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„Versuchen, allen gerecht zu werden“

Gefahr durch Islamisten? „Versuchen, allen gerecht zu werden“

Dem Verfassungsschutz sind mehr als 340 Fälle bekannt, bei denen radikale Islamisten in Asylunterkünften versucht haben, Flüchtlinge anzuwerben. In Marburg gab es laut RP Gießen noch keinen solchen Fall.

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In der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Cappel ist es laut dem Regierungspräsidium Gießen zu keinen bekannten Fällen von Anwerbungen durch Islamisten gekommen.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. „Es bereitet uns Sorge, wenn Salafisten und Islamisten Werbung in den Asylunterkünften machen“, hatte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen am Wochenende erklärt. Genau das passierte im vergangenen Jahr offenbar hundertfach. Gerade die jungen alleinstehenden Männer aus dem arabischen Raum sind für die Anwerber der Extremisten ein lohnendes Ziel, da sie ohne kulturelle Bindung oder familiäre Strukturen in Deutschland sind. Eine mögliche Fokussierung der Anwerber auf die Flüchtlinge erscheint da wenig überraschend. Maaßen hatte von bundesweit mehr als 340 Fällen berichtet, in denen Anwerbeversuche bekannt geworden seien. „Aber das sind nur die, die wir erfahren haben“, sagte er. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch deutlich höher. Für Hessen hatte zuletzt im März Innenminister Peter Beuth (CDU) von insgesamt rund 40 Fällen berichtet, in denen Salafisten versucht hätten, an Flüchtlingsunterkünften für ihre Zwecke zu werben.

Darauf, dass es auch in Marburg zu entsprechenden Vorgängen gekommen ist, gibt es laut Regierungspräsidium Gießen (RP) aber keine Hinweise. „Uns liegt diesbezüglich nichts vor“, erklärte ein Sprecher des RPs gegenüber der OP. Gleichwohl sei die Problematik präsent. Auszuschließen seien Anwerbeversuche auch in Marburg nicht. „Aber ob so etwas in der Stadt stattfindet, ist nicht bekannt“.

Mitarbeiter im Camp werden geschult

Maaßen hatte in seiner Verlautbarung erklärt, dass die Betreiber von Flüchtlingsheimen für die Thematik sensibilisiert worden seien. Der Betreiber des „Camp Cappel“, die Firma „European Homecare“ aus Essen, will dazu jedoch keine Aussagen treffen. „Ihre Anfrage betrifft das Primat der Politik und Sicherheitsaspekte“, teilt das Unternehmen der OP mit und verweist für Auskünfte auf das RP Gießen.

„Wir haben den Zahn der Zeit erkannt“, so der Sprecher des RPs. Schon vor der Veröffentlichung der Zahlen des Verfassungsschutzes sei daher das Personal in Flüchtlingsunterkünften regelmäßig „in dieser Sache geschult“ worden. „Auch für die Flüchtlinge selbst ist das gerade in der Mache“. Inzwischen seien 27 Veranstaltungen in 14 Erstaufnahmeeinrichtungen durchgeführt worden, bei denen Flüchtlinge Informationen über die Gefahren des Salafismus erhalten hätten, berichtete das hessische Innenministerium - 4100 Flüchtlinge seien bei den Schulungen bisher dabei gewesen. Hessen sieht sich mit dem Programm bundesweit als Vorreiter.

Eine wichtige Rolle spielen laut Maaßen die Moscheen. „Bekanntermaßen sind unter den Asylsuchenden sehr viele junge Männer mit sunnitischer Konfession. Die kommen oft aus konservativen islamischen Milieus und wollen freitags in eine arabischsprachige Moschee gehen“, sagte er. Eine solche gibt es in Marburg nicht. Viele Flüchtlinge gehen daher in die bisher einzige Moschee Marburgs, wo „wir versuchen, allen gerecht zu werden“, so Dr. Bilal Farouk El-Zayat, Vorsitzender der islamischen Gemeinde. In die Moschee kämen Sunniten ebenso wie Schiiten - insgesamt seien zwischen 40 bis 50 Nationen vertreten. „Unsere Aufgabe besteht darin, den Leuten klarzumachen, dass der Islam viele Facetten hat - und dass man ihn ausleben und sich dabei trotzdem in Deutschland integrieren kann“, so El-Zayat.

von Peter Gassner

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