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Viren-Gefahr beim Sex

HPV-Impfung Viren-Gefahr beim Sex

Kondome schützen vor Geschlechtskrankheiten. Um aber eine Ansteckung mit Humanen Papillom-Viren zu vermeiden, ist es aus Sicht von Gynäkologen für Mädchen und junge Frauen besser, sich dagegen impfen zu lassen.

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Humane Papillom-Viren werden beim Sex – über Schleimhautkontakt – übertragen und können in die Zellen am Gebärmutterhals eindringen. 15 HP-Typen können Krebs auslösen.

Quelle: Grafik: Sven Geske

Marburg. Sex hatte sie noch nicht, aber der erste Besuch beim Frauenarzt steht an, erzählt eine Marburger Schülerin im Gespräch mit der OP. Ob sie schon mal etwas von HPV gehört hat? Die Schülerin verneint erst, ist sich nicht sicher. Ihre Mutter habe ihr geraten, sich impfen zu lassen – gegen etwas, was mit Geschlechtsverkehr zu tun hat, sagt das Mädchen. „Geht es darum?“

Über Sex sprechen viele Jugendliche und Erwachsene, über die durch Geschlechtsverkehr übertragenen Humane Papillom-Viren (HPV) nur wenige. Dabei infiziert sich fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit HPV.  Die Infektionen nehmen zu, weil auch die Zahl der wechselnden Sexualpartner steigt. Und die meisten nicht einmal wissen, dass sie akut infiziert und ansteckend sind.

Viren infizieren Schleimhäute beim Sex

Der Marburger Frauenarzt  Dr. Heinrich Hofmann, stellvertretender Vorsitzender der Ärztevereinigung Prima im Landkreis Marburg-Biedenkopf, möchte das Thema aus der Schmuddelecke holen und ins öffentliche Bewusstsein rücken. Er hat für Prima eine Aktion gestartet, an der sich Kinder-, Haus- und Frauenärzte beteiligen. Die Schüler in der Region sollen über das Thema in Veranstaltungen informiert und aufgeklärt werden, zudem möchte er, dass mehr als 70 Prozent der Mädchen im Kreis geimpft werden. Ein ehrgeiziges Ziel. Schätzungen der Apotheken zufolge, die den Impfstoff verkaufen, lassen sich bisher zehn bis 15 Prozent der jungen Frauen im Landkreis gegen HPV impfen. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Hofmann.

Eine Infektion allein macht noch keinen Krebs. Die meisten  Frauen machen im Lauf des Lebens eine HPV-Infektion sogar unbemerkt durch, denn in der Regel ist das Immunsystem stark genug, den Erreger zu besiegen.  Bei einem kleinen Teil der Betroffenen bleibt die Infektion weiter bestehen. Dann drohen, besonders bei einer Infektion mit den Typen 16 und 18 Gebärmutterhalskrebs oder Genitalwarzen, die durch die Typen 6 und 11 ausgelöst werden. Etwa 15 HPV-Typen können Krebs erzeugen, insgesamt gibt es 150.

Eingriffe wie Ausschabungen oder Gewebsentnahmen sind im Krebsvorstadium nötig. Vor diesem Hintergrund sei eine Impfung eine wichtige Prävention, sagt Hofmann.
Die meisten Kassen zahlen die Impfung, die mehrere hundert Euro kostet, derzeit nur für junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren, da sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr besonders sinnvoll ist. „Wir wollen mit dieser Aktion die jungen Frauen und Mädchen erreichen, bevor sie in die Frauenarzt-Praxis kommen, um sich die Pille verschreiben zu lassen“, so Hofmann. Aus diesem Grund appelliert er an die Mütter, ihre Töchter beim Frauen- oder auch Kinderarzt für eine HPV-Impfung anzumelden.

Ein Impfschutz ist nach drei Impfungen vollständig.  Impfaktionen und Kampagnen für junge Männer gibt es bundesweit nur in wenigen Regionen – zum Beispiel in Sachsen. Dabei können die Viren neben den weiblichen Geschlechtsorganen auch Penis und After befallen und dort ebenfalls Krebs hervorrufen. Auch Mund, Rachen, Speiseröhre und Kehlkopf gehören zu den betroffenen Bereichen – durch Oralverkehr.  

Begleitprogramm mit Pferdeflüsterin und Zumba

Hofmann erklärt, dass Jungs nicht regelmäßig zu ärztlichen Untersuchungen gehen und man diese schwerer für eine Vorsorge erreiche. Der Frauenarztbesuch für das Pillenrezept sei oft die einzige Möglichkeit, junge Frauen auf das HPV-Risiko hinzuweisen.  

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt neuerdings Impfung sogar ab neun Jahren, weil der sexuelle Kontakt immer früher beginnt. Gesundheitsministerium und Kassen werden über diese Empfehlung  beraten.  Auch die Experten des Deutschen Grünen Kreuzes in Marburg, raten jungen Menschen zu einer Impfung. Nebenwirkungen treten nicht häufiger auf, als bei anderen Standard-Impfungen wie gegen Tetanus oder Diphtherie, sagt Dr. Ute Arndt. Ein Vorteil einer Impfung ab neun Jahren sei, dass dann nur noch zwei statt drei Impfungen nötig wären. „Derzeit geht man davon aus, dass der Impfschutz mindestens zehn Jahre anhält, wahrscheinlich sogar noch länger“, so Arndt.

von Anna Ntemiris

  • Die Prima-Ärzte bieten am Montag,  9. Februar, ab 17.30 Uhr im Cineplex eine Info- Veranstaltung für Mädchen, junge Frauen sowie Eltern und alle Interessierten an. Die HPV-Expertin, Frauenärztin Professor Monika Hampl aus Düsseldorf, wird über das Thema sprechen.  Den Besuchern der kostenfreien Veranstaltung wird ein Begleitprogramm geboten: Es gibt eine Zumba-Vorführung, Schmink- und Pflegetipps, und eine Pferdeflüsterin wird ab 18 Uhr über ihre Arbeit berichten.

Hintergrund:

Humane Papillom-Viren infizieren Haut- oder Schleimhautzellen und verursachen gutartige, aber auch bösartige Tumore.  Die Viren werden durch Haut- und Schleimhautkontakt – vornehmlich beim Sex – übertragen. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 6 500 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs, fast 1 700 sterben daran. Bleiben die Viren im Körper, kann sich im Laufe von mehreren Jahren Krebs entwickeln. Ein weiteres durch HPV verursachtes Krankheitsbild sind Genitalwarzen. Die Erkrankung betrifft Männer und Frauen, vor allem junge Menschen. Seit  2006 bzw. 2007 stehen zwei Impfstoffe gegen HPV zur Verfügung, die die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verhindern, der nach Infektion mit Papillomviren vom Typ 16 und 18 – die Hauptauslöser  –  entstehen kann.
Quelle: Deutsches Grünes Kreuz

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