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"Volksnaher Vollblutpolitiker" hört auf

Egon Vaupels Abschied "Volksnaher Vollblutpolitiker" hört auf

Mit stehenden Ovationen verabschiedete das Stadtparlament Egon Vaupel, der zum letzten Mal als Oberbürgermeister im Parlament redete.

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In einer sehr persönlichen Rede ließ Vaupel bei seiner letzten Stadtparlamentssitzung seine politische Karriere in Marburg Revue passieren.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Emotionsreicher Abschied für Egon Vaupel: Sichtlich bewegt ergriff der noch amtierende Oberbürgermeister am Freitagabend nach vorherigen Abschiedsworten von Fraktionsvertretern das Wort. In einer sehr persönlichen Rede ließ Vaupel seine politische Karriere in Marburg Revue passieren.

„Es ist ein ambivalentes Gefühl, wenn ich jetzt hier stehe“, gestand Vaupel. Dabei habe er bewusst diese Entscheidung getroffen, aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. „Auf jeden Fall bin ich sehr dankbar, dass ich für die Bürger arbeiten durfte“, meinte Vaupel.

Seine Partei, die SPD, habe ihm das mit ermöglicht. Damals habe Nefie Travlo, eine Mitarbeiterin des damaligen Marburger SPD-Chefs Norbert Schüren, zu diesem gesagt: „Der kann das“. Zuvor habe sie mit Vaupel Häuser-Wahlkampf im Marburger Stadtteil Wehrda gemacht.

"Mir flatterten die Hosen"

„Ich hatte aber schon großen Respekt, als ich ins Rathaus kam. Mir flatterten die Hosen“, bekannte Vaupel. Zunächst hatte er ab 1997 die Position des Bürgermeisters inne, ab 2005 war er nach einer ersten erfolgreich absolvierten OB-Wahl als Oberbürgermeister Chef im hauptamtlichen Magistrat und im Rathaus. Insgesamt saß er also 18 Jahre lang auf der Bank des hauptamtlichen Magistrats im Stadtparlament.

Vor allem als Rathauschef hat sich der ehemalige Finanzbeamte großen Respekt erarbeitet - auch über die politischen Grenzen hinweg. „Wir werden Sie vermissen, vor allem Ihre oberhessische Art mit Ecken und Kanten“, sagte Michael Selinka (FDP). Als „immer ehrlich“ und einen häufig überzeugenden „Vollblutpolitiker“ charakterisierte Wieland Stötzel (CDU), Fraktionschef der größten Oppositionspartei, den scheidenden OB.

Vaupel sei anerkannt und volksnah gewesen und habe immer das Ganze im Blick gehabt. Trotz inhaltlicher Differenzen wie beim Altenhilfe-Konzept, der Sanierung der Stadthalle oder der Debatte um neue Ortsbeiräte habe er Vaupel immer persönlich geschätzt. Als Oberbürgermeister, für den rechtes Gedankengut keinen Platz in Marburg gehabt habe und der stets für Vielfalt eingetreten sei, wurde Vaupel von SPD-Fraktionschef Steffen Rink gelobt. Vaupel sei „der OB aller Menschen, auch der Vertriebenen“ gewesen und habe für ein tolerantes Klima in Marburg gesorgt, sagte Henning Köster (Marburger Linke).

Vaupel übernimmt Vorsitz im geplanten "Runden Tisch Integration"

„Wir haben Sie am Anfang unterschätzt“, bekannte Dr. Christa Perabo, die für „Die Grünen“, - den SPD-Koalitionspartner - sprach. In vielen Dingen sei Vaupel für die Grünen „verlässlicher Partner“ gewesen. Dissens habe es aber beispielsweise in der Frage der Millionenspende von Dr. Reinfried Pohl gegeben.

Ganz besonders habe sich der Oberbürgermeister in Sachen Willkommenskultur für die Aufnahme der Flüchtlinge eingesetzt, sagte Perabo. Deswegen sei Vaupel aus ihrer Sicht der geeignete Kandidat, um nach dem Ende seiner Amtszeit Ende November den Vorsitz im geplanten „Runden Tisch Integration“ zu übernehmen, in dem es darum gehe, eine „Bleibekultur“ für die Flüchtlinge zu entwickeln. V

aupel sagte zu, über diesen Vorschlag nachzudenken. Zuvor hatte er auch gesagt, was ihn in seiner Amtszeit als OB besonders beeindruckt habe: die neugierigen, großen Augen der Kinder, beispielsweise bei der Teddy-Klinik im Rathaus. Zudem mahnte Vaupel mehr Sensibilität im politischen Umgang an und erinnerte daran, dass auch Politiker verletzbar seien.

von Manfred Hitzeroth

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