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Vitos-Bebauung auf den Weg gebracht

Vitos-Bebauung auf den Weg gebracht

Der Umweltausschuss des Marburger Stadtparla­ments empfiehlt dem 
Plenum, die Bebauung des Vitos-Parks mit Sozialwohnungen und Stadt­villen zu ermöglichen.

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Über eine Änderung des Bebauungsplans des Vitos-Park entscheidet das Stadtparlament am 18. Dezember.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Stadtverordnetenversammlung wird nach Lage der Dinge am Freitag kommender Woche mit großer Mehrheit eine Änderung des Bebauungsplans beschließen, die die Bebauung des südöstlichen Teils zwischen Cappeler Straße und Friedrich-Ebert-Straße 
ermöglicht. An dieser Stelle steht zur Zeit noch ein Wald aus 40-jährigen Roteichen.

Damit wäre der Weg frei für den Bau von etwa 100 Sozialwohnungen. Sie sind Teil eines vom Land Hessen und der Stadt Marburg geförderten Projektes der Wohnungsbaugesellschaft GWH zur Schaffung von 300 zusätzlichen Sozialwohnungen in Marburg.

Gegen die Bebauung gibt es erheblichen Widerstand. Eine Bürgerinitiative sammelt derzeit Unterschriften unter ein Bürgerbegehren, das die Bebauung an der Stelle des Roteichenwalds verhindern will. Der Plan, im gleichen Areal weitere 100 Eigentumswohnungen zu bauen, sei nach Auskunft von Vitos derzeit kurzfristig nicht umzusetzen, teilte Bürgermeister und Baudezernent Dr. Franz Kahle (Grüne) im Ausschuss mit. Der angestrebte Beschluss, an der Stelle des jetzigen Roteichenwalds Baurecht auch für Eigentumswohnungen zu schaffen, bedeute aber keine „Baupflicht“.

Kahle hält Idee für nicht umsetzbar

Bis zuletzt hatte es Vorschläge für alternative Standorte der Sozialwohnungen auf dem Vitos-Gelände gegeben. Die Agenda­gruppen etwa hatten den baumfreien Bestand im oberen Teil des Geländes vorgeschlagen. Sprecher Gerhard Haberle betonte noch einmal, dass die Agendagruppen für den Bau von Sozialwohnungen seien, nur eben nicht an der Stelle des Roteichenwalds, sondern oberhalb des ehemaligen Schwesternwohnheims. Kahle hält diese Idee nicht für umsetzbar. Sie würde nach sich ziehen, dass durch den Park Zufahrtsstraßen gebaut werden müssten – das sei mit dem Schutz- und Ruhebedürfnis der Patienten auf dem Gelände nicht vereinbar.

Von der Änderung, die das Stadtparlament am 18. Dezember beschließen soll, ist lediglich der südöstliche Teil betroffen. Für den Rest des Parks bliebe der derzeit gültige Bebauungsplan bestehen, der eine Wohnbebauung ausschließt.

Gleichwohl, sagte Henning Köster von den Marburger Linken, gebe es in der Bevölkerung verbreitete Befürchtungen, dass das ökologisch wertvolle Parkgelände weiter bebaut wird und ein innerstädtisches Naherholungsgebiet damit wegfalle. Diesen Befürchtungen könne man begegnen, indem man nur den südöstlichen Teil des Parks überplane und für den restlichen Teil des Parks den derzeit gültigen Bebauungsplan, der Wohnbebauung verbietet, aufrechterhält.

Sozialer Wohnungsbau 
und Betreuung

Mit der vorgeschlagenen Änderung des Bebauungsplans für dieses Gebiet werde genau dieses Ziel verfolgt, sagte Kahle. Ein entsprechender Änderungsantrag der Marburger Linken wurde deswegen 
von der Ausschussmehrheit abgelehnt.

Welche Folgen hätte der Bau von 100 Sozialwohnungen für den unteren Richtsberg? Köster forderte eine „genaue Betrachtung, welche Anforderungen an das Gemeinwesen gestellt werden müssen“. Die Anforderungen an Betreuung würden steigen, so Köster.

Das rief den SPD-Abgeordneten Uwe Meyer auf den Plan, der Köster Stigmatisierung vorwarf: Sozialer Wohnungsbau benötige keine zusätzliche Betreuung, sagte Meyer, wurde später aber vom eigenen Fraktionsvorsitzenden relativiert: Es sei doch „selbstverständlich“, dass etwa 
Plätze in Kindertagesstätten und Schulen vorgehalten werden müssten, sagte Steffen Rink. Die „Bürgerinitiative für soziale Fragen“, die am Richtsberg seit Jahrzehnten Gemeinwesen­arbeit betreibt, ist nur wenige hundert Meter von dem vorge­sehenen Standort entfernt.

von Till Conrad

 
Vogelschutz
In der Diskussion um die Bebauung spielen zwei Gutachten eine wichtige Rolle: Ein artenschutzrechtlicher Fachbeitrag des Marburger Büros Simon & Wittig und ein Vogelschutzgutachten des Marburger Vogelschutzbeauftragten Professor Martin Kraft. Der Naturschutzbeirat sei den Aussagen des Büros Simon & Wittig gefolgt, sagte Kahle. Kraft hatte in seinem Gutachten deutlich mehr schützenswerte Vögel festgestellt – allerdings im August, in dem ein Großteil der Vögel keine Brutzeit habe. Kraft habe die Anforderungen an einen Artenschutzbeitrag nicht erfüllt, sagte Ausschussvorsitzender Uwe Volz. Das Gutachten von Simon & Wittig datiert aus dem Jahr 2010 und war von Vitos in Auftrag gegeben worden.
 
Die Grafik zeigt das Gelände des Vitos-Parks. Der Roteichenwald in der südöstlichen Ecke des Parks soll gerodet werden, um Platz zu schaffen für 100 Sozialwohnungen. Ein alternativer Standort im Nordwesten des Parks wurde verworfen. Die dunkelgrün gefärbten Flächen kennzeichnen das Parkgelände, das nicht bebaut werden soll. Grafik: Stadt Marburg
 
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