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Mathematische Modellsammlung Vom Affensattel zum Storchenschnabel

Die Marburger Mathematik-Professorin Ilka Agricola hat die Mathematische Modellsammlung der Marburger Universität wieder nutzbar gemacht und erweitert.

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Die Marburger Mathematik-Professorin Ilka Agricola bedient einen Pantographen, mit dessen Hilfe man Zeichnungen oder Landkarten vergrößern oder verkleinern kann. Das Exponat gehört zur Mathematischen Modellsammlung der Uni.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am 2. Februar wird die Mathematische Modellsammlung des Fachbereichs Informatik und Mathematik mit einem Festkolloquium wiedereröffnet.

Maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet die Mathematik-Professorin Ilka Agricola (37). Schon als sie im Jahr 2008 an die Philipps-Universität berufen wurde, interessierte sie sich für die Reste der Modellsammlung, die in den vergangenen Jahrzehnten wie an vielen anderen Universitäten auch fast buchstäblich eingemottet war und sich in einem sehr schlechten Zustand befand, weil sich keiner der Mathematiker mehr dafür interessierte.

Doch Agricola ging systematisch auf die Suche nach der Marburger Sammlung. „Es fing an mit ein paar Kisten, die wir in einer Teeküche entdeckten“, erzählt die Mathematikerin. Später kamen weitere mathematische Modelle hinzu: So steuerte ein emeritierter Professor Exemplare bei, die er mit nach Hause genommen hatte. Einige der mathematischen Modelle wurden neu gekauft.

Ilka Agricola vom Fachbereich Mathematik an der Uni Marburg in der neuen Modellsammlung. Foto: Thorsten Richter

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Andere mussten restauriert werden oder wurden neu angefertigt. Dabei bewies vor allem Agricolas Mitarbeiterin Ramona Trusheim besonderes Geschick.
Im Fachbereich Informatik und Mathematik vertritt Agricola das Fachgebiet Differentialgeometrie/Globale Analysis, das sich mit mehrdimensionalen gekrümmten Räumen beschäftigt.

Um ein besseres Verständnis dieser komplizierten Materie zu gewinnen, sind die mathematischen Modelle nach Agricolas Ansicht sehr wichtig. In ihrem Fachgebiet geht es vor allem um die Grundlagenforschung. „Aufgrund der Forschungen in der Differentialgeometrie in früheren Jahren kann man heute beispielsweise Autokarosserien optimal modellieren“, zählt sie ein Beispiel für praktische Anwendungen auf. Auch die heutzutage übliche geographische Positionsbestimmung mit Hilfe von GPS-Geräten sei ohne ihr Forschungsgebiet kaum denkbar.

Heutzutage beschäftigen sich die Forscher in ihrem Spezialgebiet unter anderem damit, die Quantenmechanik mit der Allgemeinen Relativitätstheorie zu kombinieren. Besonders stolz ist Agricola in der Modellsammlung auf einen Pantographen, das sie als eines der Prunkstücke der Sammlung ansieht. Dieses Gerät, das im Griechischen Allesschreiber heißt und im Deutschen auch als Storchenschnabel bezeichnet wird, wurde im Jahr 1866 von der Firma Breithaupt&Sohn in Kassel hergestellt. Es dient zum Vergrößern, Verkleinern und Kopieren von Zeichnungen – vor allem von Karten und Plänen.

von Manfred Hitzeroth

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