Sie können uns aber auch direkt anschreiben.

von Michael Agricola
und Stephan Klingbeil

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