Stundenlanges Grübeln zeichnet das Verhalten von Depressions-Patienten aus.
Marburg. Rund 10.000 Menschen pro Jahr begehen in Deutschland Selbstmord, was vorwiegend auf eine schwere Depressionserkrankung zurückzuführen ist. Das ist doppelt so viel wie die durchschnittliche Anzahl der Verkehrstoten. Depression ist mittlerweile also eine Volkskrankheit. Dabei sind Depressionen bei rechtzeitiger Therapie behandelbar.
Rund ein Drittel der 1.000 Patienten, die pro Jahr in der Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie stationär aufgenommen werden, sind Depressions-Patienten. Es gibt für die optimale Therapie dieser Patienten eine Spezialstation in der Klinik, erläutert Professor Tilo Kircher, Leiter der Uni-Psychiatrie. Dort stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
So kommt bei schweren Erkrankungen eine Kombination aus Psychotherpaie und Medikamenten (Antidepressiva) zum Einsatz. Für die saisonbedingte leichtere Depressionskrankheit im Winter gibt es auch die Möglichkeit der Lichttherapie. Kircher betonte im Gespräch mit der OP, dass Depression heutzutage eine behandelbare Krankheit wie jede andere Erkrankung sei. Jedoch sei diese psychische Erkrankung nach wie vor ein Tabu-Thema in weiten Kreisen der Bevölkerung. Aus dem Freitod des schwer depressionskranken Nationaltorhüters Robert Enke, der Ende vergangenen Jahres bundesweit für großes Aufsehen sorgte, könne man vor allem lernen, dass es wichtig sei, offen über so eine Erkrankung zu reden, meint Kircher.
von Manfred Hitzeroth
Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Samstagsausgabe der OP.
| Städtewetter |
| Ihre Stadt/Ihr Ort |
Tagestemperatur |
|
Nachttemperatur |
|
Regenprognose |
|
Windstärke |
|
Pollenflug |
|
Kommentare
Spezialstation = Mangelverwaltung Birgit M. – 11.01.10
Ich war vor kurzem Patientin auf der sogenannten Spezialstation bei Herrn Kircher. Leider war dort von einem speziellen Program für Patienten mit Depression in der Praxis nicht viel zu merken. Auf dem Papier gab es Gruppen und Angebote, jedoch scheiterte das an der Umsetzung. Immer wieder wurde ich vertröstet, wenn ich ein Arztgespräch haben wollte. "Es sei gerade kein Stationsarzt da, aber sie können mit einem Psychologen im Praktikum sprechen". Dann gab es einen Stationsarzt, der seinen Schwerpunkt aber in der Neurologie hatte und nicht in der Psychiatrie, aber wirklich sehr bemüht war. Ohne Zweifel war das vorhandene Klinikspersonal sehr bemüht, mußte sich aber immer wieder für eine Mangelverwaltung rechtfertigen. Und der Kliniksleiter war nicht einmal bei einem Patienten zu sehen, was ich und meine damaligen Mitpatienten sehr merkwürdig fanden. Ich hoffe das sich für die zukünftigen Patienten da etwas verändert, denn nicht jeder an Depression erkrankte Mensch findet die Kraft sich dagegen zu wehren und seine Rechte als Patient einzufordern. Oftmals ist es schon schwierig genug überhaupt sich zu öffnen und den Weg zu einer Therapie zu suchen.Depression: Volkskrankheit Manfred Hitzeroth – 09.01.10
Leider ist es immer noch üblich, bei einer Selbsttötung von "Selbstmord" zu sprechen. So auch in der heutigen OP. Der Autor benutzt den Begriff gleich mehrmals - so auf Seite 1 im ersten Satz, auf Seite 3 und auf Seite 2 unter der Ruprik "standpunkt".In dieser Zeit der so weitgehenden Kenntnis über Hintergründe einer Selbsttötung sollte man den Begriff "Selbstmord" nicht mehr verwenden. Er hat eine wertende und auch "verurteilende" Komponente. Das jedoch sollte vermieden werden. Ich halte diese sprachliche Unschärfe in einer Zeitung nicht für angemessen.
Manfred Holst, Pfarrer, Diplom-Supervisor, Marburg