Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Vielleicht schafft der Sport die Brücke

Jahrestag des Atombombenabwurfs Vielleicht schafft der Sport die Brücke

In Tenri, einer 70 000-Einwohner-Stadt in Japan, denken die Menschen besonders im August noch an die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki.

Voriger Artikel
Eng, enger, Pilgrimstein
Nächster Artikel
Zeltcamp kann wieder voll belegt werden

Gruppenbild mit Weltmeistern und Olympiasiegern: Yoshimi Masaki, Oberbürgermeister Egon Vaupel, Shinji Hosokawa, Anai Takamasa, Tomoyuki Chikushi, Markus Zaumbrecher und Mitsuhiro Haneda.

Quelle: privat

Marburg. Seit vielen Jahren gibt es Kontakte zwischen der Marburger Philipps-Universität und der privaten Universität in Tenri. Der Austausch geht auf eine Initiative der Philipps-Universität aus den 1960er-Jahren zurück. Seit den 1990er-Jahren besuchen Studierende aus Tenri regelmäßig Marburg.

Nach dem Umzug des Japan-Zentrums von der Marburger Universität nach Frankfurt im Jahr 2006 schien der Austausch zunächst gefährdet. Doch die gewachsenen Kontakte hatten Bestand. Nun werden sie gerade im Bereich des Sports auf Initiative eines Teams um Yasuko Tsuruki (Dolmetscherin), Jörg Chylek (Amateursport: Schwerpunkt Ballsportarten, Fußball und Organisation), Markus Zaumbrecher (Chef-Trainer am Landesleistungszentrum Judo Blista Marburg, Judo Blau-Gelb Marburg) und Brigitte Heusinger von Waldegge (Tanzdidaktik, Universität) wiederbelebt.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) besuchte die Gruppe im Frühjahr Tenri und knüpfte neue Kontakte. „In Tenri ist man sehr daran interessiert, unser Hochschulsystem kennenzulernen“, berichtet Chylek. Einer dieser Kontakte ist Morimoto Satoshi, Hochschullehrer in Tenri. Morimoto berichtet, dass in seiner Heimatstadt gerade in diesen Tagen viel über den Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki gesprochen wird.

Diskutieren über Krieg und Frieden

Die Grundschulkinder von Tenri werden in diesen Tagen alle gebeten, in die Schule zu kommen, obwohl eigentlich Ferien sind, berichtet Morimoto. „Sie lernen an diesem Tag, was Frieden ist“, schreibt er in einer Mail an die OP. Die Stadt selbst hat keine eigene Gedenkveranstaltungen geplant, aber das Thema ist auch 70 Jahre nach den Atombombenabwürfen noch immer aktuell. Schulkinder fahren regelmäßig nach Hiroshima (Entfernung 380 Kilometer) und Nagasaki (800 Kilometer).

„Vor allem im August diskutieren wir immer über Frieden und Krieg und natürlich auch die Atombombe“, berichtet Morimoto, der vor allem mit seinen Kindern darüber spricht, dass die Menschen in Japan eine besondere Geschichte haben und eine besondere Verantwortung für den Frieden.

Er selbst spricht und schreibt gut Deutsch und würde gerne mit Deutschen über die Ereignisse vor 70 Jahren diskutieren: „Wenn ich an Hiroshima und Nagasaki denke, erinnere ich mich immer an die Geschichte in Dresden“, schreibt er nach Marburg.

Jenseits dieser gemeinsamen Geschichte geht es bei den Kontakten zwischen Tenri und Marburg vor allem darum, Möglichkeiten zur regelmäßigen Zusammenarbeit auszuloten. Derzeit gibt es regelmäßige Kontakte vor allem zwischen dem sportwissenschaftlichen Instituten der Universitäten Marburg und Tenri.

Noch viele Freunde bei Blau-Gelb

Japanische Amateursportler, nicht nur von der Universität Tenri, haben zudem großes Interesse, nach Marburg zu kommen, um hier ihren Sport auszuüben, berichteten Jörg Chylek und Yasuko Tsuruki am Mittwoch der OP. Beide betreuen ehrenamtlich junge japanische Sportler, die in Marburg eine neue Herausforderung suchen.

Mitsuhido Manedaetwa war einer der ersten Fußballer aus Japan, die in Marburg kickten. Beim Verbandsligisten Sportfreunde Blau-Gelb Marburg hat er noch viele Bekannte. Heute ist er Trainer in Nagasaki. „Wir versuchen, ihnen hier Spielmöglichkeiten zu geben, dadurch wird auch der Sportstandort Marburg aufgewertet“, sagte Jörg Chylek.

Noch enger sind die Beziehungen im Judo, wie Landestrainer Markus Zaumbrecher erklärte. Er hatte in Tenri die Gelegenheit, gleich drei Weltmeister zu treffen. Zu den Zielsetzungen gehöre es, mit Blick auf Tokio 2020 eine paralympische Nachwuchsförderung auf der Basis dieser Freundschaftsbeziehung aufzubauen,

Und es gibt Perspektiven, diese Zusammenarbeit zu vertiefen: Mit dem neuen Dojo, einer Judo-Trainingsstätte, wie sie in der künftigen Sporthalle in der Leopold-Lucas-Straße entstehen soll, könnten regelmäßig weitere hochklassige Trainer und Aktive nach Marburg geholt werden, sagte Vaupel.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr