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Versuchter Totschlag: Angeklagter taucht unter

Aus dem Landgericht Versuchter Totschlag: Angeklagter taucht unter

Eigentlich sollte am Dienstag am Landgericht die Verhandlung wegen versuchten Totschlags gegen
einen Mann aus Marburg beginnen, der Angeklagte ist jedoch verschwunden.

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Ein beschuldigter Marburger wird nun per Haftbefehl gesucht.

Quelle: Tim Reckmann / pixelio.de

Marburg. Nachdem er seinen Nachbarn mit einem Messer angegriffen, diesen mit einem Stich in die Schulter schwer verletzt hatte, hat sich ein 46 Jahre alter Marburger wegen versuchten Totschlags zu verantworten. Wie es scheint, floh der Mann kurz vor dem Prozess samt Familie nach Russland.

Überraschung herrschte am Dienstagmorgen im Schwurgerichtssaal des Landgerichts – auch eine halbe Stunde nach offiziellem Verhandlungsbeginn tauchte der Angeklagte nicht auf. Ein möglicher Aufenthaltsort des Mannes ist nicht bekannt.

Wie der Geschädigte und Nebenkläger vor Gericht mitteilte, wurde die Wohnung des Angeklagten erst wenige Tage zuvor geräumt. Einigen Nachbarn sei ein großer Umzugswagen aufgefallen, der Beschuldigte samt Ehefrau und Kind wurden seitdem nicht mehr gesehen.

Zunächst bestand keine Fluchtgefahr

Der Geschädigte vermutet, dass die russisch-deutsche Familie zu Verwandten nach Russland geflohen sein könnte. Der Vorsitzende Richter Dr. Carsten Paul ordnete Untersuchungshaft für den Beschuldigten an, der nun per Haftbefehl gesucht wird.

Bis zu diesem Zeitpunkt bestand noch kein Verdacht auf Fluchtgefahr des Angeklagten, dieser musste sich nach der Messerattacke bereits Ende Juli, ursprünglich noch wegen gefährlicher Körperverletzung, vor dem Amtsgericht verantworten. Zu diesem Termin erschien der Mann, zudem hatte er bislang einen festen Wohnort in Marburg, seine Ehefrau eine Arbeitsstelle.

Da sich während der damaligen Verhandlung vor dem Amtsgericht der Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt erhärtet hatte, in diesem Fall eine deutlich höhere Strafzumessung zu erwarten ist, wurde der Fall an die nächsthöhere Instanz verwiesen.

Die Tat geschah im Juni vergangenen Jahres: Zwischen dem Angeklagten und Nebenkläger, beide direkte Nachbarn, kam es zum Streit, als der betrunkene Beschuldigte versuchte, in die Wohnung des Geschädigten zu gelangen.

Amtsrichterin vermutete gezielte Messerattacke

Während der folgenden heftigen Schlägerei im Treppenhaus des Wohnhauses soll der Angeklagte plötzlich ein Messer gezückt und versucht haben, dem Nachbarn in den Hals zu stechen. Nur durch ein schnelles Ausweichmanöver konnte eine schwere, vermeintlich tödliche Verletzung verhindert werden, das Messer traf lediglich die Schulter des Opfers.

Dieses erlitt eine bis heute schmerzhafte drei bis vier Zentimeter breite Stichverletzung. Der Angeklagte bestreitet die Tat, weder sei ein Messer im Spiel gewesen noch habe er den Nachbarn angegriffen, sei vielmehr von dem anderen Mann brutal geschlagen worden, gab er vor dem Amtsgericht an.

Die Polizei fand während der Ermittlung eine Messerklinge, die scheinbar mit äußerster Gewalt benutzt und vom Griff gebrochen wurde. Den widersprüchlichen Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten, dass ihr Mann das mutmaßliche Opfer in der Auseinandersetzung war, schenkte das Strafgericht damals keinen Glauben.

Auch aufgrund der umfangreichen Blutspuren am Tatort vermutete die zuständige Richterin viel eher eine gezielte Messerattacke mit Tötungsabsicht und gab den Fall an das Schwurgericht weiter. Bis der vermeintlich flüchtige Täter gefunden wird, ruht die Hauptverhandlung.

von Ina Tannert

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