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VfB Marburg droht trotz Platzverkauf die Pleite

Sport VfB Marburg droht trotz Platzverkauf die Pleite

Zweifel am Überleben und der Zukunft des Fußballvereins: Das kürzlich aufgestellte Konzept zur Rettung des hochverschuldeten Klubs stößt bei immer mehr Kommunalpolitikern auf Skepsis.

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Dass der Fußballplatz an der Gisselberger Straße auch noch in einigen Jahren Heimspielstätte des VfB Marburg ist, daran zweifeln immer mehr Kommunalpolitiker – trotz des anstehenden Platzverkaufs für rund 450 000 Euro. Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Kurz vor der Entscheidung über den Kauf des Sportplatzes an der Gisselberger Straße durch die Stadt, mehrt sich die Kritik am vorgelegten Wirtschaftsplan des Klubs. Immer mehr Kommunalpolitiker glauben nicht mehr daran, dass der VfB tatsächlich gerettet werden kann - auch nicht mit dem rund 450 000 Euro, die für den Kauf der Rasenfläche lockergemacht werden sollen. Das ist Ergebnis der Debatte im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend.

„Der Wirtschaftsplan dieses Vereins wird nicht funktionieren, die Hoffnungen tragen nicht. Wir werden auch als Stadt mit Sicherheit ins Chaos schlittern, das ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Reinhold Becker (MBL). Zu oft habe er schon die Beteuerungen vernommen, dass dieses oder jenes die letzte Hilfe für den Verein sei - „wie etwa bei den Bürgschaften“, ergänzt er. Jeder Kommunalpolitiker habe bereits Teile des Plans studieren und kritisch überprüfen können. „Niemand kann doch wirklich glauben, dass mit 70, 80, vielleicht 100 Zuschauern pro Heimspiel etwas gerettet, aufgebaut werden kann“, sagt er. Ähnlich argumentiert Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg): „Früher oder später wird dieser Verein Insolvenz anmelden, das ist bereits jetzt absehbar“, sagt sie. Dieser Wirtschaftsplan sei eine gefährliche Arbeitsgrundlage, er sei „nur schnell mit heißer Nadel gestrickt“. Konsens unter den Fraktionen: Einzig die funktionierende Jugendarbeit sei es, die einen Platzkauf rechtfertige.

Für den Fall einer Pleite hat Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) jedoch bereits einen Notfallplan in der Tasche, um die Jugendabteilung des Vereins zu retten. „Es gilt dann, alles dafür zu tun, diese abzukoppeln und anderweitig am Leben zu erhalten“, sagt er.

Die CDU sieht den VfB ebenfalls kurz vor dem Aus. „Ein Sportverein überlebt heute nicht mehr, wenn er nur aus einer Fußballabteilung besteht. Einnahmen aus Angeboten wie etwa Mutter-Kind-Turnen stützen in den meisten Klubs den Fußball, ermöglichen ihn teilweise erst“, sagt Roger Pfalz. Der aktuelle Wirtschaftsplan sei nur ein Stück Papier. Eines, das untrennbar mit den Personen verbunden ist, die sich aktuell für die Rettung starkmachen. „Irgendwann wird wieder ein neuer Vorstand gewählt und dann gelten andere Regeln und Vorgaben. Mir fehlt der Glaube, dass das alles langfristig klappt - Platzkauf hin oder her“, sagt er.

Bauplatz-Verbot gilt nur 15 Jahre

Reinhold Becker wirbt dafür, vor der finalen Abstimmung in der morgigen Stadtverordnetenversammlung das Votum zu überdenken. „Wir haben jetzt die Chance, einen Schnitt zu machen. Die Möglichkeit sollten wir nutzen“, sagt er.

„Ein großer Schnitt wird passieren, sobald neue Leute den Verein führen“, kontert Björn Backes (SPD). Er wolle der neuen Führung die Chance geben, einen Zukunftsplan zu entwerfen. Der Platzkauf sei akut nötig, um den VfB überhaupt in eine Position zu befördern, eine Zukunft gestalten zu können. Auch Vaupel baut auf den Willen und die Kompetenz bei den neuen VfB-Verantwortlichen, die im Juni auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Vorstand installiert werden sollen. „Mit Vertrauen sollten wir den neuen Kurs begegnen“, sagt er.

Plänen, den Sportplatz in Bauland umzuwandeln, erteilte Vaupel eine Absage. Aber: „Das muss nicht für die Ewigkeit gelten“. 15 Jahre lang, so stehe es im Kaufvertrag, gebe es eine Garantie, dass dort keine Häuser errichtet werden. Andernfalls fließen bis zu einer Million Euro. Vaupel betonte, dass mit der Überweisung der 450 000 Euro der VfB keinerlei finanzielle Hilfe mehr zu erwarten habe. „Das Faustpfand ist weg“. Gehe der Verein in den kommenden Jahren pleite, sei das kein Problem der Stadt mehr. „Wir sind aus allem raus“, sagt das Stadtoberhaupt. Fahre der Klub nochmal ein fünfstelliges Defizit ein, sei es aus mit dem VfB Marburg. „Und auch wenn sie dann mit einem anderen Verein fusionieren, ist das nur das Problem des möglichen Partners. Die Kommune sitzt in keinerweise mehr mit im Boot“, sagt er.

von Björn Wisker

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