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Verwirrung um Schrotthandel

Hartz-IV-Betrug Verwirrung um Schrotthandel

Der Vorwurf: Eine Marburgerin soll sich über rund drei Jahre Sozialleistungen in Höhe von 17 000 Euro bei den Behörden erschlichen haben.

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Marburg. Zwischen Sommer 2010 und Winter 2012 soll die 48-Jährige mit einem Schrotthandel mehrere Tausend Euro verdient haben - obwohl sie zeitgleich Hartz IV bezog, ihre Einnahmen aber nicht bei den zuständigen Ämtern angab.

„Immer wieder hat die Angeklagte Folgeanträge auf die Sozialleistungen gestellt, dabei hatte sie paralell eine gewerbsmäßige Einnahmequelle aus dem Verkauf von Altmetallen“, schilderte die Staatsanwaltschaft.

Die Beschuldigte konterte: „Ich habe mit dem Geschäft nichts zutun. Ich gab für die Anmeldung nur meinen Namen her, weil der eigentliche Schrotthändler wegen Schuldenproblemen kein Gewerbe anmelden konnte“ sagt sie. Auch den Transporter meldete die Marburgerin auf ihren Namen an - „wegen der Prozente bei der Versicherung“.

Die 48-Jährige unterschrieb für den aus Mainz stammenden Mann Kaufverträge und Anmelde-Dokumente - solange, bis sie ihm eine Vollmacht ausstellte.

Zeuge bestätigt Version der Angeklagten

Sie habe dem damaligen Verlobten ihrer Tochter einen Start in das selbstständige Berufsleben ermöglichen wollen. „Er war perspektivlos, ich war froh, dass er überhaupt mal etwas machen wollte“, sagt sie. „Alle meine vier Kinder sind auf einem guten Weg, nur die eine Tochter hat Probleme. Eigentlich hab ich ihr helfen wollen, indem ich ihrem Verlobten auf die Sprünge helfen“.Doch außer Ärger habe ihr das Ganze nichts gebracht.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stellten sich im Laufe der Verhandlung vor dem Amtsgericht als Irrtum heraus: Der Schrotthändler, der als Zeuge aussagte, bestätigte die Version der Frau.

„Ich wusste nicht, wie man ein Gewerbe anmeldet und hätte das wegen Inkasso-Sachen auch nicht gedurft. Ich brauchte diese Hilfe, auch wegen meiner mangelnden Ortskenntnis“, sagt er.

Bei Haushaltsauflösungen und Flohmärkten habe er zwar ebenfalls Hilfe der Marburgerin erhalten - doch von dem Geld, das er mit dem Verkauf der Gegenstände verdiente - „das war sowieso wenig“ - habe er nichts abgegeben. „Höchstens mal Lebensmittel eingekauft oder zum Essen eingeladen“, sagt er.

Beschuldigte: „Ich habedaraus gelernt.“

„Und davon hat er selbst alles gegessen“, entgegnete die Beschuldigte.

Die Staatsanwaltschaft plädierte, nachdem zunächst von einer Verfahrenseinstellung die Rede war, auf Freispruch. „Ein Betrug lässt sich nicht nachweisen, die Geschichte ist plausibel“, sagt Dominik Best, Vorsitzender Richter.

Er mahnte die Frau jedoch zu Vorsicht. „Bei solchen Verwand- und Bekanntschaftshilfen kann ein Rattenschwanz dranhängen.“

Der Freispruch, so die Verteidigung, sei für die 48-Jährige wegen möglicher Rückzahlungs-Forderungen seitens des Kreisjobcenters wichtig. „Aus dieser Sache ziehe ich meine Lehren, ich helfe bei sowas sicher niemandem mehr“, sagt die Marburgerin.

von Björn Wisker

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