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Vier Roboterarme operieren Patienten

Uni-Medizin Vier Roboterarme operieren Patienten

Es trägt den Namen des Universalgenies Leonardo da Vinci (1690 bis 1730): Ein roboterassistiertes Operationssystem, das das Spektrum der Behandlung von Krebspatienten am Uni-Klinikum deutlich erweitern soll.

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Dr. Peter Olbert, leitender Oberarzt der Urologie, sitzt an der Operations-Konsole des neuen roboterassistierten Operationssystems, das dem Fachbereich Medizin und dem Uni-Klinikum zur Verfügung steht. Fotos; Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es mutet an wie in eine Szene aus einem Science-Fiction-Film, doch es ist medizintechnische Realität Anfang des 21. Jahrhunderts: Mithilfe von vier Roboterarmen, die einen Drehwinkel von 540 Grad haben, können chirurgische Eingriffe durch einen Mediziner erfolgen, der kein Operationsbesteck selber mehr in die Hand nimmt. Der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität hat das „da Vinci“-Robotersystem jetzt in Betrieb genommen, mit dem auch Forschung und Lehre zur roboterassistierten Chirurgie betrieben werden kann. Gleichzeitig und vor allem aber wird das System auch zur Behandlung von Patienten im Uni-Klinikum verwendet. Das hochmoderne System kostete insgesamt zwei Millionen Euro.

 

„Die Anschaffung wurde durch eine großzügige Spende möglich, die die Dr.-Reinfried-Pohl-Stiftung und die Anneliese-Pohl-Stiftung dem Fachbereich Medizin zur Förderung der Forschung in Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen haben zukommen lassen“, sagte Medizin-Dekan Professor Matthias Rothmund anlässlich eines Festakts zur Inbetriebnahme, an der auch Stifter Dr. Reinfried Pohl teilnahm. Bereits an 50 Kliniken in ganz Deutschland wird ein derartiges System für die Operation von Krebspatienten verwendet.

Und so funktioniert das Robotersystem:

Der Chirurg bedient die Operationsinstrumente über eine im Operationssaal befindliche Arbeitskonsole, während daneben der Patient auf dem Operationstisch liegt. So ist ein hochpräzises chirurgisches Arbeiten im gesamten Bauchraum sowie im Kopf-Halsbereich unter optimalen Sichtbedingungen möglich. Beispielsweise finden in den USA bereits über 80 Prozent der kompletten Prostata-Entfernungen mit dem „da Vinci“-System statt.

„Das ist ein großes Spielzeug, aber es ist ein ernstes Spielzeug“, sagte Professor Rainer Hoffmann, der Leiter der Uni-Klinik für Urologie. Denn schließlich gehe es um Operationen zur Entfernung von bösartigen Tumoren. Zusammen mit seinem Team hat Hoffmann seit dem 1. November mit dem neuen System bereits vier Patienten erfolgreich operiert.

Den Gästen beim Festakt führte er ein Video von einer Operation vor. „Die Patienten haben weniger Schmerzen und weniger Blutverlust“, fasst Hoffmann zwei Vorteil des Knopflochchirurgie-Eingriffs mit Hilfe des Roboter-Systems zusammen. Zudem könnten die Patienten ein bis zwei Tage früher nach Hause entlassen werden.

„Das Robotersystem lässt sich mit einem Operationssimulator koppeln, so dass es nicht nur von Ärzten, sondern auch von Studierenden genutzt werden kann, die das robotergestützte Operieren trainieren“, erläuterte Professor Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Uni-Klinikums Marburg. Dies sei ein Alleinstellungsmerkmal im Bundesgebiet, führte Werner aus. Die Einführung der robotergestützten Chirurgie wird am Fachbereich Medizin und am Uni-Klinikum von einer speziell dafür eingerichteten Gruppe von Forschern verschiedener Fachgebiete begleitet und kontinuierlich weiterentwickelt. So solle am Fachbereich Medizin klinische Studien anlaufen, bei denen die Effektivität der neuen Operationsmethode im Vergleich mit herkömmlichen Methoden untersucht werden soll.

von Manfred Hitzeroth

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