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Volksfest soll Weltkulturerbe werden

Marktfrühschoppen Volksfest soll Weltkulturerbe werden

Paukenschlag in Marburg: Trotz des Aus für den Marktfrühschoppen 2015 könnte das „kürzeste Volksfest der Welt“ nun Geschichte schreiben.

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Ob es Marburg unter den gegebenen Bedingungen gelingt, den Marktfrühschoppen auf der immateriellen Weltkulturliste zu platzieren, scheint fraglich.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Entscheidung des Marktfrühschoppenvereins, die für den Juli geplante Veranstaltung aus Angst vor der Teilnahme rechter Burschenschaften abzusagen, hatte am vergangenen Wochenende für viel Gesprächsstoff in der Stadt gesorgt.

Nach wie vor gibt es zahlreiche Stimmen, die das zumindest vorübergehende Aus für die Traditionsveranstaltung bedauern. Und es gibt Stimmen wie die von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), der nach der Absage in einer ersten Reaktion von einer „verantwortungsvollen und vernünftigen“ Entscheidung gesprochen hatte.

Doch auch für den Marburger Rathauschef dürfte es nicht leicht sein, den Marktfrühschoppen jetzt einfach zu den Akten zu legen. Denn so umstritten die Veranstaltung in den vergangenen Jahren auch gewesen sein mag – sie soll informierten Kreisen zufolge ein Ass im Ärmel Vaupels für einen neuerlichen Anlauf für eine Aufnahme Marburgs in die Unesco-Weltkulturerbeliste gewesen sein.

Versuch in der Kategorie „kultureller Raum“

In kleiner Runde hatten sich demzufolge Magistrat und Vertreter der Fraktionen nach der gescheiterten gemeinsamen Bewerbung mit der Unistadt Tübingen mehrfach getroffen, um weitere Optionen auszuloten. Klar war dem unter dem inoffiziellen Namen „Arbeitsgruppe Unesco“ firmierenden Gremium, dass ein neuerlicher Versuch in der Kategorie des „kulturellen Raums“ wohl die besten Chancen haben würde.

Doch nicht mit einem abstrakten, schwer fassbaren und deshalb wohl letztlich auch erfolglosen Konzept wie dem „Prototyp einer europäischen Universitätsstadt“ wollte Marburg noch einmal einen Anlauf starten, sondern mit einem vergleichsweise populären Ansatz. Wenn das deutsche Reinheitsgebot der Bierbrauer, die deutsche Brotvielfalt, das Skatspielen oder Veranstaltungen wie der Cannstatter Wasen ins Rennen gehen können, warum dann nicht Marburg mit seinem einzigartigen Volksfest?

Einzigartig? Na klar: Das kürzeste Volksfest der Welt sollte eine reelle Chance haben auf der Vorschlagsliste der Kultusministerkonferenz. Die Bewerbungsformalitäten sehen gleich unter dem ersten Punkt vor, dass das Kind einen Namen haben muss – natürlich: „Marburger Marktfrühschoppen“. Gerungen wurde dem Vernehmen nach in der „AG Unesco“ um den Bewerbungspunkt „Kurzbeschreibung“.

Während Vertreter von Grünen und Linken die sich an dem Fest entzündende politische Diskussionskultur in den Vordergrund der Bewerbung rücken wollten, machte sich das bürgerliche Lager eher für eine pointierte Beschreibung der gesellschaftlich-geselligen Relevanz stark.

Wissenschaftliche Dokumentation

Eine Kompromissformel wurde für diesen Teil der Bewerbung schließlich ebenso gefunden wie für die Frage, wer eine Dokumentation der bisherigen Festtradition anfertigen könne: Studierende des Fachbereichs Völkerkunde arbeiten seit Wochen gemeinsam mit den Verantwortlichen des Marktfrühschoppenvereins an der Zusammenstellung aussagekräftiger Daten und Dokumente.

Durch diese Kooperation ist auch bei dieser Bewerbung die Philipps-Universität eingebunden. Durch die Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Verein werden bei der neuerlichen Bewerbung genau jene Kosten minimiert, die bei der Gemeinschaftsbewerbung mit Tübingen seinerzeit für Kritik – unter anderem der Marburger Bürgerliste – gesorgt hatten. Marburg hatte damals eine fünfstellige Summe in die Bewerbung gesteckt.

Erste Ergebnisse stellen die Macher der Marktfrühschoppen-Dokumentation gemeinsam mit der „AG Unesco“ diesen Mittwoch, 1. April, ab 15 Uhr in der Brüder-Grimm-Stube am Obermarkt vor. „Auch wenn durch die Absage des Marktfrühschoppens 2015 eine wünschenswerte Bewerbung in Frage gestellt scheint, dürfte die wissenschaftliche Dokumentation der Marktfrühschoppen-Tradition auf jeden Fall zu einem qualitativ neuen Diskurs beitragen“, heißt es in der Einladung zu der öffentlichen Veranstaltung.

von Carsten Beckmann

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