Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Viele Marburger fahren „oben ohne“

Anschnallpflicht Viele Marburger fahren „oben ohne“

Für viele gehört er im Verkehrsalltag dazu, für eine kleine Gruppe von Autofahrern scheint er aber auch 40 Jahre nach Einführung der Anschnallpflicht immer noch ein 
lästiges Ärgernis zu sein: der Sicherheitsgurt.

Voriger Artikel
Ursache für Ecoli-Verschmutzung noch unklar
Nächster Artikel
Anwohner fordern Tempo 30

So wie Jan Pultin aus Anzefahr macht es nicht jeder: Bei einer Zählaktion in Marburg ertappte der Auto Club Europa (ACE) 
8,9 Prozent der Autofahrer ohne Sicherheitsgurt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Im Jahr 1976 wurde die allgemeine Anschnallpflicht auf Vordersitzen eingeführt. Zum runden Geburtstag kontrollierten die Mitglieder des Auto Clubs Europa (ACE) Verkehrsteilnehmer rund um den Erlenring per Sichtkontakt auf ordentliches Anschallen.

Die Aktion „komm Gurt an“ hat ihren guten Grund, denn laut Dekra steigt trotz verbreiteter elektronischer Mahnsignale die Quote der Gurtlosen wieder an. „Wir haben in Hessen bei Fritzlar sogar eine Quote von 17 Prozent festgestellt, was schon besorgniserregend ist. Insgesamt schwanken die Zahlen in Hessen zwischen acht und zwölf Prozent,“ bemerkte der Regionalbeauftragte Uwe Völker. Besonders gut schnitt übrigens Frankfurt am Main ab, dort waren nur sechs Prozent nicht angeschnallt.

Jeder fünfte Unfalltote war nicht angeschnallt

Seit 1984 kann es teuer werden, „oben ohne“ im Auto zu sitzen, denn dafür werden Bußgelder von 30 Euro erhoben, wobei im Falle nicht angeschnallter Kinder sogar der doppelte Betrag und ein Punkt in Flensburg ­drohen. In der Vergangenheit wurden teilweise kuriose Einwände gegen das von Volvo entwickelte Sicherheitssystem erhoben, so fürchteten etwa Frauen eine Deformierung der Brust.

In Sachen Sicherheit sind sich zumindest die Experten aber über die Vorteile des Gurts weitestgehend einig, denn er hält die Passagiere verlässlich in ­ihren Sitzen und ergänzt sich hervorragend mit dem Airbag. Laut aktueller Zahlen sind ­unter den Unfalltoten nicht angeschnallte Personen besonders häufig, jeder fünfte im Verkehr getötete Autofahrer im Jahr 2014 hatte auf den Sicherheitsgurt verzichtet.

Wie aber haben sich nun Marburgs Verkehrsteilnehmer geschlagen? „Nun, wir haben heute bei unserer 12. Zählaktion dieser Art insgesamt 1723 Autos erfasst, bei denen war zu 8,9 Prozent der Fahrer oder die Fahrerin nicht angeschnallt,“ berichtet Kreisbeauftragte Ellen Brunet. Damit liegt Marburg im Durchschnitt, allerdings ist keine Verbesserung zu erkennen.

Wirklich zufrieden sind Völker und seine Mitstreiter daher nicht: „Wir hatten uns ­
bessere Zahlen erhofft, aber ­dafür ist zumindest beim Telefonieren während der Fahrt ein klarer Rückgang zu erkennen, vermutlich wegen der häufigeren Freisprechanlagen in den Fahrzeugen.“

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr