Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Vom Braille-Festival bis zum Festakt

100 Jahre Blindenstudienanstalt Vom Braille-Festival bis zum Festakt

Im kommenden Jahr feiert die Deutsche Blindenstudienanstalt mit Sitz in Marburg ihr 100-jähriges Bestehen. Die Vorbereitungen laufen an.

Voriger Artikel
Dr. Stefan Ruppert baut auf das Vertrauen
Nächster Artikel
Bunter Karnevals-Auftakt in Marbach

Blinde und Sehbehinderte sind in Marburg präsent: Der Sehbehinderte Thorsten Oberbossel geht vor der Elisabethkirche über die Straße. Archivfotos: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im September 1916 - mitten im Ersten Weltkrieg - wurde die Deutsche Blindenstudienanstalt (Blista) in Marburg gegründet. Damals wurde in der Universitätsstadt damit begonnen, Kriegsblinde zu behandeln und ihnen die Blindenschrift beizubringen. (siehe Artikel unten). Längst gilt Marburg als die deutsche Blinden-Hauptstadt. Seit damals ist die Blista ein deutschlandweit einmaliges Bildungs- und Hilfsmittelzentrum für Blinde und Sehbehinderte, dem die Carl-Strehl-Schule, das einzige deutsche Gymnasium für Blinde in Deutschland, angegliedert ist. Derzeit gibt es dort 282 Schülerinnen und Schüler. Insgesamt hat die Blista 400 Beschäftigte.

Die Vorbereitungen für die 100-Jahr-Feier der Blista im kommenden Jahr laufen bereits auf Hochtouren. Federführend mit der Organisation des Jubiläumsjahres 2016 betraut ist Dr. Imke Troltenier, die stellvertretende Blista-Direktorin.

Sport, Musik und Kunst: Mit vielen verschiedenen Aktionen wollen die Blista-Verantwortlichen ihre Einrichtung im Jahr 2016 in Marburg präsentieren. Im Mittelpunkt des Jubiläums sollen nach Trolteniers Angaben vor allem zwei Veranstaltungen stehen: das Louis-Braille-Festival vom 1. bis 3. Juli 2016 sowie ein offizieller Festakt im September 2016.

Braille-Festival im Namen des Erfinders

Das Louis-Braille-Festival fand bereits 2009 in Hannover und im Jahr 2012 in Berlin statt. Die Veranstaltung ist nach dem französischen Erfinder der Blindenschrift benannt und soll in Marburg im Georg-Gaßmann-Stadion in der dritten Auflage stattfinden. Das Motto der dreitägigen Veranstaltung, zu der Blinde aus ganz Deutschland und dem Ausland kommen werden, lautet: „In Bewegung“. Gezeigt werden soll dabei, dass blinde und sehbehinderte Menschen ein Teil der Gesellschaft sind und auch eine Reihe von Sportarten betreiben können, die man ihnen zunächst gar nicht zutraut. So führen blinde Sportler beispielsweise Skateboard-Fahren vor.

Der offizielle Festakt im September 2016 wird voraussichtlich in der Marburger Stadthalle stattfinden. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, dessen Tochter Ulrike eine Absolventin der Carl-Strehl-Schule ist, wird die Schirmherrschaft übernehmen. In seiner Zeit als Staatsoberhaupt hatte Köhler im Jahr 2006 die Blista bereits einmal besucht.

Das Motto des Jubiläumsjahres lautet „100 Jahre - 100 Talente“. Dadurch soll deutlich gemacht werden, dass viele Ehemalige der Marburger Blindenstudienanstalt in ihrem Leben Besonderes geleistet haben oder noch leisten. So zählt Verena Bentele, die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, ebenfalls zu den Absolventinnen des Marburger Blinden-Gymnasiums wie die Tibetologin und Bergsteigerin Sabriye Tenberken und der Jazz- und Schlagersänger Wolfgang Sauer.

Turniere im Goalball und Blindenfußball geplant

Immer wieder machen auch blinde und sehbehinderte Schüler aus Marburg mit speziellen Leistungen bundesweit in den Medien auf sich aufmerksam. So erhielt Kevin Barth im Jahr 2006 einen Ehren-Bambi, weil er im Alter von 13 Jahren für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland einen Blog mit Fußball-Berichten erstellte.

Erst vor kurzem trat der 18-jährige Schüler Dave Jani­schak bei der letzten „Wetten, dass..?“-Sendung mit einer spektakulären Präsentation seiner „Echolot“-Technik auf, bei der er mit Hilfe von Schnalzlauten die Umrisse von Gegenständen erkennen kann. Nicht nur Wettpate Ben Stiller war davon begeistert.

Im Jubiläumsjahr 2016 planen die Blista-Verantwortlichen auch eine Vielzahl von kulturellen Aktivitäten wie eine Ausstellung im Marburger Kunstverein oder eine Reihe von Konzerten.

Auch große Turniere im Goalball und im Blindenfußball sind geplant. So sollen die Blinden-Fußball-Weltmeister aus Brasilien nach Marburg kommen.

Aus Anlass des 100. Geburtstags plant die Blista unter dem Motto „100 Jahre - 100 Geschichten“, einen Jubiläumsband zu erstellen. Gesucht werden dafür persönliche Blista-Geschichten von Ehemaligen oder deren Angehörigen oder anderen Menschen, die spezielle Berührungspunkte mit der Blindenstudienanstalt hatten. Die Texte sollen nicht mehr als 2500 Zeichen (inklusive Leerzeichen) umfassen. Zudem werden auch passende Fotos zu den einzelnen Geschichten gesucht. Beiträge sollten bis zum 30. August dieses Jahres an die Adresse: ­100geschichten@blista.de geschickt werden. Information: Imke Troltenier, 06421/606-220.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Blista ist ein Kind des Ersten Weltkriegs

Die Gründung der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista) erfolgte 1916 im Ersten Weltkrieg, vor allem, weil es zahlreiche Kriegsblinde gab. Dies geht aus der offiziellen Chronik der Blista hervor.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr