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Viereinhalb Jahre Haft für Einbrecher

Aus dem Landgericht Viereinhalb Jahre Haft für Einbrecher

Den Mann, der für eine ganze Einbruchsserie in Marburg verantwortlich ist, erwartet eine mehrjährige Haftstrafe. Aus psychiatrischer Sicht weist der notorische Straftäter schon fast psychopathische Züge auf.

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Unter anderem über ungesicherte Fenster – wie auf diesem gestellten Foto – ist der Einbrecher eingestiegen.

Quelle: Bodo Marks

Marburg. Vier Jahre und sechs Monate Haft wegen Einbruchdiebstahls in mehreren Fällen – so lautete das Urteil der ersten Strafkammer des Landgerichts am Freitag. Aufschluss über den notorischen Wiederholungstäter gab am zweiten Verhandlungstag ein psychiatrischer Sachverständiger.

Regungslos und ohne eine Miene zu verziehen, vernahm der 48 Jahre alte Angeklagte ­Urteil und Gutachten des Facharztes aus der Psychiatrie Haina. Dieser beschrieb den Mehrfachtäter schon fast als hoffnungslosen Fall. Die kriminelle Laufbahn des Beschuldigten gestaltete sich „wie aus dem Lehrbuch“: Der Angeklagte wuchs in „schwierigen sozialen Verhältnissen“ auf, erlebte schon früh Gewalt, geriet an die falschen Leute und hielt keine Ausbildung durch. Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie ständige­ Straftaten folgten.

Aus einer „Sozialverhaltensstörung“ in der Jugend entwickelte sich bei ihm eine „dissoziale Persönlichkeit“. Diese sei mit ein Grund, warum der Mann immer wieder straffällig wurde. Denn: Die Vorfälle in Marburg waren bei Weitem nicht die Einzigen, eine kriminelle Karriere durchzieht fast das ganze Leben des 48-Jährigen. Insgesamt 15 Vorstrafen weist sein Strafregister auf. Hinzu kommen einige Jugenddelikte.

Prognose mehr als „ungünstig“

Seit Ende der 80er-Jahre beging der heute 48-Jährige zunehmend Straftaten, stand bereits wegen Betrugs, Urkundenfälschung, schwerer Körperverletzung und wegen zahlreicher Fälle von gemeinschaftlichem Raub und Diebstahl vor Gericht. Über ein halbes Dutzend Mal, „die meiste Zeit seines Erwachsenenlebens“, saß er bereits im Gefängnis. Alle Bestrafung nützte nichts, stets wurde der Täter schnell wieder rückfällig. Selbst während einer laufenden Haftstrafe nutzte er einen Urlaubstag, um sich abzusetzen, gemeinsam mit einem Komplizen weitere schwere Straftaten zu begehen. Weder sei er fähig, aus Strafen zu lernen, noch habe er ein ausreichendes Unrechtsbewusstsein entwickelt, erkläre­ sein Handeln stets mit fadenscheinigen Gründen, „er übernimmt keine Verantwortung“, sagte der Gutachter.

Auch mehrere Suchttherapien­ hielt der Mann nicht lange durch. Ein angebliches Suchtproblem als Ursache sah der Sachverständige allerdings nicht, ebenso wenig fand er ­Anzeichen einer verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten. Einbrüche und Diebstähle begehe der Mann nicht wegen eines Drogenproblems, sondern aufgrund seines „dissozialen Wesens – das ist der ­Antriebsmotor“, fasste der Gutachter zusammen.

Er sah schon psychopathische Züge im Verhalten des Täters. Seine Prognose war daher mehr als „ungünstig“, er rechnete dem Mann kaum Heilungschancen zu. In Freiheit würde dieser weiterhin straffällig werden, „das wird auch in Zukunft so bleiben“, selbst bei einer Langzeittherapie. „Ein dissozialer Mensch ist deliktbereit“. Suchtmittel würden dies indes noch verstärken.

Staatsanwalt fordert „äußerste Härte“

Dort hakte die Verteidigung genau nach, ob eine Unterbringung in eine therapeutische Anstalt nicht doch Besserung bringen könnte, nach dem Prinzip­ „wenn ich es nicht heilen kann, versuche ich zu lindern“, wie Rechtsanwalt Thomas Strecker es ausdrückte. „Ganz ehrlich, das glaube ich nicht“, war die endgültige Antwort des Mediziners.

Staatsanwalt Nicolai Wolf verwies in seinem Plädoyer ebenfalls auf die lange Vorstrafenliste des Angeklagten. Dieser sei seit fast 30 Jahren „durch die Begehung heftigster Straftaten in Erscheinung getreten“. Alleine­ dadurch sei nicht einmal daran zu denken, Milde walten zu lassen. Man müsse mit „äußerster Härte“ durchgreifen, betonte der Anklagevertreter, der sich für eine sechsjährige Haftstrafe ausgesprochen hatte.

Dem widersprach die Verteidigung. „Bei ihm nutzt auch keine Härte – man kann ihn nicht zur Räson bringen“, betonte Strecker hinsichtlich seines „unverbesserlichen“ Mandanten. Er hielt an einer möglichen Langzeittherapie fest und sprach sich, wie seine Kollegin, für insgesamt dreieinhalb Jahre Haft aus. Eine Unterbringung lehnte­ die Kammer ab, ließ jedoch die Möglichkeit offen, dass der Mann im Gefängnis dennoch an einer Suchttherapie teilnehmen kann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Ina Tannert

 
 
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