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Vom Fahrrad zum Auto mit Chauffeur

Kirsten Fründt Vom Fahrrad zum Auto mit Chauffeur

Diese Frau hat so viel Spaß. Kirsten Fründt lacht und erzählt und freut sich auf das, was vor ihr liegt. Eine Aufgabe, auf die sie sich vorbereiten will, soweit es geht. Doch es wird zwangsläufig auch ein Sprung ins kalte Wasser, wie die künftige Landrätin weiß.

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Kirsten Fründt lacht, erzählt und diskutiert – und freut sich auf ihre neuen Aufgaben. Im kommenden Jahr übernimmt die SPD-Frau als Landrätin die Aufgaben von Robert Fischbach.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Umstellung hat schon begonnen. Man will sie kennenlernen, jetzt, und nicht erst im kommenden Jahr, wenn sie ihr Amt antritt. Die angehende Landrätin bekommt viele Einladungen zu Terminen im Landkreis. Auch mit Begehrlichkeiten und Wünschen wird sie schon konfrontiert, „nicht täglich, aber immer mal wieder“, sagt sie.

Kirsten Fründt stellt sich ein auf das, was vor ihr liegt. Und sie freut sich darauf. Sie ist gespannt. Und motiviert. Will nach und nach Veränderungen anstoßen und vertraut darauf, dass sich die Ideen dafür – gemeinsam mit den mehr als 1000 Mitarbeitern im Kreishaus – finden werden. „Und das bedeutet nicht, dass ich nicht auch mal wachliege und mich frage, wie das alles so wird“, bekennt die 46-Jährige.

Kirsten Fründt ist ein unkompliziertes Gegenüber. Sie geht auf Spaß gern ein, zeigt sich als offener Mensch, der versucht, Antworten zu geben – aber auch deutlich macht, wenn es noch keine Antworten gibt. Was da so alles passieren soll im Kreishaus, wenn sie erst das Amt von Robert Fischbach übernommen hat? „Ich habe ja immer gesagt, dass ich mehr Bürgerbeteiligung will“, führt sie aus, „das könnte beispielsweise über einen Meinungsbeirat passieren“.

Was passiert mit den Beschäftigten? „Die machen gute Arbeit – deshalb muss dort jetzt auch niemand nervös sein und Angst vor Veränderungen haben.“

Wie wird die Arbeitsaufteilung zwischen den leitenden Dezernenten Kirsten Fründt und Dr. Karsten McGovern aussehen? „Wie mit allen anderen auch, werde ich mit Karsten McGovern darüber reden.“

McGovern besetzt sozialdemokratisches Terrain

Schule, Kreisjobcenter, Familie, Jugend, Soziales, Nahverkehr, Integration, Altenhilfe und Gesundheit – die Fachbereiche von McGovern: All das sind Themenfelder, die eine Sozialdemokratin sicherlich auch gern für sich beanspruchen würde. „Ja, das ist so“, sagt Kirsten Fründt. Und mehr lässt sie sich dazu partout nicht entlocken.

Von den Räumen des Fachdienstes Sport der Stadt Marburg aus eröffnet sich ein toller Blick aufs davor liegende Georg-Gaßmann-Stadion. Kirsten Fründt hat dort als Leiterin des Fachdienstes ihren jetzigen Arbeitsplatz. Die Aussicht wird ab kommendem Jahr noch besser für sie. Vom vierten Stock des Kreishauses blickt man auf die Stadt und auf das Landgrafenschloss. „In meinen künftigen Büro war ich jetzt schon einmal, es ist ganz schön groß“, sagt die 46-Jährige, lacht und berichtet von ihrem ersten Besuch beim amtierenden Landrat. „Es wird weitere Gespräche zwischen uns geben – und eine reibungslose Übergabe. Das ist Robert Fischbach auch sehr wichtig“, sagt sie und wirkt dabei gelöst und zuversichtlich.

Aus der Runde, die Kirsten Fründt schon bald nach ihrer Wahl durchs Kreishaus drehen wollte, um sich mit den Mitarbeitern bekannt zu machen, wurde nichts. „Robert Fischbach wollte das nicht, um Unruhe zu vermeiden“, erklärt sie und kündigt an, dies nachzuholen, sobald die Amtsübergabe erfolgt ist. Den Haushaltsplan fürs Jahr 2014 im Landkreis Marburg-Biedenkopf – er wird, aufgestellt zum Jahresende 2013, noch von Robert Fischbach verantwortet. Über die SPD-Kreistagsfraktion will Kirsten Fründt schon mitberaten und Ideen einbringen in den Etat. Ansonsten gilt, was mehr oder weniger auf jede neue Arbeitsstelle zutrifft: „Natürlich wird das auch ein Sprung ins kalte Wasser.“

„Auftakttournee“ durch die Kommunen im Landkreis

Dass sie sich auf ihr neues Leben und ihre neuen Aufgaben wird einstellen können, daran hat sie keinen Zweifel. „Die Arbeit in verantwortungsvoller Position, die Überstunden, die Verpflichtungen am Abend und am Wochenende – an all das bin ich ja schon gewöhnt“, sagt sie und bekennt, dass sie eine Leidenschaft wird aufgeben müssen: Ihr Engagement als Übungsleiterin beim TSV Ockershausen. „Da würde ich nicht mehr zuverlässig die Termine einhalten können. Doch ich werde es mir so einrichten, dass ich auf jeden Fall weiterhin selbst Sport treiben kann.“

Vom Fahrrad, beziehungsweise E-Bike, muss Kirsten Fründt als Landrätin aufs Auto umsteigen. Kreuz und quer durch Marburg-Biedenkopf mit Entfernungen von mehr als 35 Kilometern in der Nord-Süd-Achse und von mehr als 50 Kilometern in der Ost-West-Achse – das geht freilich nicht mit dem Rad. An den Wagen mit Chauffeur wird sie sich schnell gewöhnen, da ist sich die angehende Landrätin sicher. Mit der Gewöhnung an andere Dinge ist es noch so eine Sache. „Ich finde es immer noch komisch, wenn die Leute zu mir sagen: ,Da kommt ja die neue Landrätin‘.“ Damit sich die Bürgermeister im Landkreis, für die Kirsten Fründt als Landrätin die Dienstherrin wird, an sie gewöhnen können und damit sie die Städte und Gemeinden im Flächenlandkreis selbst besser kennenlernen kann, plant sie eine Art „Auftakttournee“ im Frühjahr kommenden Jahres. Dann will sie alle Kommunen bereisen und sich Wissenswertes vor Ort erklären lassen.

So eine ganz konkrete Idee für die erste Zeit im Kreishaus, ein Vorhaben, das sofort umgesetzt werden muss – darauf hat sich Kirsten Fründt noch nicht festgelegt. Wie wäre es mit einer neuen Tür fürs Landratsamt? Die automatische Drehtür ist schließlich ein echter Bremsklotz – man bleibt in ihr stecken, sobald man zu schnell oder langsam unterwegs ist, das Ende eines jeden dynamischen Auftritts. Kirsten Fründt hält sich das offen. Sie lacht. Und lässt hoffen. „Ja, die nervt schon ganz schön, die Tür.“

Die Arbeit als Landrätin beginnt für Kirsten Fründt am 31. Januar mit einer Kreistagssitzung – es ist dann die erste überhaupt, die sie besuchen wird. Robert Fischbach führt sie offiziell in ihr Amt ein. Und dann darf sie sich schon gleich aufs erste Wochenende als Landrätin freuen. Denn Kreistagssitzung ist immer freitags.

von Carina Becker

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